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12.08.2011
Heiter bis wolkig:
Nona Arte zieht eine Startbilanz |
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Nona Arte, ein italienischer Verlag, veröffentlicht seit September 2010 Comics in Deutschland. Macher von Nona Arte ist Andrea Rivi. Der Verleger zog für PPM nach einem knappen Jahr eine kurze Zwischenbilanz. |
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PPM: Andrea, nun sind einige Monate seit dem Verlagsstart in Deutschland vergangen. Wie ist deine Bewertung des bisherigen Verlaufs?
Andrea Riwi: Ich kann sagen, dass meine Einschätzung das bestätigt, was ich bereits aus meiner persönlichen Erfahrung bei Panini Comics wusste: Der deutsche Comicmarkt ist vielleicht der schwierigste in ganz Europa. Das „Warum“ ist nur sehr schwer mit wenigen Worten zu fassen. Meine persönliche Sichtweise, die auch eine falsche Einschätzung sein könnte, ist diese:
Es gibt eine lange Tradition des franko-belgischen Comics, die die Leser einerseits in ihrer Art zu lesen und andererseits auch in ihren Erwartungen bezüglich der „Verpackung“ der Bücher beeinflusst hat. Ich sage nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Aber dieser Umstand führt zu einer gewissen Beschränkung in Form und Inhalt. Als ob alles, was gekauft wird, gleich sein muss wie alles, was schon einmal gekauft wurde.
Neue Themen oder andere Formate als die, an die das Publikum bereits gewöhnt ist, auf den Markt zu bringen, schaffen für den Verlag gewisse Probleme.
Ein Beispiel, damit alle verstehen können, was ich sagen möchte: Als wir JAZZ MAYNARD gemacht haben, sind wir geradezu mit Kritik überschwemmt worden. Es gab zwei Hauptkritikpunkte: zum einen, weil wir ein Noir veröffentlicht haben (und alle uns sagten, dass sich ein Noir auf dem deutschen Markt nicht verkauft – auch wenn wir das bereits wussten!) und zum anderen, weil wir ein Format, eine Bindung bzw. eine „Verpackung“ gewählt haben, die zuvor nur selten angeboten wurde.
Die Tatsache, dass JAZZ MAYNARD ein wunderbarer Titel ist und dass dieses Format es uns erlaubt hat, die drei französischen Ausgaben in Deutschland zum Preis von 24,00 Euro zu veröffentlichen, interessierte wenig. Diejenigen, die uns schrieben, wollten möglichst „Fantasy“-Alben oder eine Neuauflage eines bekannten Titels in Hardcover oder „traditionellem“ haben.
Unsere Absicht war es jedoch, ein schönes Buch herausbringen und das zum bestmöglichen Preis. Wir sind der Meinung, dass es JAZZ MAYNARD sehr verdient hat, beachtet zu werden.
Außerdem ist das Durchschnittsalter der Leser in Deutschland sehr hoch. Der Eindruck, dass es in den letzten 15 Jahren zu keinem Generationswechsel in der Leserschaft gekommen ist, ist stark, vor allem vom Ausland aus gesehen und das erklärt teilweise auch das, was ich zuvor gesagt habe.
Bei meinen Besuchen in Deutschland, in den Comicshops oder auf Messen bzw. Festivals, kommt es mir vor, als würde ich eine Situation anzutreffen, wie sie in Italien vor 20-25 Jahren vorzufinden war, mal abgesehen vom Phänomen Manga, das überall seine eigene Geschichte schreibt.
Ah, zur Vervollständigung: in Italien hat sich die Situation in den 90er Jahren entscheidend verändert, dank dem Auftauchen neuer Verlage, neuer Ideen und neuem Material, vor allem amerikanischem Material. Gut möglich und nicht ausgeschlossen, dass das auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz passiert.
Folge des vorangehenden Punktes: der deutsche Comicmarkt ist sehr klein und die Verkaufszahlen gering. Wenn man ihn mit dem französischen oder dem italienischen vergleichen möchte, kann man tatsächlich von einem Nischemarkt sprechen. Es ist daher für uns schwierig, bestimmte Verkaufszahlen realistisch einzuschätzen. Ehrlich gesagt, denke ich oft, Verleger in Deutschland zu sein sei, ist eher ein Hobby. Von einer Comic-„Industrie“ kann mal wohl eher nicht sprechen.
Überrascht war ich von der hochgradigen Qualität der deutschen Comicproduktionen aus typografischer Sicht und die Kompetenz der Verlegerkollegen bei der Auswahl der besten Comictitel. Außerdem muss ich auch sagen, dass die Leser – auch wenn sie nicht sehr viele sind – sehr viel mehr Experten ihres Mediums sind als in anderen Ländern und das freut mich sehr.
PPM: War der Start schwerer als erwartet?
Andrea Riwi: Wir wussten, dass der Anfang schwer sein würde, aber wir nicht erwartet, was dann passiert ist, nämlich eine Serie von Schwierigkeiten außerhalb unseres Einflusses und von dem, was wir wollten. Und Dinge, die nur am deutschen Markt geschehen sind.
PPM: Ein Beispiel?
Andrea Riwi: Wir wollten etwas von Alan Moore veröffentlichen und haben SUPREME ausgewählt, weil dieser Titel von Panini vor Jahren in Teilen auf Deutsch publiziert wurde und daher bekannt war. Leider war das digitale Material, das wir vom amerikanischen Verleger geliefert bekamen, von sehr schlechter Qualität und wir haben viel Zeit und Geld investiert um zu versuchen, es möglichst zu reparieren. Wir haben diese Arbeit endlich vollendet und hoffen jetzt, dass das Publikum es honoriert.
Dann war da noch die Sache mit SLAINE, den wir eigentlich auch auf Niederländisch veröffentlichen wollten, wofür wir dann schlussendlich aber nicht die Rechte bekamen.
Und VEILCHENBLAU: ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Mit den Büchern, die wir für Holland drucken ließen – nebenbei erwähnt, zusammen mit den deutschen Ausgaben – gab es keine Probleme bezüglich der Bindung. Mit den deutschen – mit manchen, nicht allen – sehr wohl.
PPM: Was hätte nona arte beim Start anders bzw. besser machen können?
Andrea Riwi: Vielleicht nur, dass wir „klassischeres“ Material hätten wählen sollen – die Möglichkeit dazu hatten wir ja. Aber das soll ja nicht heißen, dass wir das nicht in Zukunft auch noch machen können... wir hatten halt Lust etwas Neues zu machen und wir versuchen es immer noch.
PPM: Wie geht es mit dem Programm in den nächsten Monaten weiter?
Andrea Riwi: Unser Programm steht jetzt bis Ende 2011 und dann, ganz ehrlich, werden wir einmal unsere Schlüsse ziehen. Ab September werden wir sicher die dritte Ausgabe von SLAINE, zwei weitere INVINCIBLE und ein weiteres Buch von Alan Moore (wir haben zwei unter Vertrag, müssen noch auswählen welches) publizieren. Wir bringen wenige Titel auf Deutsch heraus, aber wir versuchen zumindest gute Titel auszuwählen, ...dann in Zukunft – man wird sehen...
PPM: Welche Publikationen erscheinen aktuell von nona arte in den anderen Ländern?
Andrea Riwi: Manche Titel, die wir auf Deutsch veröffentlichen, werden von uns auch auf Italienisch und Holländisch publiziert. Allerdings muss man sagen, dass wir in Italien als die Herausgeber der großen, franko-belgischen Klassiker (LUCKY LUKE, MICHEL VAILLANT, BUCK DANNY und viele andere) bekannt sind, während wir in den Niederlanden und Belgien die Editoren insbesondere der Marvel-Titel sind. Mir ist bewusst, dass das etwas komisch erscheint...
PPM: Auf welchen Messen wird nona arte präsent sein?
Andrea Riwi: Aus logistischen Gründen ist es für uns schwierig, an den Messen und Festivals in Deutschland teilzunehmen. Dieses Jahr jedoch waren wir in München und wir sind darüber sehr glücklich und zufrieden. Wir hoffen nächstes Jahr in Erlangen mit dabei zu sein. Eine Messe im Jahr – das ist, was wir im Moment versprechen können.
Die kommen, die nona arte comics:
http://www.ppm-vertrieb.de/ppm-news/643/die-kommen,-die-nona-arte-comics/
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Autor(en): Achim E. Stuehler |
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