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01.02.2012

Epsilon Verlag

Luna, Hektor und der Professor: ein generationsübergreifendes Abenteuer

Luna, Hektor und der Professor: ein generationsübergreifendes Abenteuer

„Luna, Hektor und der Professor“ ist eine echte Perle im Portfolio des Epsilon Verlags.

Bisher ist in der Serie die abgeschlossene Geschichte „Der Schatz von Aschkor“ erschienen. Autor der Geschichte ist David Norman (Jahrgang 1954), der seit vielen Jahren als erfolgreicher Grafiker, Illustrator und Maler bekannt ist. Für David war das Comic-Projekt eine Herzensangelegenheit, denn so der Autor im Interview: „Comics waren meine erste Liebe und jeder weiß, was das bedeutet! Seine Comic-Story sieht er in der langen Tradition von Erzählungen wie TKKG, Die Drei??? oder Die Fünf Freunde, in denen junge Menschen die bösen Pläne von kriminellen Erwachsenen vereiteln.

Worum geht es in dem Abenteuer „Der Schatz von Aschkor“? Professor Linnaeus T. Cop-perbottom ist imstande, Teile eines Dokuments aus dem Altertum, die in verschiedenen Museen auf der Welt aufbewahrt werden, zusammenzufügen und daraus den Standort des Grabes des Königs Aschkor festzustellen. Er braucht Hilfe für die geplante Expedition und fragt seine zwei jungen Freunde, Luna und Hektor, ob sie ihn begleiten möchten. Er erläutert den beiden seine Entdeckung, wird jedoch dabei von den beiden Gaunern Al und Knorpl belauscht. Der Professor, Luna und Hektor reisen mit dem Expeditionsmobil und per Schiff nach Port Farik (im Mittleren Osten oder im Maghreb – das wird absichtlich offen gelassen), ständig beschattet von den Schurken. Nach einigen kleinen Ereignissen, Gags und Hinder-nissen entdecken sie das Grab mit Hilfe eines gewissen Herrn Al Azzam. Ohne zu viel verraten zu wollen, werden sie in der Grabkammer allein zurückgelassen. Alle Widrigkeiten werden mit Witz und Intelligenz bekämpft.
Für ein Erstlingswerk hat David nicht nur die Zeichnungen, sondern auch das klassische  Abenteuer-Thema, die Suche nach einem geheimnisvollen Schatz, sehr gut umgesetzt. „Der Schatz von Aschkor“ dürfte vor allem für die Zielgruppe 8-14 Jahre eine spannende Story sein. Oder für alle jung gebliebenen Freunde von Abenteuer-Comics.

PPM stellte David 10 Fragen rund um seinen ersten Comic.

PPM: Du bist in Irland geboren und aufgewachsen. Wie und wann bist du nach Deutschland gekommen?  

DAVID NORMAN: Mit etwa 14 oder 15 Jahren, als ich noch in der Schule war, wurde mir klar, dass ich später im grafischen Bereich arbeiten wollte. Parallel zur Schule begann ich dann ein Abendstudium in Grafik Design. Ich war der einzige auf der Schule, der Kunst im irischen Leaving Certificate (entspricht etwa dem Abitur) ablegen wollte. Also durfte ich zweimal in der Woche allein in einem leeren Klassenraum ohne Lehrer studieren! Im Zeichnen fühlte ich mich schon sicher, aber die Geschichte der Kunst ohne Lernanleitung war eine Herausforderung für einen 17-jährigen. Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie viel der Manierismus oder Chiaroscuro mir damals bedeutete – ich war scharf auf die Zeichnungen von Frazetta, Alfons Mucha und Dax The Warrior! Nach dem Leaving Certificate habe ich ein Examen für die Aufnahme an der irischen Kunstakademie abgelegt. Mein Studium dort habe ich jedoch mitten im zweiten Jahr abgebrochen um in der Werbung zu arbeiten. Die Dozenten kamen mir vor wie Gestalten aus dem 19. Jahrhundert, die kurz vor dem Unterricht aus der Gruft gehievt und aufgewärmt wurden. Ich habe neulich mit einem Art Director in Oregon zu tun gehabt, der zufällig am gleichen Institut studiert hatte und er war von diesem begeistert. Vielleicht lag es an mir...oder, dass er ein paar Jahre später als ich dort studierte. Nach einigen Jahren als Grafiker in verschiedenen Werbeagenturen wurde mir klar, dass der irische Markt sehr klein war. Irland hatte damals eine Bevölkerung von ungefähr 3,5 Millionen Menschen. Um an größeren Etats bei größeren Werbeagenturen arbeiten zu können müsste ich auswandern, wie es unzählige Iren vor mir gemacht hatten. Da ich aber ein Querkopf bin, wollte ich nicht wie die anderen nach Großbritannien oder in die USA umsiedeln. Also habe ich mir selbst einen Kassettensprachkurs in Deutsch zu meinem 21. Geburtstag geschenkt. Bald darauf befand ich mich in Regensburg, wo ich als Designer arbeitete. Mein Deutschsprachkurs nutzte mir dort wenig, denn ich verstand nur Bahnhof. Das war 1977 und ich war 22 Jahre alt.  
 
PPM: Was war dein Beweggrund als erfolgreicher Grafiker, Illustrator und Maler, etwas völlig anderes wie Comics zu machen?

DAVID NORMAN: Danke für die schmeichelhafte Beschreibung. Ich wollte immer ausprobieren, wie ich in verschiedenen Medien zurecht kommen würde. Das war einer der Gründe für eine Serie von Ölgemälden und warum ich auch Schulbücher für Klett illustriert habe. Ich habe in einem neuen Arbeitsfeld jedes Mal festgestellt, wie beschränkt meine Fähigkeiten sind. Comics waren meine erste Liebe und jeder weiß, was das bedeutet! Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an den Geruch des Papiers der alten Detective Comics mit Batman, gezeichnet von Bob Kane, an die Dell-Hefte mit Bugs Bunny, Daffy Duck & Freunde und auch an die britischen Comics der 60er Jahre: Beezer, Topper, Beano und natürlich The Eagle mit Dan Dare, Pilot of the Future, gezeichnet von Frank Hampson. Nun arbeite ich so lange für die Werbung, dass es an der Zeit war, einen lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen, nämlich ein Album zu konzipieren und zu zeichnen.

PPM: War es schwierig, sich auf das Medium Comic umzustellen?

DAVID NORMAN: Ja. Ein langes Storyboard oder ein Animatic besteht aus 20 bis 40 Frames und die Handlung dient ausschließlich der Förderung einer Dienstleistung oder dem Verkauf eines Produkts. Für ein Album musste ich mich von einem Sprinter zu einem Marathonläufer verwandeln, Charaktere entwickeln, eine Handlung mit Wendungen und Gags konzipieren und alles in Seiten so aufteilen, dass der Seitenumbruch sinnvoll, beziehungsweise spannend war. Meine Erfahrung aus dem Storyboardbereich mit Kameraeinstellungen konnte ich aber auf die Panellayouts gut übertragen.  

PPM: Was war zuerst da, deine Idee zu „Der Schatz von Aschkor“ oder die Verbindung zum Epsilon-Verlag?

DAVID NORMAN: Oh, das war das Abenteuer um den Schatz von Aschkor! Erst nachdem ich das Szenario geschrieben, das Ganze in 52 Seiten skizziert und sehen konnte, dass die Sache Hand und Fuß hatte, habe ich den Epsilon-Verlag per Mail kontaktiert. Das war mein erster Kontaktversuch zu einem deutschen Comicverlag und ich war angenehm überrascht, als Mark O. Fischer eine positive Antwort gab. Erst später erfuhr ich, dass der Epsilon-Verlag daran interessiert ist, neue Werke aus Deutschland zu verlegen. Ein glücklicher Zufall!   

PPM:  Wie entstand die Story-Idee zum Comic?

DAVID NORMAN: Als meine zwei Jungen klein waren, habe ich ihnen abends viele selbst erdachte Geschichten erzählt. Die Hauptprotagonisten waren zwei Jungen und ein Professor. Ich merkte, wie die Kinder sich an manchen Stellen aufregten, lachten oder vor Spannung beinahe platzten. Das war für mich ein sehr schönes Erlebnis und ich machte von einigen der Abenteuer einen Spickzettel. Es lag auf der Hand, dass ich zur Verwirklichung meines Comic-Traums ein paar Jahre später eine dieser Stories verwenden musste.  

PPM: Wie würdest du das Abenteuer stilistisch einordnen?


DAVID NORMAN: Die Geschichte gehört in eine lange Tradition von Erzählungen, in denen junge Menschen die bösen Pläne krimineller Erwachsener vereiteln, wie z. B. Die Fünf Freunde von Enid Blyton, The Hardy Boys, die Drei ???, TKKG, die Vier von François Craenhals und Georges Chaulet, und sogar Tim & Struppi und Harry Potter.

Ich hoffe, ich habe meinen eigenen Zeichenstil entwickelt, da ich es eigentlich gewöhnt bin, ziemlich naturalistisch zu malen. Außerdem wollte ich einen Cartoonstil, jedoch mit naturalistischen Zügen. Das war Neuland für mich und wieder musste ich etwas lernen. Ich stellte fest, dass verschiedene Zeichner auf ähnliche Lösungen gekommen sind, um gewisse Charakterzüge darzustellen: Ich sehe im Nachhinein zum Beispiel eine Verwandtschaft zwischen Al und Joe Dalton, der wiederum ein entfernter Cousin von Isnogud zu sein scheint, der aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie Fetz Braun...

PPM: Wie bist du an das Comic-Projekt herangegangen (Dokumentation etc.)? Gab es Inspirationen aus Büchern oder TV oder durch andere Zeichner?

DAVID NORMAN: Da das Werk als semi-funny einzustufen ist, musste ich keine akribische Recherche betreiben, um wahren Begebenheiten gerecht zu werden. Dennoch habe ich jede Menge Vorlagen gegoogelt wie orientalische Straßenszenen, Palmen, Kamele, Polizeiuniformen, Mobiliar, Pistolen, Lampen und vieles mehr. Zu der Geschichte gab es keinen direkten Anstoß, eher eine generelle Begeisterung für Erzählungen aus meinen jungen Jahren wie König Salomons Schatzkammer von H. Rider Haggard, die verlorene Welt von Sir Arthur Conan Doyle oder die Geschichten von Jules Verne.

Selbstverständlich gibt es eine lange Liste von Zeichnern, die mich inspiriert, begeistert und verführt haben. In den letzten Jahren genoss ich die Arbeit von Juanjo Guarnido, Alessandro Barbucci, Michel Plessix, Emmanuel Lepage und Jean-Pierre Gibrat. Neulich in Den Haag habe ich den ersten Band der Serie Alim der Gerber, gezeichnet von Virginie Augustin, entdeckt. Die Serie war nicht auf Deutsch zu finden und, da mein Niederländisch erbärmlich ist, habe ich Band 2 und 3 auf Französisch gekauft, als ich im Urlaub in Grenoble unterwegs war. Eine wahre Empfehlung, sowohl wegen der Zeichnungen als auch aufgrund des philosophisch provokativen Szenarios.  

 PPM: Was war für dich bisher die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Story?

DAVID NORMAN: Mich darauf einzustellen, dass das Projekt sehr lange dauern würde. Ich stellte zu meiner Freude jedoch fest, dass meine Begeisterung nicht nachließ, sondern beim Voranschreiten des Werks wuchs.  

PPM: Liest du selbst Comics?

DAVID NORMAN: Oh ja! Ich verschlinge die Zeichnungen mit den Augen, aber heutzutage lese ich weniger. Szenarien, die sich in Elfenwelten oder in anderen Dimensionen abspielen, oder die Superkräfte, Zauberei oder übernatürliche Fähigkeiten einsetzen, lassen mich meistens kalt. Ich ziehe Geschichten vor, die wirklich hätten passieren können oder die mit zwischenmenschlichen Spannungen zu tun haben oder die mittels Humor ein Licht auf die Lage der Menschheit werfen. Ich liebe zum Beispiel Calvin & Hobbes und Gary Larson! Klassische Serien wie Der Skorpion, Blacksad, Von Dieben und Denunzianten (warum gibt es oft so grässliche Titelübersetzungen?) oder solche aus früheren Jahren wie Hopfen und Malz oder Reisende im Wind habe ich sehr genossen.

PPM: Womit befasst sich David Norman in seiner Freizeit?


DAVID NORMAN: Oh! Jetzt muss ich umdenken! Ich habe viele Interessen. Sport, zum Beispiel, außerdem Laufen, Gymnastik und Indoor Soccer zweimal die Woche (da vergisst man alle Sorgen!). Die französische Sprache und Kultur sind für mich und meine Frau auch von großem Interesse. Das ermöglicht mir, französische Alben im Original zu lesen. Das Radio darf ich nicht unerwähnt lassen: wenn ich mich bei der Arbeit nicht stark konzentrieren muss, dann höre ich Deutschlandfunk, die BBC oder National Public Radio aus den USA.  

PPM: David, vielen Dank für deine sehr interessanten Ausführungen über dein Comic-Projekt „Der Schatz von Aschkor“!

 

Autor(en): Michael Hüster

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