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07.11.2011

Zack Edition

Mingamanga-Interview mit Robert Platzgummer

Mingamanga-Interview mit Robert Platzgummer

Nachdem ZACK-Leser die Abenteuer der Mingamanga-Buam schon im ZACK-Magazin kennen lernen konnten, erschien in diesem Jahr, nach Abschluss des Magazin-Vorabdrucks, auch ein MingaManga-Album in der ZACK Edition.

Autor des Comics ist der Münchener Robert Platzgummer. „Die Art von Humor, die er mit seinem Comic Mingamanga verbreitet, enthält genau die Aufmüpfigkeit und Respektlosigkeit, die auch berühmte Münchener Humoristen wie Karl Valentin, Dieter Hildebrandt oder Michael Mittermaier ihr Eigen nennen.“ (Zitat Georg F.W. Tempel, ZACK 128)


PPM stellte dem Autor diverse Fragen rund um sein Comic-Projekt.  


PPM: Wie entstand die Idee für das Comic-Projekt "Mingamanga“?  


Robert Platzgummer:  Die Serie entstand nicht von heute auf morgen, sondern erst nach und nach. Zunächst hatte ich die vier um 2000 oder 2001 herum aus reiner Gaudi gezeichnet, ohne große Absichten; danach tauchten sie immer wieder mal in meinen Skizzenbüchern auf. Richtig ernsthaft habe ich mich erst ab 2006 mit de Buam beschäftigt.
Am Anfang waren es auch nur Bini, Vinnie und Bo, also die übliche Standardbesetzung Weißer + Schwarzer + Asiate. Staffie, der Türke, kam erst ein bisschen später dazu, als mir selber auffiel, dass Türken und Araber in solchen "Integrationsgeschichten" immer außen vor gelassen werden, obwohl gerade die in Europa seit Jahrzehnten die größte Einwanderergruppe stellen ...


PPM: Mingamanga bedeutet? Und wie bist Du auf den Titel gekommen?


Robert Platzgummer:  Minga ist der im Münchner Umland gebräuchliche Dialektausdruck für München. Die Idee zu dem Wortspiel kam mir, als ich mich auf der Suche nach einem anständigen Seriennamen an ein Grafitti an einer Hauswand erinnerte. Stilistisch hat meine Serie zwar kaum was mit Manga zu tun, aber was soll's ...


PPM: … und wie die Verbindung zum MOSAIK-Verlag/ZACK?


Robert Platzgummer:  Michael Marschall hat meine Webseite entdeckt und mich daraufhin auf dem Münchner Comicfestival 2009 angesprochen.


PPM: Seit wann bist Du als zeichnender und schreibender Comic-Künstler tätig? Was waren Deine bisherigen Arbeiten?


Robert Platzgummer:  Ich weiß nicht, ob das zählt, aber angefangen habe ich in den frühen Neunzigern, als ich in einer kleinen Stripserie in der Schülerzeitung meine Lehrer - einen in pädagogischer Hinsicht recht rustikalen Biologielehrer insbesondere - auf die Schippe genommen habe.
An persönlichen Arbeiten kamen später einzelne Beiträge im Comicaze und im Tentakel, aber auch im Wiesn-Comic vom Volk Verlag dazu; außerdem habe ich vor Mingamanga jahrelang an einer Fantasy-Serie gebastelt, für die ich aber letztendlich keinen Verleger gefunden habe.
Beruflich zeichne ich in erster Linie seit zehn Jahren eine monatliche Comicseite plus Karikatur für das Computermagazin E3, meist nach inhaltlichen Vorgaben; allerdings lässt mir mein Chefredakteur bei der Umsetzung dankenswerterweise jede erdenkliche Narrenfreiheit.
Seit 2010 liefere ich auch Onepager für den Sparkassen-Werbecomic KNAX (nach Szenarien von Götz Bachmann). Ansonsten zeichne ich, was an Comic- oder Illustrationsaufträgen von verschiedenen Kunden halt so reinkommt. Ich kann aber sagen, dass ich zum allergrößten Teil mit Comics Geld verdiene.

PPM: Wie bist Du auf diese Multi-Kulti-Storyidee gekommen? War von Beginn an klar, dass Du die Akteure bayrisch sprechen lässt?


Robert Platzgummer:  Hm. Den Ausdruck "Multikulti" mag ich, ehrlich gesagt, gar nicht, genauso wenig wie den Lieblingsbegriff der Gegenseite, "Leitkultur". Die Herkunft prägt einen Menschen natürlich, aber mir geht es eher um den Einzelnen, und der ist immer mehr als irgendwelche Kollektivbezeichnungen.
Wie schon gesagt, die Buam entstanden aus der Laune heraus, einmal Figuren verschiedener Herkunft zeichnen zu wollen. Der Einfall, Bini bayrisch reden zu lassen, geht zurück auf einen Artikel aus dem verflossenen Manga-Magazin BANZAI, demzufolge es in Japan nichts Ungewöhnliches sei, dass Figuren, auch Hauptfiguren, irgendwelche japanischen Dialekte in den Mund gelegt bekämen. Also dachte ich mir, wieso soll so was in Deutschland nur für Asterix-Mundartausgaben und ähnliche Scherzartikel vorbehalten sein.
Anfangs wollte ich sogar alle vier bayrisch reden und auf dem Land aufwachsen lassen. Schwarze, Asiaten und Türken, die bayrisch reden gibt es nämlich auch nicht gerade wenige, gerade auf dem Land - ich kenne einige -, und so was wirkt für sich allein ja schon recht witzig. Nach reiflicher Überlegung fand ich es aber noch besser, wenn die "Ausländer" perfekt Schriftdeutsch sprechen würden, während man den Deutschen nicht versteht, weil der Dialekt redet. Und wenn man das ganze dann noch in die bayrische Landeshauptstadt verlegen würde, in der inzwischen so wenig Leute noch bayrisch reden, dass man im ganzen Umland bereits über die "Isarpreißn" lacht. Oder schimpft, je nachdem...

PPM: Band 1 erschien in der ZACK-Edition im A 5 Querformat. Die Gründe waren …?


Robert Platzgummer:  ... beim Magazin Comicaze zu suchen, wo der erste Teil der Geschichte veröffentlicht wurde, und das aus Kostengründen seit einiger Zeit nur noch im Format DIN A5 quer erscheint. Der Hintergedanke der Comicaze-Macher war, dass man so bei einem Nachdruck eine Heftdoppelseite wieder zu einer Seite im Format DIN A4 hoch zusammenmontieren kann. So geschah es dann auch im ZACK-Magazin.
Allerdings beeinflusst das Format auch den Erzählrhythmus. Die zusammenmontierten Seiten im Heft haben daher immer ein bisschen merkwürdig, stellenweise auch überladen gewirkt. Daher wurde die Buchausgabe wieder im ursprünglichen Querformat gedruckt.

PPM: Wie hast Du „Mingamanga“ "handwerklich" umgesetzt? (Ablauf: Szenario, Skizzen usw.)  


Robert Platzgummer:  Mit dem Szenario gehe ich bei Mingamanga recht locker um. Ich habe da eine lange Liste von Szenen, Sprüchen und Dialogen, und einen nur groben Handlungsfaden dazu, damit ich spontan noch Details ein- und umbauen kann.
Beim Zeichnen halte ich mich an den üblichen Ablauf: Erst ganz einfache Scribbles im Skizzenbuch, und für schwierigere Darstellungen mache ich zusätzlich detailliertere Probeskizzen. Dann kommen die möglichst genau ausgearbeiteten Bleistiftskizzen auf Schoellerhammer Durex-Papier, und zum Schluss das Tuschen (Talens Indian Ink). Dazu muss ich sagen, dass ich bislang ausschließlich mit der Feder (Brause & Co. Nr. 513) gearbeitet habe; vor einem Vierteljahr allerdings bin ich auf Pinsel umgestiegen.
Anschließend wird die fertig getuschte Seite eingescannt und am Computer koloriert. Nichts Besonderes also.

PPM: Woran arbeitest Du neben deiner Comictätigkeit?
Robert Platzgummer:  An gar nix. I mach' nix wia Comics.

PPM: Liest Du selbst noch Comics und wenn ja: welche sind Deine Favoriten?


Robert Platzgummer:  Hauptsächlich lese ich alles von Franquin (Gaston, Spirou). In letzter Zeit bin ich aber auch über die extrem empfehlenswerte Jerry Spring-Gesamtausgabe (Lechz!) von Ehapa wieder auf Leutnant Blueberry gekommen.
Man kann sagen, dass mich in erster Linie die klassischen Comics interessieren. Neuere Sachen dagegen finde ich nicht unbedingt schlecht, aber sie reißen mich auch nicht gerade vom Hocker. Abersen von N'Guessan war die letzte Serie jüngeren Datums, die mir rundum gefallen hat.
 
PPM: Du warst einige Zeit sehr aktiv im Comicforum. Dabei gab es auch Infos von Dir rund um Mingamanga. Wie hast Du das Forum erlebt und was waren Deine Gründe für deinen Rückzug?


Robert Platzgummer:  Puh ... jetzt muss ich aufpassen, was ich sage, sonst heißt es wieder, ich wär' ein Faschist.
Scherz beiseite. Erst war es ja noch durchaus angenehm im CF, als ich praktisch ausschließlich Beiträge im recht ruhigen Thread Comics in der Presse gepostet hatte. Nachdem Michael Marschall und Klaus Schleiter in München Kontakt mit mir aufgenommen hatten, habe ich mich auch im ZACK-Unterforum des CF umgesehen und Beiträge gepostet. Als schließlich feststand, dass Mingamanga im ZACK erscheinen würde, waren wir - die Redaktion und ich - zunächst auch der Meinung gewesen, dass es ein Mehrwert für die Leser wäre, wenn diese sich mit Fragen direkt an den Zeichner wenden könnten.
Bis dahin hatte sich ja auch alles im Rahmen gehalten, aber sowie meine Serie im Heft erschien, ging's eben nicht nur los mit Lob, sachlicher Kritik und Fragen zur Serie, sondern eben auch mit Rempeleien, spitzen und unsachlichen Bemerkungen, persönlichen Attacken und Intrigen.
Man kann sehr wohl den Eindruck gewinnen, dass es im CF neben den üblichen Streithanseln auch noch ein Lager von Intriganten und enthemmten Nerds gibt, das auf Gelegenheiten lauert, sich zu profilieren. Und die sich mit Vorliebe die Subalternen vom ZACK vorknöpfen, weil sie sich an den Chefredakteur selbst (noch) nicht herantrauen.
Aber auch wenn man gerade mal nicht persönlich betroffen ist, drückt es aufs Gemüt, wenn man immer wieder Zeuge diverser Sacktretereien wird. Etwa, wenn ein Thread zur an sich harmlosen Frage, ob Gesamtausgaben gut oder schlecht für die Szene sind, zwischenzeitlich geschlossen werden muss, weil wieder mal einige Leute unbedingt ihre Intimfeinde bei der Krawatte packen mussten.
Fairerweise muss man sagen, dass dies nicht nur ein Problem des Comicforums alleine, sondern des gesamten Internets ist. Derzeit werfen im Netz reihenweise Leute das Handtuch, weil sie es nicht mehr ertragen, von Foren-Trollen und militanten Rechthabern beleidigt oder in unsachliche Pseudodiskussionen verwickelt zu werden.
Von all dem mal abgesehen gab's für mich auch noch ganz persönliche Gründe, Schluss zu machen. Zum einen hatten die Leser offenbar sowieso nicht mehr viel Klärungsbedarf in Sachen Mingamanga. Zum anderen hatte ich inzwischen bemerkt, dass die Stimmung im CF anfing, sich auf meine Serie zu übertragen; so sind mir die Szenen im Mittelteil (S. 27 - 37) infolge vorangegangener Auseinandersetzungen im Forum ( "Genau wie die Großen im Internet, gell?" ) wesentlich härter geraten, als ursprünglich beabsichtigt .
Wenn der allzu oft überschätzte "direkte Kontakt zwischen Leser und Autor" dazu führt, dass die Serie allmählich in eine Richtung gedrückt wird, die ich nicht haben will, dann ziehe ich halt die Konsequenzen. Manche benehmen sich ohnehin schon so, als wäre Mingamanga ihr persönliches Eigentum und wollen mich belehren, was ich da zu tun und zu lassen hätte. So was muss ich mir echt nicht antun. Ich lass mir meine Serie doch nicht kaputtmachen von einer Horde von Profilneurotikern, die Diskussionsforen zum Perfektionieren ihrer Selbstbefriedigung missbrauchen!
 
PPM: Für die Fans: Wann wird es eine Fortsetzung von Mingamanga geben? (Und: Wird es sie geben?)


Robert Platzgummer:  Mit meiner eigenen Serie verdiene ich, wie jeder deutsche Comiczeichner, nur sehr wenig Geld. Derzeit muss ich schauen, dass wieder was reinkommt. Aber ich schätze, dass ich etwa ab Mitte November wieder mit dem Zeichnen loslegen werde.
 
PPM: Wo können Dich die Fans in Deutschland auf Promotion- und Signieraktionen treffen?


Robert Platzgummer:  Bislang hauptsächlich in München, also etwa beim Comicfestival, oder wenn der Sailor von der Comic Company mal wieder eine Signieraktion startet. Und nächstes Jahr halt wohl wieder in Erlangen.
Am 12. und 13. November allerdings werden wir mit Signierstunden auf einer Festveranstaltung des türkischen Generalkonsulats in München und Augsburg zum Thema "50 Jahre Türken in Bayern" vertreten sein. Der Kontakt ist zustande gekommen über Xaver Himpsl von der Unterbiberger Hofmusik, die Jazz, sowie bayrische und türkische Volksmusik - echte Volksmusik, nicht den Musikantenstadlschmarrn! - macht, und dort ebenfalls auftreten wird. Die Veranstaltungen finden in Augsburg im Goldenen Saal und in München in der Musikhochschule statt.
 
PPM: Robert, vielen Dank für das Interview!
 

Autor(en): MD

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