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07.09.2010
Interview
Peter Wiechmann über Andrax, Thomas der Trommler und Hombre |
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Peter Wiechmann (Jahrgang 1939) gehört zu den bekanntesten deutschen Comic-Machern. Außerdem hat Peter Wiechmann als Comic-Autor viele bekannte Serien, darunter Andrax, Hombre und Capitan Terror kreiert. |
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1964 stieg er beim Kauka-Verlag in das Comic-Geschäft ein. Ursprünglich als Redaktionsmitarbeiter verpflichtet, stieg er zum Redaktions- und Produktions-Direktor und später bis zum Geschäftsführer des Kauka-Verlages auf. 1976 übernahm er für kurze Zeit als Chefredakteur das Comic-Magazin ZACK, das im Koralle-Verlag, einer Tochtergesellschaft des Axel-Springer-Verlags, erschien. Nach seiner ZACK-Zeit gründete er das Comic Service Studio COMICON. Das verlagerte er bald nach Barcelona und produzierte von dort aus mit seinen Zeichnern 23 Jahre lang eigene und fremde Comic-Serien, Comic-Magazine, Werbung und Spiele. COMICON existiert und produziert unter der Leitung von Freund und Multitalent Christof Ruoss weiter. Nach dem Ende seiner Spanienzeit erfolgte Peter Wiechmanns Heimweg über die Pyrenäen nach Deutschland. Er lebt heute im bayrischen Pöcking am Starnberger See.
PPM: In den letzten 10 Jahren entstand eine 20teilige Dokumentation über den Kauka-Verlag für die Hethke-Sprechblase, 1999 gab es eine Zusammenarbeit mit dem Egmont Ehapa Verlag und 2003 übernahmen Sie im Auftrag der Kauka Promedia die redaktionelle Verantwortung für das Jubiläumsbuch "50 Jahre Rolf Kauka's Fix & Foxi". Zurzeit arbeiten sie an verschiedenen Neuauflagen ihrer Comics beim Cross Cult-Verlag. Der Comic scheint sie nicht in den Ruhestand zu entlassen …
Peter Wiechmann: Am 29. Oktober 2009 jährte sich mein erstes Wiegenfest zum 70sten Mal. Ich mache mir deshalb Dampf, um noch alle Serien-Liegenschaftren mit eigenem Copyright (= z.B. DIETRICH VON BERN, MISTER MELONE, TEX&MEX, BENS BANDE) bei guten Verlagen unter zu bringen. Sorgsam überarbeitet und alle mit neuem Text versehen.
Außerdem gab mir Frau Alexandra Kauka die Lizenz für ein großes Projekt mit dem Arbeitstitel TITANEN TRILOGIE. In einer dreibändigen Groß-Ausgabe möchte ich darin die besten meiner Kauka-Serien aus primo versammeln und in hervorragender Gestaltung samt redaktioneller Ausstattung präsentieren.
PPM: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Cross Cult-Verlag?
Peter Wiechmann: Andreas Mergenthaler ‚kaufte’ mich sozusagen zusammen mit der Drucklizenz ( = Frau Alexandra Kauka) als Neu-Texter, Schreiber der Editorials am Ende jeden Bandes und als Zusammensteller des Serien-Materials für die fünf Bände. Daraus entwickelte sich dann die gute Zusammenarbeit, die bislang in ANDRAX, THOMAS DER TROMMLER und in den beiden HOMBRE-Bänden mündete.
PPM: Die erste Serie, die bei Cross Cult neu veröffentlicht wurde, war Andrax. Wie entstand der Serientitel?
Peter Wiechmann: Der Serienname Andrax dürfte auf einer phonetischen Verschärfung des catalanischen Namens Port d'Andratx beruhen. Die Hafenstadt auf der Insel Mallorca wird in den Prospekten sowieso mehr und mehr als Port Andrax ausgedruckt ... weil es sich einfacher spricht! Die Römer nannten ihre Siedlung im Ursprung Andrachium.
PPM: Wer hatte die Idee zu Andrax und wer gehörte außer ihnen zum Kreativteam? Wie kam die Serie an?
Peter Wiechmann: Die Serientaufe selbst geht auf Jordi Macabich zurück. Studiochef von Bardon Art – oberster Dompteur der Zeichnerelite und Serienproduzent in den Zeiten von primo. Jordis Familie kommt seit altersher aus Mallorca. Damit wären die recht realistischen Mutmaßungen über die Namensgebung zum ersten Mal in der Welt und die Gemüter können sich daran erwärmen.
Der Serie selbst bahnte damals ein anderer Schwertschwinger namens Kronan den Weg zu primo. Sie entstand auch in Barcelona und stammte aus der Feder des katalanischen Zeichners Jaime Brocal Remohi. Sein Muskelpaket Kronan marschierte in germanischer Urwüchsigkeit durch die martialischen Gefilde der nordischen Götter- & Heldenepen in leicht südländischer Interpretation und Abwandlung.
Leider aber gelangte der Nachschub an neuen Seiten immer nur nach zähem (Preis-) Ringen über die Pyrenäen. Deshalb suchte ich eine besser sprudelnde Quelle und fand sie – wie immer – bei Bardon Art in Barcelona. Jordi Macabich hörte sich meine Vorstellungen zur Serie an und bestimmte Jordi Bernet als kreative Vollzugsperson der redaktionellen Wünsche und Vorgaben. Für mich war der Zeichner noch ein unbeschriebenes Blatt, aber nach dessen ersten ANDRAX-Skizzen änderte sich das schnell...!
ANDRAX stieg steil zu einer der Leitserien in primo auf und eroberte sich - so schnell wie bald darauf Capitan Terror – die Lesergunst. Nach dem Verkauf des Kauka-Verlages und einem kurzen Andrax-Gastspiel bei ZACK ging die Serie in den Archiv-Schubladen auf Tauchstation. Das Geheimnis um Andrax Irrwanderungen durch Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erfährt seine – sehr überraschende – Lösung bei Cross Cult!
PPM: Im Namen des Herrn zur Hölle: Der Dreißigjährige Krieg! Unter diesem Zusatztitel ging Thomas der Trommler für Cross Cult an den Neustart. Wie sahen ihre Vorbereitungen zu diesem besonderen Buch aus?
Peter Wiechmann (rückblickend): Zu diesem – einst in YPS selig gestarteten – Schicksals-Comic aus den Wirren einer jahrzehntelangen Zeit des Mordens, der Schlachten, Scharmützel, der Pest, der Folter und des Hungers setzte ich vor einigen Tagen den Schlusspunkt unter das Manuskript. Außer all den neu getexteten Trommler-Episoden erwarten euch Leser sehenswerte Dokumentationen über das Kämpfen, Leben und Sterben der Landsknechte und Söldner, durch Bilder, Stiche, Radierungen zeichnender Zeitzeugen grausam lebendig gehalten.
Mit dem kühlen Blick des unbestechlichen Beobachters wurde der Nachwelt entsetzliches vom Kämpfen, Köpfen, Foltern, Erdulden, Plündern, Huren, Saufen, Verrecken, Totschlagen, Auf-das-Rad-flechten, Zersägen, Hängen ... und das Überleben überliefert. Ich habe diese erschreckenden Bilddokumente aus zwei Zentner Buchbestand herausgefiltert, damit sie ihren Platz neben der grandiosen Bildgeschichte von Juan Sarompas und Josep Gual einnehmen. Eins steht für mich fest: Thomas der Trommler wird durch die Cross Cult-Ausgabe mit ganz neuen Augen gesehen werden! Die einst schon populäre Serie gewinnt noch einmal sehr kräftig an Ausstrahlung!
PPM: Der weitere Slogan, von ihnen selbst ausgegeben, hieß „Go West! ...“ Mit HOMBRE gibt es nach 30 Jahren ein Wiedersehen mit Ihrer Western-Serie, die damals mit einigem Erfolg in YPS veröffentlicht wurde…
Peter Wiechmann: Meisterzeichner Rafael Mendez gab dieser Serie genau die von mir angestrebte Optik. Sein unnachahmlicher Strich – scheinbar hingefetzt – erzeugt das raue Bild einer rauen Zeit. Da kommt nichts gefällig in glattem Hollywood-Glamour daher! Die Figur des Hombre ist eine Mischung aus Burt Lancaster in seinem Streifen „Valdez kommt!“ (Wir haben dessen hartnäckige Zielstrebigkeit und seine extrem weit reichende Büffelbüchse entliehen) und etwas Manos Kelly. Von ihm stammt der zerbeulte Stetson...
Auch sonst ist die Serie von bester Originalität und ich freue mich auf das erneute Abtauchen in die Schauplätze Prärie, Rockys, Western-Towns und Outlaw-Camps ... auf der Jagd nach dem Lonely Wolf, dem der Pinkertonagent Ronegall Dawson an den Fersen klebt ...
Rückblick: Für diesen Coup war 1978 die Zeit reif. Die YPS-Redaktion gab mir die großartige Chance, auf einen Schlag fünf neue Serien zu kreieren und mit namhaften spanischen Artists zu produzieren. Ich nutzte die unwiederbringliche Gelegenheit, arbeitete Tag & Nacht wie in Trance und es entstanden: Mister Melone, Bens Bande, Gries, Gram & Grimm und eben HOMBRE wie auch THOMAS DER TROMMLER!
Nach 15 spannenden Episoden hatte HOMBRE seine feste Fangemeinde unter den YPS-Lesern. Darunter auch Joachim Kaps, der spätere Mitherausgeber des Comicfachmagazins COMIXENE. Er fand es 1996 an der Zeit, HOMBRE ein Comeback zu verschaffen. Doch Joachim Kaps kam erst die Einstellung des Magazins COMIXENE und dann wohl der Ruf zu Carlsen dazwischen. Und wir bei COMICON waren nicht böse ... denn die Arbeitsflut drohte mal wieder über uns zusammenzubrechen.
Wir rechneten locker mit einem Aufleben des Gedankens in unbestimmter Zukunft - und genau so kam es ... wenn auch erst nach etwas mehr als einem Jahrzehnt. Denn auch Cross Cult -Verleger Andreas Mergenthaler las sich seinerzeit auf den Spuren von HOMBRE durch die Abenteuer in YPS – und aktivierte nun seine lebhaften Erinnerungen. Fazit: 30 Jahre nach der Premiere erfuhr meine Serie ihr - wie die Fans bestätigen – verdientes Comeback!
PPM: Die Neu-Präsentation ihrer Serien Andrax, Thomas der Trommler und zuletzt Hombre bekam einiges an Medieninteresse. Sind sie mit der Umsetzung der Bände zufrieden?
Peter Wiechmann: Ich schätze das grafische Gespür von Andreas Mergenthaler sehr! Über das ANDRAX-Format lässt sich diskutieren, aber an der gelungen Gestaltung der fünf Bände dürfte einhellig Begeisterung vorherrschen. Übertroffen werden die ANDRAX-Bände aber meiner Meinung nach von THOMAS und HOMBRE. Hier ist die Einfarbigkeit endlich und eindeutig zum grafischen Stilmittel avanciert. Zur Art des Papiers sagte mir kürzlich ein Buchdesigner: „Hier hat ein Verlag endlich einmal Mut bewiesen und ein ungeheuer griffiges, lesefreundliches und leicht gefärbtes Werkdruckpapier gewählt. Glückwunsch!”
PPM: Wie war die Reaktion der Comic-Fans auf den Festivals und Signieraktionen? War es für sie interessant, Ihre alten Primo, ZACK und Yps – Leser persönlich zu treffen?
Peter Wiechmann: Ja, das waren schon eindrucksvolle Begegnungen der ganz besonderen Art! Ich habe den Zuspruch sehr genossen. Vor allem kam ich aber dabei auch in Kontakt mit Newcomern ... junge Lesern also, die ANDRAX, THOMAS und HOMBRE gerade erst für sich entdeckten.
PPM: Viel Erfolg für die Neuauflagen Ihrer Comics bei Cross Cult! |
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Autor(en): Achim E. Stuehler |
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