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16.11.2015

Schreiber & Leser Noir

Black Dahlia - Die schwarze Dahlie

Schreiber & Leser Noir - Black Dahlia - Die schwarze Dahlie

„Letztlich geht es immer um eine Frau ...“ könnte auch der Titel dieses Krimis sein. Im Mittelpunkt dieser Ballade in den 1940ger Jahren rund um Hollywood stehen aber zwei Männer und drei Frauen; doch eigentlich sind sehr viele Personen beiderlei Geschlechts darin verwoben.

Leland C. Blanchart und Dwight Bleichert sind zwei Polizisten, die sich sowohl als Boxer im Ring als auch privat schon mal deftig prügeln. Trotzdem bezeichnen sie sich als Freunde. Um einen Fall aufzuklären, müssen sie sich mit der Ermittlung und Aufklärung eines wahrlich grausamen Mordes beschäftigen: Der einer jungen Frau, Elizabeth Short, die grässlich verstümmelt aufgefunden wurde und die in Anlehnung ihrer Vorliebe für eng anliegende schwarze Kleidung mit Black Dahlia tituliert wurde!

Die gemeinsame Freundin Kay Lake lebt mit Blanchart zusammen, doch Sex hat sie mit Bleichert. Bleichert verliebt sich in eine andere, Madeleine Sprague, eine Tochter aus gut situiertem Haus. Sie hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Elizabeth Short. Und immer wieder dreht sich deren aller Leben um die Schwarze Dahlie. So entsteht eine wirklich spannende Geschichte in einem Amerika der korrupten Bullen und der lasziven Ladys; vage verknüpft mit dem Filmgeschäft, vor allem der Pornoindustrie; zu jener Zeit, als sogar noch alle Buchstaben des Schriftzeichens „HOLLYWOOD“ an den Hängen aufrecht standen und Aufputschmittel sowie andere Drogen nicht nur von abgehalfterten Gestalten konsumiert wurden! Irgendwie hat jede auftretende Person „Dreck am Stecken“, jede lügt oder hat undurchsichtige Hintergründe zu verbergen, keine scheint vor Gewalt zurück zu schrecken. So ist ebenso die Grenze zwischen Guten und Bösen, Legalem und Illegalem keineswegs leicht zu definieren.

Der Titel gebende Kriminalfall ist ein Roman von James Ellroy und er zählt zu den großen Genre -Werken. Er ist von den drei Künstlern Hyman, Matz und Fincher kongenial für diesen Comic umgesetzt! Neben über zwei Dutzend Personen im Handlungsablauf haben sie auch sonst viel vom Original verwendet, so dass hier eine Interpretation reich an Text zu lesen ist. Gute Charakterstudien der Beteiligten, deren teilweise düsteren Beweggründe, und vor Allem einige unerwartete Wendungen und Offenbarungen sind dermaßen interessant, dass es fast in jedem Kapitel neue Verdachtsmomente, Indizien und Vermutungen bezüglich dem Mörder von Black Dahlia gibt! Ja, der Fall wird aufgeklärt - und ohne zu viel zu verraten, bzw. die Spannung zu nehmen: Es ist eine Mörderin!

Die Grafik wirkt zunächst mal außergewöhnlich, vielleicht etwas hölzern, wenig dynamisch.
Doch der Zeichner Miles Hyman beherrscht zumindest die in vielen Grautönen gestrichelten Linien und Flächen. Mit einem erdigen farbigen Grundton koloriert – neben schwarz/weiß Bildern, die Rückblenden skizzieren - wird eine plastische, eher weichzeichnende  Ansicht vermittelt. Und fast scheint es so, als habe der Künstler beim Darstellen von nackten Körpern hinsichtlich der Ästhetik dazu noch „eine Schippe drauf gelegt“.

Black Dahlia – Die schwarze Dahlie
nach James Ellroy
von Myles Hyman, Matz, David Fincher
164 Seiten
Schreiber und Leser
24,80 Euro

von Rolf Pressburger

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