 |
 |
| Meldung |
 |
16.07.2010
Interview: Eine neue Comic-Serie von Thorsten Kettermann
Astragard - Der Weg ins Ungewisse |
 |
|
 |
Thorsten Kettermann (Jahrgang 1979) präsentiert den Comic-Lesern im Eigenverlag sein erstes Comic-Album: „Astragard-Der Weg ins Ungewisse“. Der Autor, der auch noch als Lehrer und Illustrator tätig ist, nennt als Inspirationsquellen für seinen Comic eine Mischung aus allen nur erdenklichen Film- und Fernsehproduktionen aus seiner Jugend. Thorsten Kettermann ist auch heute noch ein Filmenthusiast. |
 |
Besonders beeindruckt haben ihn im Laufe der Zeit aber auch ein Making Off von Disneys Atlantis, der Herr der Ringe, 300 von Frank Miller, Die Schiffbrüchigen von Ythaq, Disneys Atlantis, Disneys Treasure Planet, der französische Film „Die Herrscher der Zeit“ und die Animereihe „Record of Lodoss War“.
Seinen eigenen Comic „Astragard-Der Weg ins Ungewisse“ würde der Autor als Mischung zwischen Disneystil und Manga einordnen.
PPM: Gerade ist dein erstes Comic-Album „Astragard-Der Weg ins Ungewisse“ erschienen. Was war dein Beweggrund, als Grafiker und Illustrator/Lehrer etwas völlig anderes, also einen Comics zu machen?
Thorsten Kettermann: Im Grunde war es genau umgekehrt. Ich war der Ansicht, dass eine ordentliche Ausbildung im Bereich Gestaltung die Grundvoraussetzung für diese Arbeit war. So wollte ich zunächst eine gute Berufsbildung erreichen um den Anforderungen der modernen Grafik- und Gestaltungsmedien gerecht zu werden, um dann im zweiten Schritt den Weg der Comics zu gehen. Zumal die Selbstständigkeit immer meine vordergründige Zielsetzung war. Ich wollte in der Lage sein, unabhängig von einem Verlag arbeiten zu können. Dazu gehört ein wenig mehr, als nette Bildchen zu malen! Daraus ergab sich schließlich auch die Arbeit an der Schule!
Im Unterricht lehre ich meine Schüler (10-16) figürliches Zeichnen, Comicaufbau und damit verbundene Gestaltungsgrundsätze, etc. Das erweitert den eigenen Horizont unglaublich. Die Fragen und Ausarbeitungen der Schüler geben mir einen interessanten Einblick auf meine eigene Arbeitsweise. Aber auch auf die anderer Comicschaffender, welche ich zum Teil im Unterricht betrachten lasse.
Im Verlagswesen nehme ich nur noch Illustrationsaufträge an. Die gegründete Verlagsagentur soll sich auch darauf spezialisieren. Spielehersteller und Firmen nutzen hier intensiv das Angebot. Das wollte ich nicht aufgeben, zumal einige meiner Kunden bereits seit Jahren existieren und sich ein sehr gutes Verhältnis etabliert hat.
PPM: War es schwierig, sich auf das Medium Comic umzustellen?
Thorsten Kettermann: Insofern fiel es mir auch nicht schwer, mich auf das Comicmedium umzustellen. Allerdings brauche ich immer etwas Zeit, bis ich mich "eingezeichnet" habe, und das ich durch die beiden anderen Betätigungsfelder oft nur wenig Raum in der Woche für das Illustrieren habe. So ist es immer wieder aufs Neue schwer, den Einstig zu finden und die Arbeit unterliegt stetigen Verzögerungen.
PPM: Wie entstand die Story-Idee zum Comic? Deine Inspirationen waren?
Thorsten Kettermann: Ich habe schon früh mit allerlei Film- und Fernsehproduktionen zu tun gehabt, mein Vater war Filmvorführer und wie ich, ist er noch heute Filmenthusiast. Daher kommt auch der größte Einfluss aus diesem bewegten Medium. Ich habe erst spät angefangen mal hier, mal da einen Fantasyroman zu lesen. Darunter auch der Herr der Ringe. Allerdings hatte der alte Zeichentrickfilm größeren Einfluss als das Buch.
Es war wohl eine Mischung aus allen nur erdenklichen Filmen und Einflüssen in meiner Jugend. Die ersten Ideen und Personen kann ich aufgrund meiner Skizzenbücher auf das Jahr 1991 zurückführen, da war ich 12. Da lag natürlich noch nicht diese Story vor, oder irgendwas, dass auch nur einen Hauch von Vorzeigbarem hatte, aber da fing das alles eben an. Und es wuchs Jahr für Jahr, mit jedem nur erdenklichen Einfluss von Medien. Es existierten 1998 die drei ersten Teile der damaligen Story.
Die wichtigste Inspiration war schließlich ein Making Off von Disneys Atlantis im Jahr 2001. Danach habe ich die über Jahre hinweg gewachsene Story komplett überarbeitet und mit neuen Charakteren und Hintergründen gefüllt. So lag das Stück seit 2001 in der Schublade. Es hatte bis dahin allerdings schon drei bis vier Überarbeitungen erfahren. Die wichtigsten Inspirationen von der Überarbeitung bis zum Druck waren letztlich schon der Herr der Ringe, 300 von Frank Miller, Die Schiffbrüchigen von Ythaq und Disneys Atlantis, sowie Disneys Treasure Planet. Wobei ich den französischen Film "Die Herrscher der Zeit", an dem Jean 'Moebius' Giraud mitgearbeitet hatte, und die Animereihe "Record of Lodoss War", auch noch erwähnen möchte!
PPM: Worum geht es im ersten Abenteuer?
Thorsten Kettermann: Im ersten Teil geht es darum, dem Leser die eigentliche Situation der Welt und seiner Bewohner näher zu bringen. Das Leid, der ziellose Krieg, die Hilflosigkeit aller gegenüber dem fremdartigen Schrecken. Es ist wie eine Einleitung gedacht, ein Intro, das im Film nicht mehr als zehn Minuten bräuchte, aber dennoch notwendig ist. Zudem sollten die wichtigsten Charaktere erscheinen und den Leser durch allerlei Andeutungen neugierig machen. Der erste Teil ist ein Anfang!
PPM: Wie würdest du das Abenteuer stilistisch einordnen?
Thorsten Kettermann: Ich würde es als Mischung zwischen Disneystil und Manga einordnen. Mit beiden Medien bin ich groß geworden und beide haben sicherlich deutlichen Einfluss genommen. Dennoch war es mir immer wichtig, eine eigene Linie zu finden. Ich wollte nie so sein, wie "wer-auch-immer"! Denn die Anderen gibt es ja schon!
PPM: Beschreibe doch bitte kurz die wichtigsten Protagonisten der Serie und deren Rolle. Stand der „Personenstamm“ von Beginn an fest oder gab es Änderungen?
Thorsten Kettermann: Also die wichtigste Person ist "Hevlyn Aegis". Er ist die vorantreibende Kraft, welche sich als Vorbild der Gefahr stellt und eine Lösung sucht, den Krieg zu beenden. Er ist sozusagen der Held. Und er ist der letzte Charakter, der hinzukam. Erst mit der Komplettüberarbeitung wurde deutlich, dass die Geschichte einen wie ihn benötigt.
Dann wären da Androsch und Maire, beides Orks und Soldaten unter dem Kommando von Hevlyn. Sie bilden das Futter der Gruppe. Dienen der Geschichte indem sie diese mit Leben füllen, und sie verkörpern das tragische Schicksal der Welt. Zudem sollen sie Inhalte wie Loyalität, Freundschaft und eben ritterliche Tugenden transportieren.
Und dann wäre da noch Isaar - der Dämonenjäger. Isaar war der erste Charakter überhaupt. Ihn gab es von Anfang an, und die ersten Story-Entwürfe drehten sich ausschließlich um ihn. Damals gab es all die Anderen noch nicht. Sein Wesen ist eher verschlossen. Seine Art kann keine Gefühle empfinden, er ist rational und zurückhaltend, nur gegenüber dem ehernen Feind zeigt er Kraft, Entschlossenheit und vielleicht so etwas wie Hass. Daher brauchte ich schließlich auch einen neuen Charakter wie Hevlyn, um dem Leser einen anderen Protagonisten anzubieten, der zugänglicher ist.
Die neue Rolle, die Isaar zugedacht wurde, kann ich aber noch nicht offen legen, sonst wäre das große Geheimnis schon jetzt dahin!
Durch die Überarbeitung hinzugekommen ist auch Selina, die erst im zweiten Band erscheinen wird und Kapitänin eines Luftschiffes ist. Sie ist der "Pirat" in der Gruppe, ein freches Gegenstück sozusagen.
PPM: Was war für dich bisher die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Story?
Thorsten Kettermann: Eine Story zu finden, die solide ist, und nicht herumschreit: "Schaut mich an, ich bin ganz neu und toll!" Und am Ende aber nur schlecht zusammengeklaut wurde.
Daher lag die Konzentration darin, die Geschichte und ihre Charaktere glaubwürdig zu machen. Das Disneyprinzip eben - 70% Realität, 30% Fantasy. In allen Belangen. Auch vom generellen Design her war und ist es schwierig. Wie sehen Gebäude aus, Kleidung, Luftschiffe.
Astragard sollte immer anders sein. Eine glaubwürdige Alternative. Allein die Luftschiffe sollten nicht wie Boote aussehen und Segel haben.
Der Einfluss der modernen Herangehensweisen der großen Design- und Produktionsstudios, wie WETA und ILM, waren die Grundlage für die Erarbeitung der Story - und darin lag die größte Herausforderung. Darüber nachzudenken, was ich da eigentlich male, und warum!
PPM: Warum hast du dich für das seltene A 4 Querformat entschieden?
Thorsten Kettermann: Das war eine gestalterische Überlegung. Das Querformat entspricht eher der Kinoleinwand und im Designbereich ist das Querformat eh etabliert. Ich konnte so die Szenen besser umsetzen und ich brauche den Platz auch für die Panoramabilder, die in den kommenden Teilen erstellt werden sollen. Das Querformat entspricht zudem eher der Sehgewohnheit. Wir blicken horizontal, nicht vertikal. Wenn man das Comic aufschlägt, nimmt es das komplette Sichtfeld ein, man verliert sich also in den Bildern.
PPM: Du gibst den Panels sehr viel Raum. Nicht selten gibt es nur wenige Panels pro Seite…
Thorsten Kettermann: Das ist in der Tat ein kleines Problem. Das Querformat benötigt eine ganz andere Herangehensweise an die Illustrationen, als das Hochformat. Das mag sich vielleicht seltsam anhören, aber es ist nicht einfach das querlegen eines Hochformats! Der komplette Seitenaufbau unterliegt ganz anderen Gestaltungsgrundlagen und benötigt ein sehr viel konzentrierteres Design. Die Leserichtung verändert sich grundlegend und diesem Umstand muss man gerecht werden.
Wenn sich zu viele Panels aneinanderreihen, würde es den Lesefluss eher stören als unterstützen. Somit bedarf es auch einer anderen Aufteilung und Erzählstruktur. Dennoch, das Querformat ist eine schöne und schwierige Herausforderung an jeden Gestalter.
PPM: Wie viel Alben hast du für den Zyklus vorgesehen und wirst du das Projekt in jedem Fall beenden?
Thorsten Kettermann: Es sind sechs Alben vorgesehen und ich werde auf jeden Fall diese Geschichte zu Ende bringen. Selbst wenn die finanziellen Mittel zum Druck am Ende fehlen sollten, so wird es dann eben PDFs geben. Ich bin ohnehin ein Freund der modernen Medien und wenn der klassische Weg nicht möglich ist, dann eben der Moderne.
PPM: Abschließende Frage: Warum hast du dich für den Eigenverlag entschieden?
Thorsten Kettermann: Unabhängigkeit. Ich habe Gestaltung und Design gelernt, kenne mich gut mit Papieren und Druckmöglichkeiten aus, auch mit dem Druck selbst. Ich könnte es nie erlauben, dass ein Anderer entscheidet, wie und wo ich zu drucken habe! Wenn ich mir die letzten Druckprodukte des "einen größeren Comicverlages" anschaue, dann muss ich sagen - traurig!
Unsere Comics, unsere Geschichten haben es verdient, ordentlich behandelt zu werden.
Ich habe einen speziellen Lack gegen Fettfinger auf dem schwarzen Fond der Seiten, einen Schutzlack gegen Kratzer auf dem Einband und hochwertiges Papier, sowie die hochwertige Fadenbindung des Comicbandes. Eben alles, was ein guter Comic braucht.
Ich möchte mir nicht sagen lassen, dies oder jenes ginge nicht, weil unsere kostengünstige Druckerei im Ausland das nicht drucken kann. Außerdem glaube ich, ein Querformat wäre wohl nie durch die Chefredaktionen gekommen.
Vielleicht kostet "Made in Germany" ein wenig mehr, aber wenn man Comics wirklich liebt, ist es das alle Mal wert. Wir dürfen die nächste Generation nicht mit den Videospielen alleine lassen, sie würde gern Comics lesen, das weiß ich allein aus dem Unterricht heraus, aber das Angebot muss auch etwas her machen! Qualität spielt durchaus eine Rolle!
PPM: Viel Erfolg für deine Comic-Premiere!
Thorsten Klettermann
Astragard 1
-Der Weg ins Ungewisse
Hardcover, 48 Seiten, farbig, 23,5 x 31 cm
Preis: 19,80 EUR |
 |
| |
 |
| |
 |
|
|
 |
Autor(en): Achim E. Stuehler |
 |
 |
|
|
 |
 |
Mehr zum Thema |
 |
|
 |
|
 |
|
|
 |
 |
|
|
|
|