Für die Publikation des Fanzines hatten sich die beiden damals für den Verlagsnamen Amigo Comics entschieden. Aus rechtlichen Gründen wurde daraus dann später, wegen einer Namensähnlichkeit mit einem Spiele-Verlag, der heute unter dem Namen Gringo Comics bekannte Verlag. Der Verlagssitz ist in Esslingen. PPM befragte Holger Bommer u.a. zur Verlagsgeschichte, den Gringo Comics und den Autoren der Comics. Herausgekommen ist ein sehr interessantes Verlagsporträt.
PPM: Ihr seid jetzt 20 Jahre im Geschäft. Was waren die Beweggründe für den Verlag, in das Comic-Geschäft einzusteigen?
Holger Bommer: Der Grund war 1992 ganz einfach: Niemand wollte unsere Comics drucken, da haben wir sie eben selbst gedruckt. In den Jahren sind viele Zeichner hinzugekommen und daraus hat sich schließlich das entwickelt, was man heute so als Gringo Comics kennt.
PPM: Was hat sich im Laufe der Jahre für dich im Comic-Verlagsgeschäft besonders verändert?
Holger Bommer: Ganz klar: Es gibt heute ein viel größeres Angebot als vor 20 Jahren. Folglich ist es auch viel schwerer, die Comics an den Leser zu bringen. Ein Vorteil der heutigen Zeit ist, dass das Drucken wesentlich einfacher und günstiger als vor 10-20 Jahren ist. Dieser Vorteil wird aber durch die Notwendigkeit von Werbung wieder aufgehoben.
PPM: Wie seid ihr auf den Verlagsnamen „Gringo Comics“ gekommen?
Holger Bommer: Anfangs hießen wir ja Amigo Comics, mussten uns aber wegen einer Namensähnlichkeit mit einem Spiele-Verlag umbenennen. Also haben wir uns damals zusammengesetzt und heraus gekommen ist eben Gringo Comics. Das Logo blieb übrigens gleich, und viele haben die Änderung gar nicht bemerkt. Erst nach einem halben Jahr hat uns dann mal ein Leser darauf
angesprochen.
PPM: Gab es bereits vor dem Verlagsleben für die „Verlagsmacher“ eine „Comic-Vergangenheit“?
Holger Bommer: Da im Laufe der Jahre Gringo Comics immer wieder andere Macher hatte, (ich bin quasi der einzige, der von Beginn an dabei ist) ist dies eine nicht einfache Frage. Ich zähle auch viele Zeichner zu den Machern, da sie einen nicht unerheblichen Anteil an Gringo haben. Hier mal eine Auflistung:
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Holger Bommer: Vor Gringo Comics habe ich in diversen
Fanzines veröffentlicht, zuerst 1987.
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Andreas Mergenthaler: Für ihn war Filmriss tatsächlich die
erste Veröffentlichungsplattform.
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Martin Frei: Hat schon in den 1980ern Comics veröffentlicht.
Vor Filmriss hatte er schon zwei Alben. Eines davon war der
Schimanski-Comic Krimi „Zweierlei Blut“.
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Geier (Jürgen Speh): Bevor Geier „Lena Wombat“ für uns
gemacht hat, hat er in Menschen-blut viele Comics
veröffentlicht. Außerdem sind zwei Alben von ihm bei Alpha
erschienen.
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Bela Sobottke: Bevor er bei uns seinen Comic „Knochen-
Jochen“ veröffentlicht hat, hatte er sein Heft „Gonzo-Gulasch“
im Eigenverlag herausgebracht (2 Nummern).
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Stephan Hagenow: Stephan ist ein Urgestein der
Zeichnerszene und hatte schon unzählige Comics in den
1980ern veröffentlicht, darunter ein Album bei Alpha.
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Haggi: Hatte früher sein eigenes Fanzine „Au Weia“ und bei
Zwerchfell einige Veröffentli-chungen. Später erschien vieles
bei Carlsen.
PPM: Welche Informationen können die Fans auf eurer Verlags-Homepage entdecken?
Holger Bommer: Bei uns gibt es außer den Rubriken Neuheiten auch eine Rubrik über alle Comicserien. Unter Leseproben findet man Comicleseproben oder auch gleich ganze Comics. In der Rubrik Edition Fitzelkram gibt es News zu unserer Sparte Fitzelkram. Das sind Comics in Piccoloformat oder auch in A6. Die kosten wenig und die machen wir halt aus Spaß. Dann gibt es noch ein Forum, in dem sich Fans informieren können oder auch Fragen beantwortet werden. Auf der Startseite haben wir dann noch Twitter-News und Informationen darüber, wie und wo man unsere Comics bekommt.
PPM: Welche Comic-Genres gehören zum Verlagsgeschäft?
Holger Bommer: Schwerpunkte sind momentan Krimis (Kommissar Eisele, Kommissar Fröh-lich, Tumba) und Funnies (Hartmut, Kolkas, Ferdinand & Edgar). Aber auch Comics, die mit Genres spielen, sind dabei, wie z.B. Krepier oder Stirb, AHAB 41.000 oder auch Jean-Paul Porneaux und der Appetit des Löwen.
PPM: Warum wurden speziell diese Comics als Verlagsbasis ausgewählt?
Holger Bommer: Ganz einfach: Ich habe Spaß am Comics machen und dazu gehört eigene Kreativität. Bei vielen der Comics bei Gringo steckt auch ein wenig von mir drin. Lizenzcomics waren nie ein Thema für uns, da wir Macher sind. Wir haben dadurch Freiheiten, von der andere Verlage nur träumen können. Als wir vor 4 Jahren die Idee hatten, Krimis in Comicform zu machen, haben wir einfach selbst welche gemacht und nicht wie andere in der Welt nach geeignetem Material gesucht.
PPM: Welche Serien gehören zu den erfolgreichsten Titeln des Verlags?
Holger Bommer: Von den alten Serien sind dies Kurzer Prozess, Joe Darling, Kurt Adventures, Superbabe, Kriegsfunnies oder auch Lena Wombat. Von den aktuellen Serien/Comics sind dies Knochen-Jochen, Kommissar Eisele, Kommissar Fröhlich.
PPM: Welche Comic-Künstler sind neben dir z. Zt. für Gringo aktiv?
Holger Bommer: Momentan ganz schön viele: Martin Frei, Stephan Hagenow, Geier, Zano, Sebastian Sommer, Holger Hofmann, Rudolph Perez, Haggi, Jo84, Bela Sobottke...
PPM: Gringo hat auch Piccolos im Programm… wie kam es dazu?
Holger Bommer: Das hatte sich aus der Idee entwickelt, günstige Comics zu machen. Haggi und ich haben uns dann hingesetzt und mit Beefy Bill und Sigi Sparbier losgelegt. Kurz darauf hat auch Stephan Hagenow mit Einar angefangen. Leider ist es so, dass günstige Co-mics – auch noch im Piccoloformat – bei den Händler nicht gerade beliebt sind. Da hatte dann auch ein Aufsteller nichts bewirkt. Trotzdem machen wir nun auch DIN A6 Hefte (Darunter auch Brett, der tapfere Raumpilot). Das Ganze läuft unter der Rubrik Edition Fitzelkram. Das Konzept der A6 Hefte ist viel Handarbeit in der Herstellung, und das mögen die Leser.
Diese Comics gibt es nur direkt bei uns, z.B. auf Messen. Und da verkaufen sie sich ziemlich gut!
PPM: Die Neuerscheinungen der letzten Monate waren bzw. sind (Juni/Juli/August 2012)?
Holger Bommer: AHAB 41.000, Jean-Paul Porneaux und der Appetit des Löwen, Kommissar Eisele 3, Der Hartmut macht, was iem gefellt, Kommissar Fröhlich 7, Krepier oder Stirb und in der Edition Fitzelkram Hausmeister Brösig.
PPM: Welche Comics werden bis Ende 2012 im Verlag (voraussichtlich) erscheinen?
Holger Bommer: Geplant sind noch ein Kommissar Fröhlich und ein Hartmut.
PPM: Gibt es noch andere Aktivitäten wie Merchandise etc.?
Holger Bommer: Nein. Selbst einen Onlineshop betreiben wir nicht selber, da es so viele gute Shops gibt, die uns im Angebot haben. Da verweisen wir lieber auf diese. Was allerdings neu hinzukommen wird ist, dass wir auch für andere Verlage Comics machen wollen, quasi als eine Gringo-Comicwerkstatt. Dies ist in Ansätzen auch schon angelaufen und soll möglichst verstärkt werden.
PPM: Auf welchen Comic-Events seid ihr mit einem eigenen Verlagsstand vertreten?
Holger Bommer: Wir sind immer auf dem Comicsalon Erlangen und auch auf dem Comicfest München sind wir seit einigen Jahren fest vertreten. Stuttgarter können uns auch immer auf der Comicbörse in Stuttgart antreffen.
PPM: Holger, vielen Dank für die sehr informativen Infos rund um Gringo Comics!