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29.01.2015

NOFI’s Hauptmann Veit

Ein Interview mit Lutz Nosofsky

NOFI’s Hauptmann Veit - Ein Interview mit Lutz Nosofsky

NOFI’s (d.i. Lutz Nosofsky) neuester Band „Hauptmann Veit: Gesetzlos“ bietet wieder einen spannend arrangierten History-Comic mit viel Action, Erotik und jede Menge sekundären Hintergrundinfos.

Die Geschichte von Hauptmann Veit begann im Jahre 2010 und inzwischen sind schon über 150 Comicseiten erschienen.

PPM stellte NOFI im folgenden Kurzinterview Fragen rund um den Veit-Comic und das Veit-Filmprojekt.

Hallo Lutz! Band 3 ist vollbracht. Damit hast du nach 2010, 2012 und 2014 etwa alle zwei Jahre ein Album und insgesamt über 150  Comicseiten abgeliefert. Wie ist das Gefühl?

NOFI: Gut so weit, ein wenig erschöpft - aber natürlich auch froh. Wenn alles erledigt ist, glaubt man kaum, was für eine Arbeit in so einer Produktion steckt. Außerdem läuft ja auch immer parallel das normale Geschäft. Comic ist ja bei mir nach wie vor nur ein Projekt.  Aber am liebsten möchte man doch gleich weiter zeichnen.

Hat die Hauptfigur Veit eigentlich ein historisches Vorbild?


NOFI: Nein. Es böten sich zwar einige Persönlichkeiten an, z.B. der  Florian Geyer. Aber es ist besser, wenn man die erzählerische Struktur vom realen Kontext löst, so hat man mehr Freiheiten. Historische Erzählungen bergen immer ein wenig die Gefahr, dass man auf einmal den lehrhaften Zeigefinger erhebt und dabei vergisst, was der Hauptstrang ist - frei nach Billy Wilders 10 Geboten, die alle gleich lauten: Du sollst nicht langweilen!

In Band 3 schließt sich der Kreis zu Band 1. Veit trifft wieder auf Tora und deren Bruder Lennart. War das von Beginn an so geplant?

NOFI: Ich glaube, ja. Hört sich komisch an, kommt aber daher, dass man zwar anfänglich alles Mögliche überlegt, die Geschichte aber auch "weiter fließt". Die Grundstruktur muss natürlich klar sein, aber die Details entwickeln sich. Eine erotische Komponente (mit Tora)  
sollte natürlich dabei sein. Dazu kommt Lennart, zunächst als Feind, dann als Freund und Kampfgefährte (als Anführer einer Gruppe Gesetzloser), dass sollte schon der Kern einer Kampftruppe sein, an deren Spitze Veit dann die Bauernkriege durchlebt.

Zumindest Tora scheint Gefallen an Veit zu finden … entwickelt sich da eine Beziehung?

NOFI: Ja, eine leidenschaftliche, aber nicht unkomplizierte Liebe. Allerdings braucht es hier wohl noch ein wenig mehr Tiefe. Da sind mir die Details noch nicht klar.

Im Vergleich zu Band 1 kann man Veränderungen bei der Optik der Protagonisten entdecken. Am auffälligsten ist das bei Tora. Ihr Gesicht ist jetzt deutlich hübscher und ausdrucksvoller…

NOFI: Es ist normal, dass sich die Story und auch die Figuren entwickeln, das ist am Anfang alles noch nicht perfekt. Donald Duck glich in den ersten Veröffentlichungen auch noch total einer Ente und auch Asterix oder Lucky Luke sahen anfänglich völlig anders aus. Leider  
fehlt heute ja oft verlagsseitig das Standing, eine Serie in Ruhe reifen zu lassen. Da ist es dann kein Wunder, wenn es keine wirklichen Mega-Seller mehr gibt.

Und auch Toras Oberweite hat sich weiterentwickelt …  

NOFI: So so, wahrscheinlich ein typischer Männeraspekt. Nein, im Ernst, das hatte ich gar nicht geplant, m.M.n. war das schon völlig OK.

Sehr gut kommt rüber, wie extrem die Unterschiede in den Lebensverhältnissen zwischen Klerus/Adel und einfachem Volk war. Das ist schon heftig … Wohlstand im Kontrast zu täglichem Überlebenskampf…

NOFI: Es freut mich natürlich, wenn der Aspekt überspringt. Der Leser soll ja emotional mitgenommen werden und es am Besten selbst spüren. Dieses Underdog-Feeling ist heute wieder bei Vielen zu spüren, natürlich nicht vergleichbar mit damals. Trotzdem: Viele  
Situationen und Themen sind heute noch aktuell. Z. B. auch religiöse Fragen. Mit dem Begriff "Feeling History" ist genau diese Verknüpfung gemeint.

Wie geht es weiter mit Veit? Hast du schon mit Band 4 begonnen? Wie ist der Sachstand?

NOFI: Zunächst braucht man ein wenig Abstand und Pause. Mit jetzt 3 Bänden ist ein solider Grundstock gelegt, nun geht es mehr um den Verkauf und ums Marketing. Es ist ja nicht so, dass man mit den Erlösen zufrieden sein kann. So eine Comic-Serie ist ein langfristiges Projekt, in das man zunächst viel investieren muss und das Zeit braucht. Die relativ kleine Comic-Branche bietet erwerbsmäßig auch nur ein begrenztes Potential, aber selbst das schöpfen wir gegenwärtig noch nicht voll aus. Verkaufspotential darüber hinaus gibt es aber reichlich, allein z.B. mit Band 2  "Sickingen". Da können wir direkt in der Region werben und aufgrund der dortigen Airbase Ramstein auch an die Amis verkaufen. Die lieben authentische Rittergeschichten. Den Fortgang der Serie darf man natürlich nicht vergessen, da juckt es schon in den Fingern...

Was macht dir bei der Arbeit an Veit am meisten Spaß?

NOFI: Schwer zu sagen. Besonders reizvoll ist die Entwicklung der Story, das Herumdenken, die Verknüpfung der Handlungsstränge, die Dialoge. Dann natürlich die Zeichnungen selbst, auch die Koloration ist ein eigenes Gebiet. Aber sogar die Recherchen zum geschichtlichen  
Hintergrund bringen Spaß.

Von Beginn an ein Bestandteil deiner Alben: Sekundäres zum historischen Hintergrund. Wie wichtig ist dir die Erklärung der Geschichte?

NOFI: Es ist eine tolle Ergänzung, damit wird die Sache rund. Ich weiß z.B. von vielen Lehrern, dass sie die Comics so gut im Unterricht einsetzen können. Aber auch die Story gewinnt dadurch und gleichzeitig lernt man noch was. Jemand schrieb mir einmal, angeregt durch den 2. Band hätte er sich weiter mit Ulrich v. Hutten beschäftigt, z.B. wie viele Ulrich v. Hutten Gymnasien es gibt. Ein anderer war berufsmäßig schon unzählige Male an der Sickingen-Burg Nanstein vorbeigefahren. Aufgrund des Comics nahm er dann einmal seinen Sohn zur Geschichtsexkursion mit auf die Burg.  

Die Idee zum Anhang kam ursprünglich von Peter Poluda. Das habe ich dann gerne aufgegriffen.

Wie ist der aktuelle Stand des Filmprojekts?

NOFI: Die Kölner Produktionsfirma Radical hat ja zeitlich begrenzte Optionsrechte und verhandelt nach wie vor mit mehreren Sendern. Es gibt aber auch die Idee einer internationalen Produktion, als Film oder fürs Fernsehen, mal abwarten. Kopfzerbrechen bereitet mir etwas Anderes. Neulich lief ja der Götz v. Berlichingen auf RTL, ein ziemlich willkürlicher Historien-Mix im Rocker-Outfit. Da graut einem natürlich, dass Ähnliches mit Veit passiert und trotz aller Absprachen und Vereinbarungen bin ich mir da nicht sicher, was passieren könnte. Das wäre der GAU und für die Marke ein irreparabler Schaden.

Es bietet sich allerdings so langsam eine 3. Möglichkeit. Durch den Trailer haben sich unzählige Verbindungen ergeben, sowohl im Produktions-,  Vertriebs-, als auch im Schauspielbereich, sowie in die Mittelalterszene hinein. Und es gibt eine veritable Unterstützer- Szene, Stichwort Crowdfunding. Ähnlich wie beim Trailer ist eine eigenständige Produktion im Bereich des Möglichen. Es sind  eigentlich alle Teile vorhanden - es wäre das Projekt mit der größten Einflussnahme, allerdings auch verbunden mit der meisten Arbeit. Es bleibt also spannend.

Hauptmann Veit bei PPM
 

von Michael Hüster
Stichwörter: ars-tempus ltd.

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