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Rezension
06.07.2010

Buddy Longway 20 – Legende

Ein berührendes Ende

Ein berührendes Ende

Die beachtliche Western-Serie „Buddy Longway“ wird abgeschlossen und mit dem 20. Band wird deutlich, dass der Zeichner Derib eine große Geschichte erzählt

Im Jahre 1981 erschien im Carlsen-Verlag das erste Album von „Buddy Longway“ von Derib auf deutsch und nun, im Jahr 2010, wird die Reihe mit ihrem 20. Band beendet. Insgesamt brauchte man vier Verlage um die ganze Saga abzudrucken, und der vorletzte Band datiert auf das Jahr 2005. Dann mussten die Fans noch einmal fünf Jahre warten ehe sich Finix an den abschließenden Band machte. Was für ein Glück. Denn Finix spendiert der Ausgabe neben dem regulären Album auch noch einen schönen Sekundärteil, wobei ein aktuelles Interview der interessante Höhepunkt ist. Und „Legende“ ist auch ein würdiger Abschluss der Saga.

„Buddy Longway“, 1974 für das Magazin „Tintin“ entstanden, gehört zu den bedeutendsten Western-Serien aus dem franko-belgischen Raum. Bemerkenswert ist dabei der Wandel des Stils, denn während die Serie im Funny-Stil begonnen wurde, wurde sie zunehmend realistischer, nicht im Strich, sondern auch inhaltlich. Eine große Rolle spielte dabei sicherlich, dass die Figuren – wie im echten Leben – auch altern. Das war beileibe nicht neu im Genre, auch an „Leutnant Blueberry“  gingen die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorüber und so alterte auch Frankreichs beliebtester Western-Held im Laufe der Zyklen.

Aber „Buddy Longway“, dem die Nähe zu Western-Filmen wie „Little Big Man“ und „Jeremiah Johnson“ nachgesagt wird, war noch nie ein reiner Abenteuercomic. Es ist die Geschichte einer Familie im Wilden Westen, einem Trapper und seiner indianischen Frau und den beiden Kindern. Dabei steht das Leben in der Natur im Vordergrund und vor allem das Zusammenleben mit den Indianern. Dadurch wird „Buddy Longway“ zu einem ganz besonderen Western, denn er räumt den Ureinwohnern Amerikas mehr Platz als sonst üblich in anderen Western-Serien ein. Damit folgt Derib den Spuren Jijés, denn der belgische Zeichner war die Inspiration für Derib überhaupt Comics zu zeichnen.

Der Westschweizer Derib war begeistert, als er das erste Mal „Jerry Spring“ sah und beschloss Comic-Zeichner zu werden. Seine Karriere begann er in den Studios Peyo und 1969 schuf er zusammen mit Job den Indianerjungen „Yakari“, der bis heute mit großem Erfolg läuft und dessen Neuauflage sich bei Salleck Publications großer Beliebtheit erfreut. Dann folgten eine Semi-Funny-Western-Serie mit dem Titel „Go West“ (Autor Greg), ehe Derib im Alleingang „Buddy Longway“ schuf. Später ging er noch einige Male auf das Schicksal der Ureinwohner Amerikas ein und schuf kritische Neo-Western wie etwa „Red Road“.

„Buddy Longway“ war nie der große Verkaufsschlager in Deutschland, das deutet sich auch schon alleine durch die vielen Verlagswechsel an. Zudem war die ruhige, manchmal kontemplative Erzählweise Deribs nicht immer jedermanns Sache. Er bricht zudem mit dem Panelschema und arbeitet mit großzügigen, oft ganzseitigen Panelkompositionen. Kritiker warfen der Serie deshalb auch schon einmal vor, man habe ein „Buddy Longway“-Album in acht Minuten gelesen. Nimmt man es dann aber noch ein zweites Mal zur Hand stellt man erst fest, wie intelligent ein Album aufgebaut ist. Auch der Vorwurf, es passiere nichts, ist nicht haltbar denn in den Alben von Derib geht es um Atmosphäre, um das Erzeugen von Gefühlen und nicht um Action. Womöglich ist das die Ruhe der Schweizer Berge, die in diese Serie strahlt.

Im letzten Album wollen Buddy und seine Frau Chinook zurück in den Norden. Unterwegs treffen sie auf ehemalige Weggefährten und auch ein ehemaliger Feind nähert sich beiden. Sehr schön lässt Derib in einer Parallelmontage das Unausweichliche aufeinander zukommen. In einem traurigen Epilog erfährt der Leser erst wie die Konfrontation ausgegangen ist und dieser Epilog lässt die Leser schlucken. Wenn man das Album zugeschlagen hat, möchte man gerne noch einmal die ganze Geschichte am Stück lesen, denn es bleiben keine Fragen offen, sondern es wird deutlich, dass alle Alben miteinander zusammenhängen.

Natürlich wäre eine Gesamtausgabe schön, wie sie gerade von Lombard begonnen wurde. Bis dahin kann sich der Leser allerdings auf dieses kleine Juwel von Finix stürzen, das sozusagen die Essenz der ganzen Reihe ist. „Buddy Longway“ gehört, erst recht nach diesem Band, zu den besten Western-Serien Europas. Mit diesem Band endet nicht nur die Serie, es ist vielleicht gleichzeitig auch eines der letzten Bücher, auf dem das Gütesiegel „franko-belgisch“ draufstehen darf, denn mittlerweile entfernt sich der französische Comic mehr und mehr von diesen Wurzeln, Derib allerdings gehört noch zu der Generation, die unter den „klassischen“ Zeichnern begonnen haben.

Derib
Buddy Longway 20
Legende
Hardcover, 64 Seiten, farbig, A4
ISBN: 9783941236288
Preis: 15,80 EUR

Autor(en): GG

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