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Rezension
15.11.2011

nona arte comics

Kultband aus Alan Moores Frühwerk

Kultband aus Alan Moores Frühwerk

Der Verlag nona arte comics präsentiert nach SUPREME einen weiteren Klassiker von Alan Moore – diesmal aus dessen Frühwerk

Es ist schon erstaunlich, wenn man Moores Frühwerk in der Retrospektive betrachtet. Angefangen hat der Altmeister bei den britischen Comicmagazinen 2000 AD und Doctor Who Monthly. Dort schrieb er unter anderem DIE BALLADE VON HALO JONES, SKIZZ und eben D.R. & QUINCH. Das war in den 1980er Jahren, noch bevor er seine Meilensteine V WIE VENDETTA, WATCHMEN und FROM HELL veröffentlichte, mit denen er Comicgeschichte schrieb und sich den Rang als bester Comicautor errang und zementierte.


Moore hat gemeinsam mit Alan Davis die aberwitzige Space Opera D.R. & QUINCH realisiert. Die beiden haben auch Serien wie CAPTAIN MARVEL und MARVELMAN zusammen gemacht. Davis sollte später ein gefragter Zeichner bei den großen US-Verlagen DC und Marvel werden. In D.R. & QUINCH geht es um die ungleichen Titelhelden: D.R. steht „Diminuierte Responsibilität“, was ungefähr so viel bedeutet wie „verkümmerte Verantwortung“, also „verantwortungslos“. D.R. ist ein listiger Stratege, der entweder an neuen, möglichst fatalen Waffen werkelt oder einen fiesen Plan ausheckt. Quinch ist der Naive fürs Grobe. Zusammen quälen, foltern, terrorisieren, töten und metzeln die beiden.


In der Episode „Time Twisters“ reisen die beiden in die Vergangenheit und bringen die Zeitgeschichte durcheinander. In „Auf dem Pfad zur Tugend“ eröffnen sie ein Wohlfahrtsheim für Ex-Soldaten, die sich im Garten des benachbarten Richters austoben dürfen. „Das Elend mit den Frauen“ schildert die Wirkung der Liebe auf die Persöhnlichkeit D.R.s, der zum Ärger von Quinch plötzlich Theater spielt. Weitere Abenteuer erleben D.R. & Qunich in der Armee, in Hollywood und bei den Pfadfindern.Schließlich gibt es als Bonus noch eine Episode von Co-Autor Jamie Delano (HELLBLAZER) und Alan Davis, die die „schmerzfreien Seiten der Qual“ thematisiert.


Der typische Humor von Moore ist schon in dessen Frühwerk vorhanden: bissig, schwarz, zynisch. Auch die intelligente Art zu erzählen ist bereits hier schon vorhanden: Moore lässt die Episoden aus der Ich-Perspektive der Titelhelden erzählen. Ansonsten wirken die pointierten Kurzgeschichten wie parodistische Space Operas. Man merkt, dass sich Moore intensiv mit dem Genre befasst hat, weshalb sich D.R. & QUINCH als Hommage und Persiflage entpuppt. Moore benutzt seine typisierten Charaktere und sein zugespitztes Szenario auch, um sozialkritische Seitenhiebe auf die westliche Kultur auszuteilen.


Alan Davis individuelle Zeichnungen passen perfekt zu Moores Geschichten. Die Schwarzweißillustrationen bestechen durch humoristische Figuren und ein futuristisches Dekor. Sci-Fi-Gimmicks wie Waffen, Raumschiffe und Gleiter sind detailreich umgesetzt. Die Actionszenen sind sehr dynamisch angelegt. In der Episode von Delano ergänzt Davis seinen Stil durch graue Flächen, wodurch der Kontrast ab- und die Nuancierung zunimmt.


D.R. & QUINCH ist ein absolutes Muss für alle Moore-Liebhaber und Fans von parodistischer Science Fiction bzw. Satire generell. Dank nona arte liegt nun endlich ein kompletter Sammelband auf Deutsch vor. Da es sich hier um die Reihe „Alan Moore Classics 1“ handelt, darf außerdem gehofft werden, dass der italienische Verlag bald noch mehr Neuausgaben und Sammelbände des britischen Kultautors publiziert.

 

Alan Moore, Alan Davis
Alan Moore Classics 1

- D.R. & Quinch

Softcover, 112 Seiten, s/w, 26 x 19 cm
ISBN: 9788897062295
Preis: 13,90EUR


 

Autor(en): MB

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