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30.03.2016

Schreiber & Leser

Tod eines Blauwals

Schreiber & Leser - Tod eines Blauwals

Nach fünf Jahren steht der Schriftsteller Simon Breuil zufällig wieder vor seinem Haus und sieht keinen Grund, seine Frau Elsa anzurufen. Denn im Grunde gibt es keine schönen alten Zeiten zum Wiederauflebenlassen, sinniert er.

Stattdessen trifft er sich mit einer alten Bekannten und fragt sich, wer er eigentlich ist. Und wer die anderen in seinem Leben sind. Vor einiger Zeit hat er einen Bestseller geschrieben und sein neues Buch soll „Tod eines Blauwals heißen“. Ein bescheuerter Titel zwar für ein Buch, meint der mysteriöse und radikal denkende Altmeister James Whales, doch inhaltlich hervorragend. Die beiden freunden sie sich an und Whales erzählt Breuil einiges aus seiner Vergangenheit und Breuil wiederum dem Leser in Rückblenden von seinen Amouren, seinen sexuellen Ausschweifungen und seiner Suche nach der Muse für sein neues Buch. Er scheint eine Inspiration dafür im Umgang mit Whales gefunden zu haben!

„Tod eines Blauwals“ ist nicht direkt eine Kriminalgeschichte, obwohl so nebenbei mehrere Morde andeutungsweise parat sind. Es ist eine geheimnisvolle Story die hier mit schnoddrigem Text und in launischen Episoden mit dem Protagonisten Simon Breuil erzählt werden. Neben der Suche nach seinem „echten“ Selbst, das hin und her wandert, in verschiedenen Betten nicht zum Einschlafen kommt und in einer obskuren Beziehung zu Whales steht, resümiert er zum Schluss, er werde nicht noch zig Jahre in der Haut eines Fremden zubringen …!
Der Künstler Emmanuel Moynot ist einer der Nachfolger von Tardi bei Lèo Malets Nestor Burma. Für das vorliegende Buch ist er auch fürs Szenario und Text zuständig.

Hier zeichnet er sich für ein tiefsinniges Werk verantwortlich, in dem unter anderem so renommierte Autoren wie Hemingway, Dostojewski und Proust mit einem Ellbogencheck bedacht werden (sollen).
Die vorwiegend düstere Farbgebung in grau-braunen Tönen mit viel Schwarz, und spärlich in Rot, Grün, Blau und Gelb aufgelockerte Kolorierung ist sehr atmosphärisch dem Thema angepasst. Die Zeichnungen als Ganzes haben was Ungeschöntes, Ungezügeltes, Freihändiges an sich. Der Comic liest sich gut durch, weil er gut strukturiert ist, wartet zum Schluss mit einer Überraschung auf und lässt den Leser somit das Fazit und den Sinn selbst herausfinden.

Tod eines Blauwals

Text u. Zeichnungen: Emmanuel Moynot
76 Seiten
Schreiber und Leser
18,80 Euro

von Rolf Pressburger
Stichwörter: Schreiber & Leser

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Tod eines Blauwals

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