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Rezension
21.01.2011

Wer Wind sät

Beeindruckende Geschichts-Mystery

Beeindruckende Geschichts-Mystery

Bonin und Galandon entführen uns in die historische Welt des Bergbaus und die Kultur der Zigeuner, mit einem Hauch von Phantastik und tragischer Romanze

Der kongeniale Zeichner Cyril Bonin konnte schon durch die viktorianischen Mystery-Thriller FOG (mit Roger Seiter) oder auch mit seinem QUINTETT (mit Frank Giroud), die beide bei comicplus+ erschienen, beweisen, dass er ein einmaliges Talent besitzt. Der aufstrebende Szenarist Laurent Galandon ist in Deutschland noch nicht bekannt. Im franko-belgischen Gebiet konnte der Szenarist jedoch schon erste Akzente durch seine Debütwerk LE CAHIER À FLEURS, einem Comic mit der Zeichnerin Viviane Nicaise über den Genozid 1915 am armenischen Volk, oder L’ENFANT MAUDITt, wo er die Bewegung der 68er in Frankreich darstellt, setzen.


Ein Bergarbeiterdorf im Norden Frankreichs zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Während die Bergarbeiter-Kumpels, die „gueules noires“ tagtäglich unter immer riskanterem Bedingungen in die Mine hinabsteigen, um sich ihr Brot zu verdienen, sorgt eines Tages das Erscheinen einer Zigeunersippe im Dorf für viel Aufsehen und schürt vergessen geglaubte Ängste und Feindseligkeiten unter den ansässigen Dorfbewohnern. Antoine, ein junger Bergarbeiter, befindet sich gerade auf der Suche nach seiner Zukunft und trifft dabei auf Kheshalya, eine junge Zigeunerin, die Spuren nach der Wahrheit über ihre Vergangenheit nachgeht. Zusammen lüften sie ein dunkles Geheimnis.


In Wer Wind sät vermischt der Autor akribisch recherchierte Aspekte der historischen Arbeiterkultur, indem er den Bergbau thematisiert, mit Leben und Alltag der Roma. Zwei Welten und Kulturen prallen in der spannungsgeladenen Story aufeinander und fast nebenher bekommt man noch höchst interessante Details aus der Kulturgeschichte mitgeliefert. Hinzu kommt dann noch ein Hauch von Mystik, weil Galandon Geister in die Handlung einbezieht. Die phantastischen Elemente sind aber äußerst dezent eingestreut und beschränken sich auf die Geisterscheinung. Das Rätselhafte und die Vergangenheitsbewältigung stehen hier eigentlich im Vordergrund.


Bonin bleibt dankenswerterweise  seinem unnachahmlichen Strich treu. Sein detailreicher Zeichenstil besticht vor allem durch seinen leicht karikierenden Ansatz und wir durch seine atmosphärisch dichte Farbgestaltung abgerundet. Auf diese Weise entstehen geniale Bilder, die auf einer hauchdünnen Linie zwischen Realismus und Phantastik pendeln. Auffallend sind auch seine oft großzügige Tuschekolorierung, wodurch er nicht nur Schatteneffekte einsetzt, sondern fast schon in den Comic Noir verfällt.


WER WIND SÄT ist nach MIT FREMDER FEDER und QUINTOS bereits der dritte Titel aus der Edition Solitaire. In der von Finix Comics eigens aus der Taufe gehobenen Reihe erscheinen im Gegensatz zum Restprogramm ausschließlich opulente Hardcoveralben mit Spotlack und einem üppigen Bonusmaterial: Portrait der Comickünstler, Feature über den Bergbau des 20. Jahrhunderts, Feature über die Kultur der Sinti und Roma und Skizzen.


Der Verlag setzt mit seinen Graphic Novels aber auch inhaltlich neue Maßstäbe: So ist WER WIND SÄT nicht nur ein wundervolles und reich ausgestattetes Album. Es vermischt auch auf geschickte Art Genres und Inhalte zu einem unvergleichlichen Leseerlebnis. Diese Graphic Novel sollte in keiner gut sortierten Comicsammlung fehlen!

 

Bonin, Galandon
Wer Wind sät
–Edition Solitaire
Hardcover, 80 Seiten, farbig, incl. Bonuspart
ISBN: 9783941236363
Preis: 17,80 EUR
 


 

Autor(en): MB

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