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06.03.2015

Der Schatten des Todes

Rachel Rising bei Schreiber & Leser

Der Schatten des Todes - Rachel Rising bei Schreiber & Leser

Filipe Tavares (Presse Schreiber & Leser): „Rachel Rising zeigt einmal mehr die erzählerische Bandbreite des regelmäßig ausgezeichneten Indie-Comickünstlers Terry Moore, der in den USA schon seit Jahrzehnten als Inspiration für die Creator-Owned-Bewegung dient.“
 

Zunächst mal zu den nüchternen Fakten: Das Paperback von Schreiber & Leser enthält die ersten sechs US-Hefte einer neuen Serie von Terry Moore (Strangers in Paradise). Das Cover ist sehr schlicht gehalten, nichts verrät dabei über den folgenden Inhalt. Na ja, evtl. ahnt man so etwas wie den Hauch des Todes. Und das trifft den roten Faden der Serie dann nun doch.
Und um falsche Hoffnungen zu vermeiden: Rachel Rising ist kein zweites Walking Dead!

Ich würde das Ganze eher als Mystery-Horror-Thriller bezeichnen. Eine Story an der Schwelle zwischen Leben und Tod.

Der Anfang der Geschichte kommt auf neun Seiten (!) ganz ohne Text aus. Der Betrachter erlebt, wie sich eine junge Frau unter großer Mühe aus einem matschigen Grab in einem Wald wühlt, ja förmlich herauskämpft. Sie ist sehr verstört und weiß nicht so genau, was passiert ist. Das etwas nicht stimmt, steht zweifelsfrei fest. Im Laufe des ersten Bandes stellt sich heraus: Rachel ist praktisch tot. Mit ihren Laborwerten kann ein Mensch eigentlich nicht überleben. Und doch ist Rachel existent.

Zusammen mit ihrer Tante Johnny und Freundin Jet versucht Rachel herauszufinden, was ihr zugestoßen ist und wieso sich Rachel mit Lebenden unterhalten kann und bis auf deutlich verändert Augen, die etwas Schreckliches gesehen haben müssen, recht normal durch das Szenario läuft.

Während die drei Damen versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen, kommt es in der Kleinstadt Manson zu weiteren tödlichen Ereignissen. Schlüssel zu den Todesfällen scheint eine unbekannte Frau, eine Art Todesengel, zu sein.

Terry Moore lässt fröhlich meucheln: da fallen Frauen von Hausdächern, ein Mann kommt auf besonders grausame Art plötzlich zu Tode und ein kleines Mädchen entpuppt sich als Dreifachmörderin. Die Morde sind allesamt recht brutal und gruselig in der Ausführung.

"Rachel Rising" verfügt über auffällig viele weibliche Charaktere, die die Handlung vorantragen. Allen voran die Titelheldin. Und dann ist da das mordende Mädchen Zoe. Nicht zu vergessen sind Rachels Freundin Jet und Tante Johnny. Und der unbekannte Todesengel.

Terry Moores s/w-Zeichnungen sind ansprechend und in einem klaren und realistischen Stil gehalten. Die Story ist ziemlich abgefahren und gruselig, dabei spannend und mysteriös.

Filipe Tavares: „Die Entdeckung des Terryverse – so wird die Comicwelt des US-amerikanischen Comickünstlers Terry Moore gerne mal genannt – war mehr als überfällig und ein schöner Glücksgriff für den Verlag.
Es ist wirklich erstaunlich, dass niemand sein Œuvre auf dem Schirm hatte. Vielleicht hing das mit den Strangers in Paradise-Bänden zusammen, die ab Mitte der 1990er-Jahre bei Speed erschienen sind. Dass das gerade mal ca. 20% der ganzen Geschichte waren, ist wohl bisher nur den wenigsten aufgefallen … Bei uns erscheinen jetzt auch die restlichen 80%, also die komplette Geschichte.
Mit Rachel Rising konnten wir auch Terry Moores neuestes Comicwerk ins Programm nehmen. Dieser ungewöhnliche Horrorcomic ergänzt Moores Opus magnum Strangers in Paradise. Rachel Rising zeigt einmal mehr die erzählerische Bandbreite des regelmäßig ausgezeichneten Indie-Comickünstlers, der in den USA schon seit Jahrzehnten als Inspiration für die Creator-Owned-Bewegung dient.
Auch sein zwischen 2008 und 2011 erschienenes Werk Echo ist wunderbar. Aber vorerst konzentrieren wir uns auf die beiden bereits laufenden Reihen.“

Rachel Rising 1: Tochter des Todes
von Terry Moore
SC, s/w, 128 Seiten
Schreiber & Leser, 14,95 €

von Michael Hüster
Stichwörter: Schreiber & Leser

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