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Meldung
28.08.2009

Viel Wirbel um Mecki

Ein deutscher Klassiker

Ein deutscher Klassiker

Untitled document Endlich gibt es die Mecki-Gesamtausgabe und im Blätterwald rauscht es gewaltig. Aber die Bedeutung von Mecki für den deutschen Comic lässt sich nicht wegdiskutieren

Untitled document Viele Händler mögen sich gewundert haben, wurde doch plötzlich der lang erwartete Mecki-Band 1958 – schließlich wurden diese Comic-Geschichten noch nie nachgedruckt – mit einem Einlegeblatt ausgeliefert. Auf diesem ist zu lesen, dass es sich bei dem Band um ein "historisches Zeitdokument" handelt, welches alle "Stärken und Schwächen" der 50er Jahre beinhaltet. Zudem ist abschließend darauf zu lesen, dass dieser Reprint-Band nicht in die Kategorie des modernen Kinderbuchs einsortiert werden darf.

Die Reihe Mecki – Gesammelte Abenteuer vom Esslinger Verlag J. F. Schreiber wurde deshalb mit Spannung erwartet, weil es wie schon gesagt, der erste Nachdruck der Comics überhaupt ist, und das als Reihe konzipiert, beginnend mit dem Jahr 1958. Zu diesem Zeitpunkt war die deutsche (Comic-)Welt noch in Ordnung. Während auf der ganzen Welt der Sprechblasencomic schon etabliert war, traute man ihm hierzulande noch nicht so richtig (auch wenn die Abenteuer-Piccolos von Sigurd, Akim & Co. sich einer großen Beliebtheit erfreuten) und so durfte der Redaktionsigel der HÖRZU erst einmal nicht in Sprechblasen reden und Text und Bild waren fein säuberlich voneinander getrennt. Allein schon die nicht geringe Textmenge deutet darauf hin, dass es sich natürlich nicht um ein Kinderbuch handelt. Oder zumindest, wie es ja im Beiblatt steht, nicht um ein modernes Kinderbuch.

Untitled document Aber warum war es überhaupt notwendig darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem besagten Band um eine zeithistorisches Dokument handelt? Vorausgegangen war ein Artikel in der Frankfurter Rundschau, der schwere Vorwürfe gegenüber dem Mecki-Band erhob. Fremdenfeindlichkeit wird dem Redaktionsmaskottchen vorgeworfen, es wurde sogar kurz die Vergangenheit der Autoren im Dritten Reich angerissen. Das veranlasste den Esslinger Verlag Sinn und Zweck solcher Liebhaber-Projekte zu überdenken und daher entscheid man sich für den Beileger. Zudem entbrannte nach dem Artikel in der FR in der Szene ein heftiger Disput, inwieweit man dieses einem deutschen Comic-Klassiker vorwerfen könne und über das Für und Wider solcher Artikel wurde heiß diskutiert. Dabei hat sich wirklich niemand mit Ruhm bekleckert und wer sich noch einmal in Ruhe mit der unschönen Debatte rund um Mecki befassen will, dem sei die Zusammenfassung des Chefredakteurs der Comixene, Martin Jurgeit, auf den Seiten des Tagesspiegels zu empfehlen.

Untitled document Nun ist auch wirklich alles gesagt über diese Debatte, aber eines fällt dann doch auf. Kaum jemand nahm noch das Produkt als solches wahr, alles hing sich nur noch an der Diskussion auf, ob denn der freundliche Redaktionsigel in Wirklichkeit ein erzkonservativer Zeitgenosse der 50er Jahre sei. Dabei ist das Endprodukt von Esslinger ein wirklich schöner Band geworden, dem man die ganze Mühe und Sorgfalt seiner Produktionsphase anzumerken ist. Es wird sicherlich nicht einfach gewesen sein, die ganzen Einzelseiten zusammenzubekommen, denn schließlich sind diese Seiten damals in der Zeitschrift HÖRZU erschienen und es gibt gerade aus der Anfangszeit wenig Originale. Dafür ist der Band äußerst gelungen. Die Seiten sind sorgsam aufbereitet und so bietet sich dem Leser eine fast originalgetreue Reproduktion der Seiten aus der bekannten Programmzeitschrift. Das ist in Zeiten, wo der Produktionsstandart durch Verlage wie Splitter und Cross Cult sehr hoch gehängt wurde, durchaus beachtlich.

Natürlich atmen die Geschichten den Hauch der 50er Jahre, aber dennoch sind sie nicht nur für Nostalgiker interessant. Mecki ist die Spürnase, und er und seine Freunde erleben Abenteuer auf der ganzen Welt, von der Insel Luki-Luki nach Indien, wieder nach Hause und dann auf den Balkan. Die Geschichten halten die Waage zwischen spannendem Abenteuer und lustigem Slapstick. Man kann also förmlich spüren, dass die Abenteuer in der HÖRZU damals jeden begeistert haben. Warum auch nicht, es gab ja nicht sonderlich viel Comic-Serien aus Deutschland und die Zeitschriften-Comics haben viel für eine deutsche Comic-Tradition getan. Trotz der ganzen Diskussion, es ist gut, dass die Mecki-Comics in Buchform wieder erhältlich sind.

Untitled document Bei dem Boom an Gesamtausgaben, die von den Verlagen initiiert werden – und die ein Segen für die Sammler sind – ist der Trend zu Comics aus der deutschen Tradition höchst erfreulich. Cross Cult hat mit den Wiechmann-Comics Andrax, Thomas der Trommler oder jüngst Hombre wichtige Veröffentlichungen vorgelegt und auch Mecki gehört wieder aufgelegt. Denn Mecki gehört neben Nick Knatterton und Jimmy und das Gummipferd zu den ganz großen deutschen Zeitschriftencomics und es ist dem Esllinger Verlag ein langer Atem zu wünschen, damit alle Seiten auch in Deutschland eines Tages vollständig vorliegen. Mecki ist ein bundesdeutsches Phänomen und man darf sich jetzt schon auf die große Ausstellung im nächsten jahr freuen. Band 2 ist übrigens für Januar 2010 angekündigt.

PS
Und für alle, die sich noch weiter mit dem ganzen Universum von Mecki beschäftigen möchten: Kennen Sie eigentlich den Stachelkopf? Der Stachelkopf ist das offizielle Magazin des Mecki-Fanclubs und dort gibt es alles Wissenswerte rund um Mecki zu lesen. Bei PPM gibt es noch die Ausgaben 17-19 zu beziehen.
Auch in der kommenden Sprechblase wird es ein großes Mecki-Special geben.


Reinhold Escher, Prof. Wilhelm Petersen
Mecki - Gesammelte Abenteuer 1 - Jahrgang 1958
Hardcover, 64 Seiten, farbig, 23 x 31 cm
ISBN: 9783480225781
Preis: 14,90EUR

Autor(en): GG

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