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Meldung
16.04.2012

Thorsten Kiecker im Interview

Ria - Die Lichtklan Chroniken

Ria - Die Lichtklan Chroniken

Gerade erschien bei Splitter der zweite Band aus der Fantasy-Serie Ria. Ria entsteht im Berliner Stenarts-Zeichenstudio.

Hinter Stenarts verbergen sich Thorsten Kiecker (Jahrgang 1971) und sein vielköpfiges Künstler-Team. Thorsten ist den Comic-Fans vor allem durch seine Arbeit für den MOSAIK-Verlag bekannt. Seine Firma Stenarts Ltd. ist in Berlin beheimatet und befasst sich u. a. mit den Bereichen Concept Art und Visual Development für Videospiele und Filme.


Kieckers künstlerischer Weg war vorgezeichnet: sein Vater hat sehr viel in seiner Freizeit gemalt und so wurde Thorsten durch ihn stark inspiriert. Außerdem gab es im Kiecker-Haushalt neben Lustigen Taschenbüchern stapelweise „Superman“, „Spider-Man“ und „Batman“-Hefte, die den Nachwuchs begeisterten. Von da an war für Thorsten klar, dass er Comic-Zeichner werden wollte!

Sein Weg führte jedoch erst über Umwege zum Ziel: Zunächst begann Thorsten Kiecker eine Stuckateur-Ausbildung. Doch diese erfüllte nicht die Erwartungen. Schließlich landete er bei Hahn Film in Berlin, wo er als Animator an „Benjamin Blümchen“ und „Der kleene Punker“ mitarbeitete. Es folgten Figuren-Designs für internationale Filmproduktionen und Storyboards wie z.B. für „Asterix bei den Wikingern“.

Parallel zum Film ging es dann auch immer wieder zum Comic: „Hollywood Pursuit“, aus dem MOSAIK-Verlag in Berlin, war die erste Albumproduktion, an der Kiecker als Zeichner beteiligt war.  Es folgten „Hollywood Pursuit 2“, „Robin“, „Mach’s noch einmal Robin!“, die Reihe „Die Abrafaxe“ und vieles mehr. Beim Album „Kongo“ war er  an den Designfindungen und den ersten 16 Seiten beteiligt, dann entschied Thorsten, sich seinen eigenen Projekten zu widmen und den Zeichenstift an Andreas Pasda abzutreten, der sich bereits als

 

äußerst fähiger Zeichner im MOSAIK-Universum bewiesen hatte.

Danach war Thorsten im Trickfilm- und Gamebereich tätig und schließlich folgte der Aufbau seines Unternehmen Stenarts Ltd.

PPM stellte Thorsten Kiecker Fragen rund um das Comic-Projekt:









PPM: Wie und wann entstand die Idee für das Fantasy-Comic-Projekt RIA?

Thorsten Kiecker: Vor einigen Jahren gründete ich mit Kollegen ein kleines Zeichentrickfilmstudio in Spanien namens ‚Fanciful Arts’. Da ich zu dieser Zeit persönlich einige Dinge zu verarbeiten hatte, entwickelte ich parallel zu den gemeinsamen Projekten eine eigene Geschichte, die immer mehr Eigenleben bekam. Daraus entstand schließlich RIA.


PPM: Rückblick auf Erlangen 2010: Dort bist du mit deinem Team und RIA erstmals in Erscheinung getreten. Es gab vor Erlangen so eine „Im-Schlafsack-im-Studio-übernachten“-Aktion. Erzähl mal, wie es dazu kam…

Die Monate vor dem Comic-Salon Erlangen 2010 waren definitiv die entscheidenden für das Projekt RIA. Mein diesbezügliches Credo lautete: „Entweder machen wir es jetzt für Erlangen fertig oder ich schließe mit diesem Projekt ab und es landet in der Schublade“. Das spornte dann nicht nur mich, sondern auch alle beteiligten Mitarbeiter und Freunde dazu an, alles zu geben.

Der Enthusiasmus aller Beteiligten war wirklich großartig. Jeder identifizierte sich mit der Arbeit an RIA und wollte ein Teil davon sein und so steckt auch von jedem etwas in dieser Welt. Diese Hingabe gipfelte schließlich in Nachtschichten, da wir die Arbeit am Comic ansonsten nicht rechtzeitig für die Druckerei abgeschlossen hätten.

Allerdings muss ich eingestehen, dass unser Kolorist Fabian Schlaga mehr Durchhaltevermögen als Studio-Camper bewies als ich, da ich dann doch lieber mitten in der Nacht vor dem Dauerrauschen des Servers und dem ungemütlichen Schlafsack nach Hause ins kuschelige Bett flüchtete.


PPM: Warum wurde RIA zunächst in Eigenproduktion hergestellt? Haben die Verlage vor Erlangen kein Interesse gezeigt, oder habt ihr gar nicht erst versucht, einen Verlag zu finden?

Thorsten Kiecker: Ich habe RIA bereits in einem sehr frühen Stadium einem Verlag vorgelegt, was damals in einer eher schlechten Erfahrung gipfelte. Ich war mir damals aber auch noch sehr unklar, wie genau ich das Ganze überhaupt angehen wollte. Bevor ich RIA auf den Markt bringen konnte, musste ich auf kreativer Ebene erst einmal zu mir selbst finden und dann den Comic wieder neu angehen.

Ein Projekt, das einem derart am Herzen liegt, will man einfach nicht durch schlechte oder falsche Vermarktung scheitern sehen. Daher wollte ich es lieber selbst in die Hand nehmen, auch um mir – und nicht zuletzt meiner Frau – zu zeigen, dass die ganzen Opfer und Zugeständnisse das Privatleben betreffend nicht umsonst waren. Ich wollte beweisen, dass man ein derartiges Projekt auch ohne Verlag im Rücken meistern kann, daher sollte der Comic auch in einem Print-On-Demand-Verfahren erscheinen.


PPM: Wie entstand der Kontakt zu Splitter?

Thorsten Kiecker: Nachdem wir RIA Band 1 in Erlangen präsentiert hatten, standen wir vor der Entscheidung, die Bücher weiterhin selbst zu vertreiben oder uns mit einem starken Partner zu verbünden. Da wir für die Erlangen-Ausgabe von RIA 1 aus zeitlichen Gründen nicht alle Inhalte entsprechend ausarbeiten konnten, entschieden wir uns dazu, die Albenreihe zu lizenzieren und somit Zeit zu gewinnen, um eine optimierte Fassung zu erstellen. Insgesamt sechs neue Seiten und ein paar kleine, aber wichtige inhaltliche Änderungen sind in Band 1 der erweiterten Neu-Edition bei Splitter enthalten.

Dank Splitter und anderer Partner ist es uns nun möglich, die Serie so umzusetzen, dass wir uns mit den entsprechenden Erfolgsaussichten auf den internationalen Comicmarkt wagen können. Die Rechte und alle kreativen Entscheidungen liegen jedoch weiterhin bei mir.


PPM: Beschreibe doch bitte (vereinfacht) den Produktionsprozess eines RIA-Albums. Wird noch klassisch auf Papier gezeichnet? Was wird am PC erledigt?

Thorsten Kiecker: Die Produktion der RIA-Comics wandelt sich momentan etwas, da wir neue Arbeitsmethoden ausprobieren. Die grundlegenden Schritte sind aber wie gehabt: Story-, Location- und Figuren-Development, Anlegen des Storyboards und Ausarbeitung, und zwar in einer Mischtechnik aus Zeichnungen auf Papier und digitaler Bildbearbeitung.
Ähnlich wie beim klassischen Trickfilm werden die Figuren und Sprechblasen dabei jedoch auf eine eigene Ebene gelegt und später mit dem Rest zusammengefügt. Wer mehr über unsere Arbeitsweise erfahren möchte, dem empfehle ich mein Produktionstagebuch auf dem Künstlerblog des Splitterverlags: http://blog.splitter-verlag.eu/kiecker/


PPM:
Hast du eine bestimmte Lieblingsfigur in der Story?

Thorsten Kiecker: Ich habe keine wirkliche Lieblingsfigur, denn die Hauptfiguren stehen mir auf ganz unterschiedliche Weise nahe. Der alte Forscher Uri spiegelt meine Rolle als Familienoberhaupt und Chef wider, während der junge Jäger Loan ein wenig die ungestüme, emotionale Seite von mir darstellt und ich ebenso wie er in die kleine Ria verliebt bin, hinter deren naiven Fassade sich mehr verbirgt als man im ersten Moment ahnt.

PPM: Was macht das Besondere an RIA aus?

Thorsten Kiecker: Das Besondere an RIA ist, dass wir es hier nicht mit einem einzelnen Künstler oder einem Duo zu tun haben, sondern mit einem ganzen Kreativ-Team, das letzten Endes soviel Aufwand betreibt, wie man ihn sonst wohl eher von Trickfilmproduktionen kennt. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen!

PPM: Worum geht es in RIA?

Thorsten Kiecker: Letzten Endes geht es in Ria um die Suche nach dem Selbst und um Bestimmung – und die Infragestellung von beidem. Es geht auch um die Verantwortung, die aus entsprechender Macht resultiert ... Spider-Man lässt grüßen... und um die Loslösung von vorgefertigten kulturellen und religiösen Mustern. Das klingt ziemlich hochtrabend, daher sei versichert, dass diese Themen unter einer Menge spektakulärer Action, exotischen Figuren und ganz fantastischen Szenerien verborgen sind!

 

PPM: Woran arbeitest du neben deiner Comic-Tätigkeit?

Thorsten Kiecker: Ich baue weiter mein Unternehmen Stenarts Ltd. im Bereich Visual Development für Videospiele und Filme aus und bin immer bemüht, digitale Plattformen mit dem Comic-Medium zu verknüpfen, wovon „Ria“ bereits durch eine App und weitere interaktive Anwendungen profitieren konnte.


PPM: Thorsten, vielen Dank für das Interview und den sehr interessanten Einblick in die Welt von Tenebra!

Autor(en): Michael Hüster

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