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16.10.2015

Ein Blick hinter die Kulissen des Comicbetriebs!

Neu beim Splitter-Verlag: Weisse Felder – Eine Graphic-Novel-Erzählung aus dem Herzen der Comic-Kunst

Ein Blick hinter die Kulissen des Comicbetriebs! - Neu beim Splitter-Verlag: Weisse Felder – Eine Graphic-Novel-Erzählung aus dem Herzen der Comic-Kunst

Vincent Marbier ist ein Comic-Autor, dem es nach dem großen Erfolg des ersten Bandes seiner Serie seit längerem an Inspiration mangelt. Von seinem Verleger unter Druck gesetzt, der das fertige Album sehen will, von seinen zahlreichen Fans erwartet, im Stich gelassen von seinem Texter, der seine Blockaden nicht mehr erträgt, ist Vincent so desorientiert, dass er überlegt, seine Karriere als Zeichner aufzugeben.

Sylvain Runberg (Konungar, Millennium, Orbital, Reconquista, Warship Jolly Roger – ebenfalls bei Splitter) erzählt eine Geschichte, in deren Mittelpunkt ein Comic-Zeichner steht. Nach zehn erfolglosen Alben gelingt Vincent Marbier mit seinem ersten Band der Serie „Der Pfad der Schatten“ der große Wurf. 125.000 Exemplare gingen bereits über die Ladentische. Das sind Zahlen, die für heutige Verhältnisse schon besonders sind. Sein Verleger, seine Fans, sein Szenarist, alle warten gespannt auf den zweiten Band der spannenden Saga. Aber der Zeichner ist nicht mehr in der Lage, die Arbeit an Band 2 aufzunehmen. Und das schon seit einem Jahr. Er verbringt seine Tage mit dem Joggen und hofft so darauf, dass die dringend nötige Inspiration zurückkehrt, um an den Illustrationen an dem neuen Band weiter arbeiten zu können. Die Situation wird für Vincent nicht gerade dadurch leichter, dass sein Herausgeber auch wirtschaftlich von diesem Band abhängig ist, da ansonsten personelle Konsequenzen im Verlag drohen...
 
Es ist nicht ganz klar, warum Vincent eine kreative Blockade hat. Möglicherweise wurde seine Arbeit an der Serie aus der Not heraus geboren, denn Vincent befand sich seinerzeit in einem Scheidungsverfahren. Möglich, dass das seine Motivation war, den ersten Band zu machen. Vermutlich steht er nicht mehr hinter der Arbeit, so dass er innerlich die Fortsetzung ablehnt.
Schließlich erfindet er Ausreden, warum er nichts abliefert. So gibt er bei einem Treffen mit seinem Verleger und Szenaristen an, dass er die ersten 10 Seiten des neuen Bandes im Zug liegen gelassen hat. Der Leser weiß jedoch, dass das nicht stimmt. Und alle anderen ahnen es.
 
Olivier Martin und Sylvain Runberg führen uns in die Welt der Comics. Sie lassen den Leser hinter die Kulissen schauen, auf das Umfeld des Comic-Geschäfts, auf Autoren, Verleger und Buchhändler. Sie geben uns einen kleinen Einblick in das tägliche Leben der Künstler mit all seinen (finanziellen) Unsicherheiten, den Erwartungsdruck der Öffentlichkeit, auf lange Arbeitszeiten an den Zeichentischen, Festivalbesuche, Erfolg, Eifersucht und den Wettbewerb zwischen den Verlagen um die wenigen Comicperlen.

Die Begegnung von Vincent mit Autorenkollegen vermittelt dem Leser das Gefühl, dass er sich im inneren Zirkel der BD-Familie bewegt. Die berühmte Galerie Daniel Maghen wird ebenso erwähnt wie das St. Malo-Festival oder die Bedeutung der Videospiel-Welt für die neunte Kunst.
Nichts scheint vergessen. Runberg beschreibt eine Welt, die er gut kennt. Die Art, wie die Autoren, Verleger oder Buchhändler agieren. Eine kleine Gemeinde wo jeder jeden kennt und alles sehr schnell bekannt wird.
 
Weisse Felder ist faszinierend und berührend. Aber auch nicht ohne einen gewissen Humor.
Die Aquarellzeichnungen von Olivier Martin in Sepia-Farbtönen sind sehr schön. Die Dekos der Panels sind auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Alles konzentriert sich auf die handelnden Charaktere.
 
Weisse Felder
von Sylvain Runberg (Text) und Olivier Martin (Zeichnung & Farben)
Hardcover, 88 Seiten, farbig
Splitter Verlag, 17,80 €

Leseprobe bei PPM
 

von Michael Hüster
Stichwörter: Splitter

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