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09.10.2012

Finix Comics

Nur ein Fanboytraum?

Finix Comics - Nur ein Fanboytraum?

In der zweiten Ausgabe von ALFONZ setzt sich Marco Behringer, der Autor des Artikel „Finix Comics: Ein Konzept auf dem Prüfstand“, ausführlich und teilweise sehr kritisch mit dem Finix-Verlag auseinander. PPM bat Marc Schnackers von Finix Comics, seine Sicht der Dinge zu dem Beitrag zu schildern.

PPM: Marco Behringer zieht in seinem o. g. Artikel streckenweise eine sehr kritische Bilanz, nennt das Verlagskonzept gar „Weder Fisch noch Fleisch“, zieht eine „ernüchternde Bilanz“, spricht von einem „Fanboytraum“ und glaubt, die Finix-Verantwortlichen sehen alles durch eine „rosarote Brille“. War der Inhalt des Beitrags vorher bei Finix bekannt? Hier bekommst du die Gelegenheit für Klarstellungen…
 
Marc Schnackers: Der mitschwingende kritische Grundton ist mir auch aufgefallen. Er beschreibt m.E. das bisher Geleistete zu negativ und zieht leider aus einigen Aspekten die falschen Schlüsse (Edition Solitaire/neue Serien...). Der veröffentlichte Beitrag war mir nicht bekannt. Ich arbeitete einen Fragebogen ab, der sich auszugsweise in Zitatform auch wieder findet. Ich würde aber einen Beitrag auch nicht verhindern, selbst wenn er für uns negativ ausfallen würde.
In Marcos Artikel spüre ich eher eine völlig differente Sichtweise, die unserer eigenen Sichtweise in vielen Punkten entgegensteht. Das kann sicherlich einem Außenstehenden leicht passieren, denn Finix Comics ist schon sehr komplex. Und wenn man das rein auf Zahlen oder Handelspräsenz herunterbricht, wird man der Sache nicht gerecht. Die provokanten Floskeln würde ich nicht überbewerten. Da wollte man wohl einfach auch ein bisschen „schmissig“ formulieren.
 
Auch ohne „rosarote Brille“ kann unsere bald fünfjährige Bilanz doch nur positiv ausfallen.
Wir haben aktuell fast 80 Alben veröffentlicht. Dadurch konnten bisher 28 Serien beendet, bzw. an den aktuellen Originalband herangeführt werden.
 
Aus dem Handel erhalten wir oftmals großes Lob und auch wenn nicht jeder Händler gleichsam am Verkauf unserer Titel partizipiert, denke ich, dass Finix Comics durch die kontinuierliche und verlässliche Programmpolitik sehr zum Vertrauensaufbau bei der Käuferschaft beiträgt.
Das wir nicht den „Riesen-Reibach“ mit unserem Programm machen können, ist doch klar – immerhin sprechen wir hier von Serien, die größtenteils bei ihren Vor-Verlegern floppten oder aus programmtechnischen Gründen gestrichen wurden.
Dennoch haben schon etliche dieser Alben Gewinne erwirtschaften können. Allerdings reicht das nicht aus, um sich selbst zu tragen. Daher auch unsere Konzepterweiterung mit neuen Serien.
 
 
PPM: Wie ist die Resonanz auf den Artikel bei den Finix-Mitgliedern und Sponsoren? Behringer findet zwar auch positive Worte, z. B. zur neuen Serie „Hauteville House“ oder zur Produktionsqualität der Finix-Alben. Insgesamt war der Beitrag aber nur begrenzt Finix-freundlich gehalten …
 
Marc Schnackers: Kann ich noch nicht abschätzen, da viele den Artikel sicherlich noch gar nicht kennen. Aber wir sind „erwachsen“ und haben auch ein gesundes Selbstbewusstsein. Da wird wohl keiner ins Jammertal verfallen ;-)
Die positiven Worte darf man jetzt auch nicht unterschlagen. Es wurde nicht nur der bisherige Erfolg von Hauteville House anerkannt, sondern auch unsere hohe Alben-Qualität von Beginn an festgestellt. Auch diverse Eigenleistungen, wie Digitalisierung oder Kolorierung wurden betont. Das sind alles Aspekte, auf die wir stolz sind.
 
Generell ist jegliche Berichterstattung für uns sehr wichtig – und Hauteville House wurde speziell noch mit einer Werbeseite begleitet – das hilft schon weiter. Wichtig ist zu betonen, dass es sich hierbei in keinster Weise um einen „Präzedenzfall“ handelt, der unsere Ziele verwässert. Es wurde eigentlich zu keiner Zeit von uns ausgesagt, dass wir „nur“ Serien fortsetzen und beenden werden. Nur mussten wir ja erst einmal mit einem Grundkonzept starten und unser größtes Anliegen ist nach wie vor, diesen Misstand im deutschen Albenmarkt zu korrigieren.
 
Außerdem konnte ich zu Beginn unserer Produktion noch gar nicht abschätzen, welches Potenzial in unserem Produktionsteam und natürlich auch im Verein selbst steckt. Es wäre ja schon fast nachlässig, wenn man dies nicht in allen Richtungen fördert. Einige unserer Aktiven arbeiten mittlerweile auch bei anderen Verlegern in der Produktion mit. Da waren wir (nicht bei allen) quasi das Sprungbrett in die Branche.
 
Aus diesem Grund veröffentlichten wir seinerzeit auch die ersten Alben unserer Edition Solitaire. Sie waren „nie“ als große Geldeinnahmequelle geplant, sondern als Erweiterung des Programmes, Darstellung unserer Produktionsmöglichkeiten und letztendlich im Falle des marktwirtschaftlichen Erfolgs, auch eine Möglichkeit der Subvention. Und ein bisschen was für’s Ego und die Liebhaberei darf es dann doch auch mal sein, oder!?
 
Deshalb lag der Fokus zu Beginn überhaupt nicht auf hohe Verkäuflichkeit der Alben. Nur tragen sollten sie sich schon selbst. Erst als die drei One-Shots hinter unseren Erwartungen im Verkauf zurücklagen, änderten wir etwas die Linie, weg vom Autorencomic hin zu mainstreamigeren Titeln, vom One-Shot zum Doppelband. Denn wir können natürlich nicht die Edition mit den Fortsetzungsserien subventionieren ;-)
 
Alles in Allem sind unsere Erwartungen voll aufgegangen, denn aus dem Verein und auch aus der Leserschaft bekamen wir viel Lob bezüglich dieser kleinen Perlen.
 
In puncto Gewinn wurden unsere Hoffnungen nur zum Teil bestätigt. Langfristig wird die Edition sich sicherlich gegenseitig ausgleichen, sodass unter dem Strich einfach die gewonnene Erfahrung und die Freude am Produkt bleiben.
 
Gestoppt wurde die Edition übrigens nicht, sondern nur wegen der Einführung unserer neuen Serie angehalten. Wir können leider aufgrund unserer Kapazitäten nicht überall Gas geben. Es werden immer wieder neue Projekttitel gesichtet und bei Bedarf veröffentlicht.
 
 
PPM: Außerdem sieht der Autor in den Veröffentlichungen neuer Serien eine Verwässerung des ursprünglichen Verlagskonzepts. Du selbst beschreibst den Weg als wirtschaftliche Notwendigkeit. Ich denke, dass Serie wie „Hauteville House“ das Portfolio von Finix eher bereichern. Und da die Ergänzung von Serien nach dem Gründungskonzept weiterhin vorangetrieben wird, bleibt die grundlegende Corporate Identity gewahrt …
 
Marc Schnackers: Im Artikel wurde irgendwann mal von einem „kunterbunten Programm“ geschrieben. Das stimmt. Schließlich veröffentlichen wir primär aus einem riesigen Pool an abgebrochenen Serien aus allen Genres.
Das stellt für uns ja auch ein Teil des Abverkaufproblems dar, denn wir können eigentlich für uns kein Stammklientel aufbauen, sondern müssen mit unseren Titel in einem recht vielfältigen Handelsprogramm konkurrieren und weisen noch das Handicap der oftmals fehlenden Backlist auf.
 
Das wurde auch im Artikel gut beschrieben. Aber statt z.B. die Einführung neuer Serien als das zu beschreiben was sie alleinig sind, nämlich der Versuch, die Serienfortsetzungen quer zu subventionieren und die Präsenz im Handel zu stärken und damit letztendlich die Möglichkeit zu schaffen, neue Kunden zu generieren, wird daraus eine Konzeptlosigkeit bzw. die Aufgabe des Primärziels (Serienfortsetzung) abgeleitet.
 
Da fehlt m.E. das notwendige Verständnis für unsere finanziellen Möglichkeiten. Das „naive Wunschdenken“ dass mir Marco da andichtet, greift gar nicht. Die neuen Titel müssen überhaupt keine unserer Serienfortsetzung direkt befeuern. Die Titel müssen nur eines: Einnahmequelle sein!
Wenn zusätzlich ein paar der Neuserienkunden auf unser Hauptprogramm aufmerksam werden, umso besser – und es hat sich ja auch schon als Gewissheit herausgestellt.
Aber auch wenn dem nicht so wäre, kein Problem. Es verbessert unsere Finanzlage und damit die Verkaufschancen im Handel.
 
Das dadurch unsere Corporate Identity verlustig ginge, ist da schon der „naivere“ Gedanke.
 
 
PPM: Welche Serien stellen aktuell im Abverkauf die TOP 5 dar? Gibt es Serien, die im vierstelligen Bereich abgesetzt werden können?
 
Marc Schnackers: Es gibt sehr viele Titel, die mittlerweile im unteren vierstelligen Segment abverkauft wurden. Darunter natürlich unsere Bestseller:
 
-          Die Pioniere der neuen Welt
-          Quetzalcoatl
-          Die Füchsin
-          Helden ohne Skrupel
 
Aber auch viele andere Alben haben diese Marke überquert oder sind in Kürze drüber. Allen voran entwickelt sich z.B. Hauteville House als guter Starter. Excalibur, Buddy Longway, Spoon & White, Wind der Götter und Gorn sind alles Titel, die im vierstelligen Bereich liegen.
Und Cryozone, Vasco, Mit fremder Feder, Der rote Falke sind auf dem Weg dorthin. Weisen aber noch Steigerungspotenzial auf. Andere Titel liegen knapp dahinter. Es gibt aber leider auch Titel, von denen wir uns mehr erhofft haben.

Wir verkaufen, prozentual gemessen, unserer Auflage eigentlich recht hoch. Da wir bei unseren Kleinauflagen eher zu den preisgünstigeren Verlegern gehören, benötigen wir auch eine recht gute Verkaufsquote.
Aber um es noch mal zu betonen: Wir reden hier meist von anderswo „erfolglosen“ Serien.
Da freut man sich schon ein stückweit mehr, wenn man einige davon auch noch gewinnbringend publizieren kann.


PPM: In welchen Bereichen bewegen sich die Auflagen der Finix-Publikationen?
 
Marc Schnackers: Hier wurde der Schnitt schon richtig dargestellt: 1.200-1.500. In Zukunft werden wohl einige Fortsetzungsserien auch mit 1.000er Auflage veröffentlicht werden. Dafür wurden einige unserer Top-Titel in Höhe von 1.600-1.800 Exemplaren publiziert, was bei gutem Abverkauf sicherlich eine 2.000er Auflage in der Spitze rechtfertigt.
2013 veröffentlichen wir mit „Die Chroniken des schwarzen Mondes“ erstmals eine 2.500er-Auflage, aber das ist der Popularität dieses bekannten Titels geschuldet und wird vorerst sicherlich die Ausnahme bleiben.
Positiv ist (das wurde auch von Marco zu recht erwähnt), dass wir trotz dieser kleinen Auflage höchste Qualität in die Verarbeitung legen und bisher überwiegend das Format der Vorgängeralben beibehalten.
Ergänzen möchte ich, dass wir diese Produkte dann zu Preisen anbieten, die gemessen an den o.g. Fakten im unteren Preissegment liegen und die kleine Auflage oder die Verarbeitungs-Qualität sich nicht in teils hohen Aufpreisen niederschlägt.
Hobbyverleger ist bei uns nur der Gedankenansatz der Aktiven, alles andere ist durchaus professionell und marktdienlich angelegt.
 
 
PPM: Für das Jubiläumsjahr 2013 sind einige Überraschungen geplant. Kannst du schon verraten, ob es sich dabei um neue Serien oder Ergänzungen handeln wird?
 
Marc Schnackers: Kann ich leider nicht, bezogen auf Titelnennung. Jetzt steht erstmal die Frankfurter Buchmesse 2012 an, auf der wir uns für den nächsten Programmflyer eindecken (April – September 2013). Im April 2013 feiern wir unser 5jähriges Publikations-Jubiläum (der Verein existiert knapp ein halbes Jahr länger).
Dazu werden wir zwei (ich denke) unerwartete Titel publizieren, die aber im Segment der Serienfortsetzungen liegen. Dennoch werden sie wieder unser Programm auch konzeptionell erweitern. Ob es noch zum Start eines neuen Serientitels oder eine Erweiterung der Edition Solitaire in 2013 kommt, entscheidet einerseits die Auswahl, andererseits aber auch unser finanzielles Standing.
 
 
PPM: Marc, vielen Dank für deine Statements!

von Michael Hüster
Stichwörter: Finix-Comics

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