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Rezension
23.10.2009

Die Gifticks – Gesamtausgabe 1

Gemeiner als die Daltons

Gemeiner als die Daltons

Untitled document Nach „Cubitus“ hat der Piredda-Verlag nun die zweite Serie für Comic-Nostalgiker und Freunde klassischer (Semi-)Funnies wieder belebt: Anders als der wuschelige Comic-Hund sind die „Gifticks“ allerdings alles andere als niedlich, sondern geradezu abgrundtief böse. Anders aber auch als „Cubitus“ ist diese aus „Fix und Foxi“ bekannte Serie aus den 70er und 80er Jahren in ihrem Umfang eher überschaubar.

Untitled document Wer sich in den kommenden Monaten die drei schön aufgemachten Hardcover-Bände der Piredda-Gesamtausgabe zulegt, befindet sich daher bereits im Besitz des vollständigen „gifticken“ Outputs von Paul Deliège. Neben allen albenlangen Abenteuern der drei bösen Gnome sind sämtliche Kurzgeschichten sowie ein Skizzenteil und ein Interview mit dem Autor enthalten. Piredda setzt dabei inhaltsgleich die zwischen 2005 und 2009 erschienene französische Gesamtausgabe der „Krostons“ für den deutschen Markt um. Seit dem gescheiterten Versuch von Schreiber und Leser mit „Bobo“, dem ungekrönten König der Ausbrecher, wohl die klassische Serie von Deliège am deutschen Markt zu etablieren, liegt damit von dem 1996 verstorbenen belgischen Autor erstmals wieder eine Veröffentlichung in Albenform in Deutschland vor.  

Der erste Band enthält zunächst zwei albenlange Geschichten. In „Geheimnisvolle Bedrohung“ lernen wir den Comiczeichner Max Ariane kennen, der im Folgenden als Erzähler auftritt und den Leser sogar des Öfteren direkt anspricht – eine für Comics eher ungewöhnliche Technik. Ariane steht unter Zeitdruck, weil sein Verlag von ihm dringend einige originelle neue Figuren erwartet, um mehr Schwung in seine Erfolgserie „Pim und Puppi“ zu bringen. Da dem Zeichner allerdings so gar nichts Passendes einfallen will, kommt es sehr gelegen, dass sein Sohn aus der Schule eine alte Zeichnung von drei grünen Gnomen mitbringt. Ariane zeichnet diese kurzerhand ab – und erweckt damit die „Gifticks“ zum Leben.

Untitled document Die Gnome lassen sich nicht zweimal bitten – und sorgen schnell für heillose Verwirrung in Arianes Haushalt. Der erste Band erzählt dann auch im Wesentlichen davon, wie der Zeichner den „Gifticks“ auf die Schliche kommt und versucht sie zu fangen. Ein Besuch bei Monsieur Flamberge, dem die alte Zeichnung gehört, erhellt zudem die Entstehung und den Charakter der grünen Gefahr.

Die zweite längere Geschichte, „Gefahr aus der Druckerpresse“, ist ähnlich aufgebaut wie der Opener – allerdings wird der Schauplatz aus der Wohnung von Max Ariane in die Villa von Monsieur Flamberge verlagert, in die die „Gifticks“ in einem Buch gelangt sind. Auch hier folgen vielfältige, oftmals slapstickartige Such- und Jagdszenen und viele abgrundtief böse Streiche der „Gifticks“, die deutlich machen, dass sie nicht weniger als die Weltherrschaft anstreben.

Abgerundet wird der erste Band der Piredda-Gesamtausgabe noch durch einige Kurzgeschichten, unter anderem eine sehr schöne, atmosphärische Erzählung über die „Herkunft der Gifticks“ sowie eine Story über das bekannte „Lied der Gifticks“, welches sie in allen ihren Geschichten mit Inbrunst anstimmen: „Die Gifticks mit Getöse, sind echt listick und auch böse...“

Untitled document Wie bei einer solchen Serie zu erwarten, ist der Plot zwangsläufig sehr linear angelegt. Geboten wird grundsolide Comicunterhaltung – zeichnerisch ansprechend in Szene gesetzt und gewürzt mit viel Action, unzähligen Gags sowie vor allem wirklich bösartigen Hauptfiguren. Die Gemeinheit und Kreativität der „Gifticks“ sind es auch, die diesen Comic von anderen seiner Art abheben. Die grünen Gnome mit dem Totenkopfhut nehmen keine Gefangenen, hantieren mit Schießpulver, Panzern und Gewehren und haben wahrlich mörderische Ziele. Ihre Untaten werden dabei von Deliège mit großer Liebe für Details gezeigt, so dass sich oft ein zweites Hinsehen lohnt.

Anders als seine Erfolgsserie „Bobo“ hat Deliège die „Gifticks“ nicht im klassischen Funnystil gezeichnet. Das erste Abenteuer, wo noch Arthur Piroton für die Gestaltung verantwortlich ist, ist sogar sehr realistisch gehalten. Ab der zweiten Geschichte verwendet Deliège dann mehr Funny-Elemente – und auch die Figuren werden etwas weniger lebensnah, die „Gifticks“ behalten aber im Gegensatz zu vielen anderen Comics ihrer Zeit einen eher „erwachsenen“ Anstrich.

Untitled document Die „Gifticks“ machen auch nach 30 Jahren noch Spaß. Wem die „Schlümpfe“ zu lieb und die „Minimenschen“ zu bieder sind, der findet hier genau die richtige Alternative – endlich einmal Comiccharaktere, die wirklich böse und hinterhältig sind – und deren Repertoire an Schandtaten schier unerschöpflich ist. So sind die fiesen Zwerge glücklicherweise am Ende der zweiten albenlangen Geschichte auch wieder in Freiheit, so dass das Feld bestellt ist für weitere wahrhaft „gifticke“ Abenteuer...



Die weiteren Bände der „Gifticks“-Gesamtausgabe werden im November 2009 bzw. im Februar 2010 erscheinen. Zusammen mit dem dritten Teil bringt Piredda dann – in bester Splitter-Manier – einen Schuber für alle drei Bücher heraus. Wer Funnies mit originellem und bösem „Twist“ mag, sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

Paul Deliège (Szenario & Zeichnungen) & Arthur Piroton (Zeichnungen)
Die Gifticks – Gesamtausgabe, Band 1 (von 3)
Hardcover, 112 Seiten, farbig
ISBN: 9783941279575
Preis: 27,50 EUR

Autor(en): HS und TL

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