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22.12.2014

Little Nemo - alle Sonntagsseiten, im Überformat

Winsor McCays Little Nemo von Taschen: Eine traumhafte Publikation über die Träume eines kleinen Jungen

Little Nemo - alle Sonntagsseiten, im Überformat - Winsor McCays Little Nemo von Taschen: Eine traumhafte Publikation über die Träume eines kleinen Jungen

Einer der Großmeister der klassischen Comic-Kunst war Winsor McCay. Sein „Little Nemo in Slumberland“ gehört unbestreitbar zu den Klassikern in der Geschichte des Comics.

Auf der Suche nach dem legendären Slumberland bereist Nemo ungeahnte, zumeist bedrohliche und stets unberechenbare Traumlandschaften, in denen nichts so bleibt, wie es scheint: Vertrautes verwandelt sich in Gigantisches oder schrumpft ins Zwergenhafte, fratzenhafte verzerrte Fabelwesen lauern auf Schritt und Tritt, Häuser wachsen in gewaltige Höhen, um im nächsten Moment wieder in sich zusammenzustürzen. Und jede der Geschichten endet auf die gleiche Weise: Little Nemo erwacht in seinem Bett oder nicht selten auch daneben!

Winsor McCay verbindet typische Darstellungsweisen des Jugendstils mit detailliert ausgearbeiteten Architekturhintergründen. Das räumliche Konzept seiner Panele erinnert an das Theater und zeugt von einer meisterhaften Beherrschung der Perspektive.

„Little Nemo in Slumberland“ erschien von 1905 an regelmäßig in der Sonntagsbeilage des New York Herald. Im Jahr 1911 wechselte McCay in die Pressegruppe des Pressezaren William R. Hearst, wo sein Werk bis 1914 unter dem Namen „In the Land of Wonderful Dreams“ erschien. Von 1924 bis 1926 gab es ein Comeback für Little Nemo in der New York Harald Tribune. Danach war „Little Nemo“, dessen Vorbild McCays Sohn Robert war, Geschichte.

Obwohl oder gerade weil es sich bei McCays Comic um künstlerisch sehr außergewöhnliche Bildergeschichten handelte, kamen die Comics damals nur bei Comic-Liebhabern an. Die breite Masse der Zeitungsleser stand viel mehr auf Comics wie Katzenjammer Kids, Happy Hooligan und Buster Brown, allesamt mit rüdem Humor. Die Fans fanden sich vor allem im konservativen Bürgertum, die an den phantastischen Perspektiven und surrealen Ideen ihre Freude hatten. Man fühlt sich ein wenig in ein Reich der Phantasie wie in Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ versetzt.

TASCHENs großformatiger Band Winsor McCays ,Little Nemo’ – Gesamtausgabe versammelt zum ersten Mal überhaupt alle 549 Folgen von Little Nemo, die in den Comicbeilagen der großen amerikanischen Sonntagszeitungen erschienen. In seinem ausführlichen, mit historischen Fotos und Dokumenten illustrierten Begleittext setzt Kunsthistoriker und Comicexperte Alexander Braun McCays Leben und Werk in den kulturellen Kontext der amerikanischen Unterhaltungsindustrie und zeigt auf, welch immensen Stellenwert Nemos Traumsequenzen in der Kunstgeschichte haben. Dieser Band – Abenteuergeschichte, Augenschmaus und ein Stück Kulturgeschichte in einem – ist eine Hommage an einen der innovativsten Wegbereiter und verwegensten Entdecker im Land der Comics.
PPM fragte bei Autor Alexander Braun nach.

PPM: Wann begann ihre Leidenschaft für McCay und wodurch wurde diese ausgelöst?

A.B.: Irgendwann Mitte der 1980er-Jahre, als Carlsen die erste Little Nemo-Ausgabe startete und ich angefangen habe, Kunst zu studieren. Es war wohl weniger »Leidenschaft« als vielmehr Ungläubigkeit und dann Ärger darüber, dass es dieses großartige surreale Traumwerk gibt, viele Jahre vor der Bewegung des Surrealismus, vor Dalí und Magritte, und nirgendwo ist etwas zu lesen über McCay in der kunsthistorischen Literatur. Er wird schlichtweg verschwiegen, nur weil er kein Exponent der Hochkultur ist. Das galt es, nachdrücklich zu revidieren.

PPM: Obwohl die Comicinhalte nicht gerade „Mainstream“ waren, war McCay mit diesen sehr erfolgreich. Was glauben Sie, war das Geheimnis seines großen Erfolges in den Jahren der Publikation?

A.B.: Was seinen Erfolg betrifft, ist das eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits war er in der Tat sehr erfolgreich, galt als einer der besten Zeichner seiner Zeit, was Hearst viel Geld wert war, dass McCay mit seiner Familie ein großbürgerliches Leben im Wohlstand genießen konnte. Andererseits war seine Arbeit aber auch so einzigartig, singulär und durchaus intellektuell, dass er damit weniger den populären Geschmack der breiten Masse befriedigte, als vielmehr den eines gebildeten Bürgertums. Guckt man sich etwa „Buster Brown“ von Outcault oder „The Katzenjammer-Kids“ von Dirks an, dann ist das der Humor, den die Masse bevorzugte.

PPM: Was fasziniert Sie persönlich am Werk von McCay?

A.B.: Seine Besessenheit, immer und überall zu zeichnen. Sein inhaltliches Interesse an den Untiefen der menschlichen Psyche, die vor ihm niemand in dieser Weise in Szene gesetzt hat. Und schließlich sein Ehrgeiz, sich nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sondern stets zu neuen Ufern aufzubrechen, um sein Metier zu erweitern.

PPM: Vielen Dank für die Statements!

Winsor McCays Little Nemo – Gesamtausgabe
Alexander Braun
Hardcover, in Leinen gebunden, mit Übersetzungsbeiheft, 34,4 x 44 cm, farbig, 708 Seiten
TASCHEN Verlag, 150,-- €

Little Nemo bei PPM

 

von Michael Hüster
Stichwörter: Taschen-Verlag

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