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Rezension
18.08.2010

Die Herberge am Ende der Welt

Magisch-poetisches Fantasy-Abenteuer

Magisch-poetisches Fantasy-Abenteuer

Prugne & Oger erzählen mit der Poesie eines Märchenerzählers und der Kraft leuchtender Aquarellfarben eine traumhaft-surreale Abenteuererzählung um ein mysteriöses Küstendorf

Schon bei „Canoe Bay“ (Splitter) hat der Autor Tiburce Oger mit dem Zeichner Patrick Prugne zusammengearbeitet. Dass sich Oger mit Märchen- bzw. Fantasy-Stoffen auskennt und diese hervorragend erzählen kann hat er bereits bei „Gorn“ (1-7: Splitter [alt]; 2, 3 & 8: Kult Editionen; 9-11: Finix Comics) oder „Lady Gorge“ (Splitter [alt]) unter Beweis gestellt. Prugne hat in „Fol“ (Ehapa) gezeigt, dass er Fantasy hervorragend in Bilder umsetzen kann.


In „Die Herberge am Ende der Welt“ trifft der Schriftsteller Edgar Saint Prieux auf der Suche nach neuen Inspirationsquellen auf ein kleines, verlassenes Küstendorf. Der kränkliche Besitzer der „Herberge am Ende der Welt“ erzählt dem Autor wie es dazu kam, dass fast alle Bewohner ihre Heimat verlassen haben und was es mit den „kleinen Teufelchen“ auf sich hat. Alles begann fünfzig Jahre vorher, als die junge Irena auf rätselhafte Weise verschwindet und ihre Mutter auf grausame Weise ermordet wird. Erst nach über einem Jahrzehnt tauchte die Verschollene wieder auf – doch sie scheint stumm geworden zu sein, aber dafür eine segenreiche Gabe zu verfügen.


Oger inszeniert eine surreale Erzählung, die eigentlich näher zum Bereich der Mythologie, Legenden, Sagen und Märchen steht, als zum typischen Fantasy-Genre. Dabei lässt der Autor die rätselhafte Geschichte den Herbergsbesitzer erzählen, der dem Schriftsteller Prieux in Rückblicken berichtet, was in dem Dorf geschehen ist. Der ungeduldige Prieux unterbricht den alten Erzähler immer wieder, wodurch die Spannung erst recht steigt. Insgesamt wirkt die Geschichte wie schon „Canoe Bay“ sehr poetisch.


Prugne inszeniert die Geschichte mit seinem filigranen Strich. In detailreichen Zeichnungen entfaltet sich eine magisch-traumhafte Bilderwelt, die nicht zuletzt auch durch die leuchtenden, nuancierten Aquarellfarben meisterlich in Szene gesetzt werden. Vor allem in den Hintergrund- und Landschaftdarstellungen kommt die künstlerisch herausragende Kolorierung Prugnes wie schon bei „Canoe Bay“ am besten zur Geltung. Der Zeichner hat bei seinen Zeichnungen und bei seinen Panels auf Tusche gänzlich verzichtet, wodurch die Bilder plastischer wirken.


Abwechslungsreiche Panelanordnungen, ein schönes Lettering und tolle Sprechblasen vervollkommnen das Splitter Book zu einer spannenden und angenehmen Lektüre. Oger und Prugne haben sich weniger technisch, aber dafür inhaltlich gegenüber „Canoe Bay“ noch einmal steigern können. „Die Herberge am Ende der Welt“ ist eine fantastische Geschichte mit einem weit mehr als überdurchschnittlichen Artwork.

Tiburce Oger, Patrick Prugne
Die Herberge am Ende der Welt
Hardcover, 144 Seiten, farbig, 24,5 x 17,5 cm
ISBN: 9783940864086
Preis: 19,80EUR

Autor(en): MB

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