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Fragen an Mark O. Fischer.
05.04.2010

Interview - Was passiert bei Epsilon?

Fragen an Mark O. Fischer.

Nachdem Mark O. Fischer eine Zeit lang als ZACK-Chefredakteur und Verlagsinhaber zweigleisig gefahren ist, widmet er sich jetzt wieder voll seinem Epsilon-Verlag. PPM sprach mit Mark über seine weiteren Pläne

PPM: Bevor wir auf den Epsilon-Verlag zu sprechen kommen: Wie hast du deine Zeit als ZACK-Chefredakteur erlebt?

Mark. O. Fischer: Ich bin dankbar, dass ich es machen durfte, und dankbar, dass ich es nicht mehr machen muss. Die Doppelbelastung des monatlichen Termindrucks neben meinem eigenen Verlag war schon heftig, da ich vieles selber machen musste, was heute delegiert wird. Ich habe es mir dabei aber auch nicht leicht gemacht, weil ich auch Fortsetzungen von Serien gebracht habe, die noch nicht digital vorliegen. Die vielen exklusiven Interviews meines Vorgängers zu den Neustarts hätte ich nicht geschafft, habe dafür dann aber bestehende Interviews aus Frankreich besorgt und übersetzt.
Insgesamt habe ich in der Zeit viel gelernt und bin zum einen von eigenen Magazinplänen kuriert, weil ich den Stress nun kenne, andererseits aber auch gut vorbereitet, falls ein neues Magazin doch mal möglich sein sollte.

Was die eine durch die Presse kritisierte Serie (Stern von Afrika, Anm. d.R.) und die darauf folgende Diskussion angeht, so fand ich die Diskussion an sich interessant, es dann aber doch überzogen mich rechtfertigen zu müssen, wie ich es wagen könne, so etwas zu veröffentlichen. Da gibt es weitaus schlimmere gewaltverherrlichende Serien auf dem Markt, über die sich niemand aufregt. Manche typisch deutsche Reaktionen sind mir einfach fremd, weil ich eher europäisch liberal denke und das entsprechend gelassen sehe.

PPM: Die Auswahl der Comic-Serien ist wohl für jeden ZACK-Chefredakteur ein Drahtseilakt. Man kann es kaum allen recht machen. Wie hast du das erlebt? Top-Serien ins Heft zu bekommen ist wohl nicht nur einer Frage der Rechte sondern auch des Geldes …

Mark. O. Fischer: Was Top oder Flop ist, bleibt Geschmacksache. Ich denke, ein Magazin braucht vor allem Vielfalt für möglichst viele Leser, besonders wenn es das einzige Comic-Magazin auf dem Markt ist. Ich bin mit meiner Mischung aus neuen und alten Serien sowie auch Nachwuchsförderung, die in der kurzen Zeit möglich war, ganz zufrieden, sehe da aber auch keinen signifikanten Unterschied zum ZACK von früher oder heute.
Rechte oder Preise sind das kleinere Problem. Denn die internationale Auswahl an gutem Material ist trotz der aktuellen Flut an Neuerscheinungen auf dem deutschen Albenmarkt immer noch riesig und wachsend.

PPM: Ebenfalls sehr kritisch beurteilen die Fans im Comicforum die Epsilon-Publikationspolitik. Wie gehst du mit der Kritik um?

Mark. O. Fischer: Die Kritik kann und muss ich akzeptieren, da ich selbst ja auch mit den Verzögerungen sehr unzufrieden bin. Ich habe bis jetzt in 13 Jahren 112 Titel geschafft und mache jedes Jahr mindestens 10 neue. Das ist bei meinen vielen Serien zu wenig, aber auch nicht ohne. Die zur Steigerung des Titelausstoßes notwendige Umsatzsteigerung fließt leider nicht so, wie ich das gerne hätte, und da bin ich mit meinen optimistischen Ankündigungen oft übers Ziel hinaus geschossen.
Heftig wird die Kritik aber erst, seit es neue Verlage auf dem Markt gibt, die es besser machen, weil sie mehr Geld in ein zuverlässiges = umsatzunabhängiges Programm investieren können. Dann zu fordern, dass nun gefälligst alle Verlage reich zu sein haben, um die Kunden optimal zu verwöhnen, was angesichts des zunehmenden  Wettbewerbs eher schwieriger wird, ist doch etwas realitätsfremd. Bedenklich wird es dann, wenn Fans Verlage offen dazu auffordern, anderen Verlagen Serien wegzunehmen. Fördern sieht anders aus.

PPM: War es im Nachhinein evtl. ein Fehler, die Anzahl der Epsilon-Serien stark zu erhöhen (deren schnelle Fortsetzung dann nicht mehr gewährleistet werden kann), statt auf eine begrenzte Anzahl von Kernserien (wie zu Beginn deiner verlegerischen Tätigkeit) zusetzen?

Mark. O. Fischer: Generell ist Vielfalt gut für einen Verlag, weil er damit mehr Kunden erreicht. Auf Messen mache ich mit dieser Vielfalt gute Geschäfte. Leider sind viele Händler mit dieser Vielfalt überfordert und bestellen nur bestimmte Serien für eine Kernklientel. Wenn ich immer vorrangig diese Bestseller-Serien so zügig fortsetzen könnte, wie ich sollte, wäre auch die Anzahl der Serien kein Problem, aber leider ist das Lizenzgeschäft doch etwas komplizierter geworden.

Manche Serien sind durch Koproduktionen ins Programm gerutscht, die ich dann so nicht fortsetzen konnte und bis jetzt unvollständig geblieben sind. Dann kamen neue Serien für neue Zielgruppen und Eigenproduktionen hinzu, die der Markt nicht so offen aufgenommen hat, wie ich mir das gewünscht hätte. Im Nachhinein hätte ich bei manchen Titeln evtl. vorsichtiger sein sollen, aber ich habe keinen Titel im Programm, den ich nicht guten Gewissens vertreten kann.

PPM: Könntest du dir ein Back-to-the-roots vorstellen, also nur noch auf einen Bestand von Erfolg versprechenden Kernserien zu setzen und diese kontinuierlich fortzusetzen? Das schafft Vertrauen beim Leser und damit Stammkunden.

Mark. O. Fischer: Ich habe nicht vor Serien auf- oder abzugeben, die ohnehin keiner haben will, weil alle nur auf meine Bestseller scharf sind. Die Bestseller vorrangig fortzusetzen ist aktuelle Strategie, so schnell das eben möglich ist. Und bei neuen Serien halte ich mich zurück, da ich ohnehin nicht unbegrenzt neue Serien einkaufen kann. Denn auch die Lizenzgeber und Autoren und Zeichner selbst wollen natürlich begonnene Serien fortgesetzt sehen.

PPM: Viele Verlage setzen seit einiger Zeit verstärkt auf Gesamtausgaben (teilweise mit Bonusmaterial wie Drucke und Sekundärteilen). Du hast z.B. mit Bob Morane oder Tosca auch diesen Weg gewählt. Ich könnte mir weitere Gesamtausgaben z.B. von Franka, Rubine, Aldebaran und Betelgeuze vorstellen. Gibt es bei dir Planungen in diese Richtung und wie realistisch ist eine Umsetzung?

Mark. O. Fischer: Aldebaran kommt zu Erlangen und Betelgeuze möglichst bald hinterher. Sophia kommt als koproduzierte Gesamtausgabe, sobald Band 3 vorliegt.
Danach geht es endlich mit Bob Morane, Dan Cooper und Altor weiter, mit denen ich erst mal genug Gesamtausgaben abzuarbeiten habe, bevor ich mich an weitere Serien herantrauen kann.

PPM: Ist, gemessen an den ersten Bänden, ein Markt für die Bob Morane-Gesamtausgabe da?

Mark. O. Fischer: Bob Morane wird auch vom Buchhandel weiterhin regelmäßig nachbestellt, so dass sich eine Fortsetzung auf jeden Fall lohnt.

PPM: Wäre ein All-In-One - Konzept wie bei ECC auch ein Konzept für dich? Das würde keinen langen Atem der Fans voraussetzen und nur begrenzt finanzielle Mittel binden.

Mark. O. Fischer: Mit dem All-In-One-Konzept werden Serien zu Einzeltiteln, die es langfristig eher schwer am Markt haben. So etwas bleibt die Ausnahme. Gesamtausgaben machen bei großen Serien mehr Sinn, um sie in weniger Bände zu bündeln.

PPM: Du hast in den letzten Jahren immer wieder Eigenproduktionen vor allem von Comic-Newcomern auf den Markt gebracht. Was ist deine persönliche Motivation?

Mark. O. Fischer: Ich sehe den Sinn eines Verlages nicht nur als Zweitverwertungsgesellschaft von bereits im Ausland erschienenen Titeln. Eigene Künstler zu fördern und diesen eine Möglichkeit zu geben, ihre Werke zu veröffentlichen, halte ich für eine verlegerische Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus macht es auch Spaß, neue Talente zu entdecken und mit ihnen kreativ zusammenzuarbeiten.
Bei der Begrenztheit des deutschsprachigen Marktes bietet sich mit Eigenproduktionen auch die Möglichkeit einer internationalen Vermarktung in anderen Sprachen, sei es als fremdsprachige Eigenproduktionen oder als Verkauf von Lizenzen. Auch multimediale Auswertungen sind denkbar.

PPM: Nun könnte man als Außenstehender vermuten, dass diese eigentlich im Sinne der Comics sehr positive Einstellung deinerseits aber nicht immer unbedingt finanziell lukrativ sein muss. Wie kommen Bände wie Mäx, Luna, Hektor & der Professor oder  Damian & Alexander beim Publikum an?

Mark. O. Fischer: Generell hat es jeder Band 1 erst mal schwer, egal ob Eigenproduktion oder Lizenzserie. Bei Eigenproduktionen kommt erschwerend hinzu, dass eine Fortsetzung erst mal gezeichnet werden muss, was für den Zeichner auch eine finanzielle Belastung ist, wenn Band 1 noch nicht so viel einbringt. Insofern würde ich mir schon etwas mehr kaufkräftige Anerkennung von Fans für neue Projekte wünschen. Formal und inhaltlich haben meine bisherigen Eigenproduktionen schon eine große Bandbreite, die je nach Geschmack auf Lob und Kritik stoßen.

PPM: Wird es von einer der Serien Fortsetzungen geben?

Mark. O. Fischer: Zwei Fortsetzungen sind bereits in Arbeit, andere zumindest geplant.

PPM: Gibt es Planungen für weitere neue Eigenproduktionen bei dir?

Mark. O. Fischer: Zu Erlangen kommen Dede von Erik und Alkandoor von Christine Kaiser, zum Ende des Jahres sollen Jack O'Lantern von Martin Frei und Kim Luna von Dietmar Krüger fertig sein und für nächstes Jahr wird auch schon gezeichnet.

PPM: Der wirtschaftliche Erfolg deines Verlages hängt, wie auch bei jedem anderen Unternehmen, von den Verkäufen ab. Und davon hängen dann wieder weitere Produktionen neuer Alben ab. Sind Eigenproduktionen in diesem Zusammenhang nicht auch ein gewisses Risiko?

Mark. O. Fischer: Ja, das ist ein Risiko, nicht nur für mich, sondern auch für die Zeichner, die viel Zeit und Arbeit in ihre Werke investieren. Ich muss also schon aufpassen, dass das Verhältnis in der Produktion von Bestsellern und Risikoprojekten stimmt. Doch letztlich sollen natürlich auch diese Risikoprojekte wirtschaftlich erfolgreich sein, auch wenn das etwas länger dauert und ich dafür kämpfen muss.

PPM: Ausblick: Mit welchen Alben ist bei Epsilon für die nächsten Monate zu rechnen? Welche Gesamtausgaben sind ggf. angedacht?

Mark. O. Fischer: Zur Aldebaran - Gesamtausgabe kommen noch Alkandoor, Dede, Butterfly in the Air 4 und Das Schiff der Verrückten (der dritte Erotik-Titel von Noe) und Aria 23. Alles Weitere steht stets aktuell auf http://www.epsilongrafix.de/modules.php?name=News&file=article&sid=66

Autor(en): Achim E. Stuehler

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