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01.07.2011

10 Fragen an Autor Christopher Pirker

Mazehopper 1

10 Fragen an Autor Christopher Pirker - Mazehopper 1

Heftig diskutiert wird gerade im Comic-Forum das bei Epsilon neu erschienene Comic-Album „Mazehopper 1: Die fünfdimensionale Karte“. 

PPM stellte dem österreichischen Comic-Autor Christopher Pirker zehn Fragen rund um sein Projekt.


Als Inspirationsquellen für seinen Comic nennt Christopher Zeichner wie Lewis Trondheim, Manu Larcenet und Joan Sfar.


PPM:  Wie entstand die Idee für das Comic-Projekt "Mazehopper“?

Christopher Pirker: Mazehopper war ein kreativer Prozess über mehrere Jahre hinweg. Die ersten Inspirationen entstanden beim Snowboarden am Sessellift. Mir kommt die Stimmung auf einer verschneiten Piste immer sehr spacig und "ausserirdisch" vor: das rote Licht durch die Skibrille (oranger Schnee), Radrakspuren, Sonne und Wolkenmeer, das Schwebe - und Fluggefühl im Tiefschnee....
Wenn man dann noch nebenbei immer mit irgendwelchen Fantasygeschichten beschäftigt ist, führt so eines zum anderen. Ein bestimmtes Snowboarddesign gab mir dann den endgültigen Anstoß, eine Geschichte mit Fantasy-Elementen in Verbindung mit Science Fiction zu probieren.
Das Entwickeln der Figuren, des Koboldlabyrinthes und der Storyline dauerte dann mehrere Jahre.


PPM: … und wie entstand die Verbindung zum Epsilon-Verlag?


Christopher Pirker: Lange Zeit verging auch damit, das fertige Projekt bei den Verlagen zu präsentieren, auf Absagen zu warten, um es beim nächsten Verlag eine Spur besser zu machen. In Innsbruck, Österreich, lebt man in Sachen Comics im totalen Outback.
Aber in einer Buchhandlung liegen dann doch ein paar Kataloge verschiedener Verlage vor. Den Epsilon-Katalog fand ich sehr ansprechend und so war der nächste Schritt, mein Konzept an Mark Fischer zu schicken, der dann von diesem Projekt schnell überzeugt war.
So fing ich an, das Drehbuch in ein Storyboard umzusetzen und dann zu zeichnen.


PPM:  Seit wann bist du als zeichnender und schreibender Comic-Künstler tätig? Was waren deine bisherigen Arbeiten?

Christopher Pirker: Comiczeichner bin ich als Kind schon gewesen. Ich habe deshalb Grafik Design studiert, und einige Arbeiten als Illustrator gemacht. Kleinere und größere Aufträge, manchmal Comicstrips und Cartoons. In Wien, am Kolleg, hab ich dann die Idee, wirklich Comicgeschichten zu zeichnen, wieder neu entdeckt, da ich hier das erste mal größere Comicläden betrat und sah, was mit diesem Medium alles möglich ist. Einige Serien haben mich wirklich umgehauen und dann habe ich beschlossen, dass ich das auch machen will.


PPM:  Wie lange hast du für das Szenario für den ersten Band gebraucht?

Christopher Pirker: Das Drehbuch ging recht schnell. Ich habe mir eine Woche Urlaub genommen und ein paar Nachmittage dazu. Das Drehbuch war eine sehr reduzierte Zusammenfassung der Geschichte, die im Kopf schon größtenteils vorhanden war, mit den wichtigsten Punkten und Kameraeinstellungen. Die Umsetzung zum Storyboard mit den genauen Details der Handlung und den Texten dauert dann pro Seite im Durchschnitt eine Stunde. Aber die eigentliche Arbeit ist die Denkarbeit dazwischen, immer mit der Geschichte beschäftigt sein, die Szenen im Kopf oft durchgehen und verbessern. Das ist zeitlich nicht messbar.


PPM: Wie entstand der sehr individuelle Zeichenstil? Gibt es Zeichner aus dem Comic/Kunst-Bereich, die dich inspiriert haben?

Christopher Pirker: Da die drei Drachenkinder eher asiatische Drachen sind, wollte ich asiatische Elemente in meinen europäischen Comicstil einbauen. Ein Crossover zwischen Manga und frankobelgischem Comic. Das waren meine Vorgaben...ist mir sicher nur teilweise gelungen, aber so bin ich zu diesem Zeichenstil gekommen.

Mich inspirieren vor allem Zeichner wie Lewis Trondheim, Manu Larcenet und Joan Sfar, weil sie es schaffen, mit ganz einfachen, schnellen und lockeren Strichen eine Geschichte zu erzählen. Das hat mich sehr motiviert. Für mich lebt eine Geschichte viel mehr, wenn sie möglichst die lockere, schnelle Geschwindigkeit vom Storyboard übernimmt. Voll durchdesignte Panels haben oft was steriles. Da lebt die Geschichte nicht mehr. Im Storyboard habe ich als Zeichner am meisten Gefühl für die Geschichte. Dieses Gefühl sollte der Leser möglichst nachempfinden können.
Eigentlich muss ich aber auch zugeben, dass ich aus meinem schlampigen Arbeitsstil eine Tugend gemacht habe und gerne oft reduziere und vereinfache wo es geht...

Neben den drei genannten Künstlern inspirierte mich vor allem die Serie Spirou und Fantasio mit den Geschichten von Morvan und Munuera. Aber auch der Fantasy-Stil von Tim Burton und die Geschichten von Pixar. Yves Tanguy ist so ziemlich der einzige Maler, der mich geflasht hat. Und den Zeichner Paul Flora hatte ich lange als Vorbild. Und Janosch.


PPM:  Wie hast du den Comic "handwerklich" umgesetzt?


Christopher Pirker: Ich habe immer einige Seiten Storyboard gemacht und dann gezeichnet (eine Seite jeweils auf A3). Ich weiß, dass man das genauer machen könnte, wenn man wirklich die Panels sehr groß zeichnet. So habe ich auf kleinen Panels sehr viel unterbringen müssen. Das Zeichnen einer Seite dauerte ungefähr vier Stunden und dann noch mal so lange für das Retuschieren und Kolorieren.


PPM:  Ohne zuviel zu verraten: worum geht es in Mazehopper 1? Ist der Band 1 von der Handlung her in sich abgeschlossen?

Christopher Pirker: Mazehopper sind Leute, die aus einem riesigen Labyrinth auszubrechen versuchen, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Kobolde können eigentlich gar nichts dafür, aber in Ihrer Natur liegt es eben, riesige Labyrinthe anzulegen, um möglichst viele Lebewesen dort gefangen zu halten. Die drei Drachenkinder geraten in dieses Labyrinth.
Ein Kaninchen mit Taschenuhr kommt auch vor, nur dass es eine Stoppuhr verwendet und technologisch überhaupt am neuesten Stand intergalaktischer Technik ist. Aber mehr möchte ich noch nicht vorwegnehmen. Der erste Band ist eine abgeschlossene Geschichte. Der Pilotfilm sozusagen.


PPM: Für die Fans: Wird es eine Fortsetzung von Mazehopper geben?

Christopher Pirker: Ich weiß selber noch nicht, wie es weitergehen wird. In meinem Kopf bin ich ungefähr bei Band 5, Ideen für weitere Folgen wären genug da. Ich weiß aber noch nicht, wo ich Zeit und Geld hernehme, um die Geschichte weiterspinnen zu können. Mal schauen, wie Band 1 ankommt und was so passiert...


PPM: Wo können dich die Fans in Deutschland/Österreich auf Promotion- und Signieraktionen treffen?

Christopher Pirker: Nach dem Comicfestival München ist für den Herbst eine Präsentation in Tirol geplant. Mehr weiß ich auch noch nicht.
 

PPM:  Woran arbeitest du neben deiner Comic-Tätigkeit?

Christopher Pirker: Ich bin irgendwie immer am Herumprobieren, was man im Comicoutback Tirol und Österreich so damit machen kann. Auf pixcomix.at kann man meine Projekte sehen. Zum Geldverdienen habe ich als Koch und Thekenkraft bei einer Lebensmittelkette eine gute Beschäftigung gefunden. Zurzeit bin ich eher beim Kochen als beim Zeichnen. Das ist besser zum Geldverdienen geeignet als Kunst (lacht).


PPM:  Vielen Dank für das Interview.  




Eine Lesprobe gibt es hier:

http://www.mycomics.de/verlagscomics/fantasy/mazehopper-1.html

von Achim E. Stuehler
Stichwörter: Epsilon

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