Supreme ist ein Superheld, der noch muskulöser, stärker und besser erscheint als die ohnehin anderen übermenschlichen Superhelden. Der Held der Superlative wurde ursprünglich vom Image Comics-Mitbegründer Rob Liefeld erfunden und debütierte 1992 in der dritten Ausgabe von Liefelds Reihe YOUNGBLOOD (Image Comics). Doch schon bald erhielt Supreme seine eigene Serie. Bei nona arte liegt nun der zwei Jahres-Run (1996-1997) von Altmeister Alan Moore auf Deutsch vor. Mit SUPREME – THE STORY OF THE YEAR ist der erste Band (US-Supreme Nr. 41-46) von zwei erschienen.
Ethan Crane alias Supreme wird darin als mächtigster Held aller Zeiten eingeführt. Unvermittelt stellt er jedoch schnell fest, dass ihm seine Erinnerung an seine Vergangenheit fehlt. Neben den Gedächtnislücken muss er sich in Zivil als Comiczeichner bei Dazzle Comics in Omegapolis beweisen. Erst schrittweise ergibt sich Stück für Stück ein Bild seiner Vergangenheit. Neben seiner Origin Story erlebt er noch einmal seine Abenteuer als Kid Supremo, seine Kämpfe gegen Darius Dax und seine Freundschaft mit den Allierten Supermännern von Amerika.
Alan Moore hat Supreme seinerzeit zusammen mit einer Gilde von Zeichnern (Joe Bennett, Richard Horie, J. J. Bennett, J. Morrigan, Rick Veitch, Keith Giffen und Dan Jurgens) zu neuen, ungeahnten Höhenflügen gebracht. Moore nähert sich der Figur als archetypischem Superhelden, um aus dem Charakter ein höheres Wesen zu formen. Als Pate stand zweifelsohne der Charakter Superman, aber SUPREME ist auch eine generelle Verneigung vor dem Superheldengenre. Gleichzeitig ist es aber auch eine Satire des Genres, weil Moore mit den gängigen Motiven und Versatzstücken wie ein Jongleur zu spielen weiß.
Unter dieser Oberfläche, die als Superman-Hommage/Persiflage gelesen werden kann, verbirgt sich auf den zweiten Blick jedoch ein komplexer und vielschichtiger Charakter. Moore setzt sich nicht nur mit der gesamten Entwicklung der Superheldencomicgeschichte auseinander, sondern verfolgt dabei auch noch erfolgreich den Ansatz einen Superhelden-Prototypen für das 21. Jahrhundert zu erschaffen. Mit logischen Handlungs-, Genre- und Zeitsprüngen überrascht Moore seine Leser ein aufs andere Mal und lässt sie auf diese Weise beim Geheimnis um Supreme miträtseln.
Die verschiedenen Zeichner setzten Moores Stories in ihren jeweils individuellen Zeichenstilen passend und stilsicher um. Ob Semi-Funny, 1950er Retro-Optik oder 1990er Hochglanz-Ästhetik – stets treffen die Illustratoren den richtigen Ton und verleihen Moores Geschichte eine beeindruckende grafische Umsetzung.
SUPREME lässt sich zwar leichtfüßig wie ein typischer Superheldencomic lesen, aber er birgt daneben noch eine komplexe und selbstreflexive Auseinandersetzung mit Superman und dem Superheldengenre. SUPREME ist nicht frei von Augenzwinkern, was unter anderen durch selbstironische Töne, satirische Episoden und typisierte Darstellungen erreichet wird. So liest sich SUPREME als Genre-Meisterwerk und zeigt dessen Möglichkeiten, Stärken und Schwächen.
Softcover, 152 Seiten, farbig, 24 x 16 cm
ISBN: 9788897062103
Preis: 19,50EUR