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21.10.2016

Neuer Corto Maltese-Band bei Schreiber & Leser

Hugo Pratts „Die Äthiopier“

Neuer Corto Maltese-Band bei Schreiber & Leser - Hugo Pratts „Die Äthiopier“

Von 1970 bis 1973 zeichnete Hugo Pratt für die französische Zeitschrift Pif Gadget eine Folge von 21 Corto Maltese - Kurzgeschichten, die in vier Alben zusammengefasst wurden: Sous le signe du Capricorne, Corto toujour un peu plus loin, Les Celtiques und Les Ethiopiques. Corto Maltese wurde damit zum Held einer eigenen Serie.

Diese Kurzgeschichten gehörten zum Besten, was bis dahin aus Pratts Feder geflossen war und legten den Grundstein für seinen späteren Weltruhm.

Corto Maltese tritt im Verlauf seiner verschiedenen Abenteuer als sensibler, unberechenbarer Held an den markantesten historischen Schauplätzen des beginnenden 20. Jahrhunderts auf: Man trifft auf Corto Maltese zunächst in der Mandschurei während des russisch-japanischen Krieges, sieht ihn im Südpazifik und auf der Insel Escondida in Pratts Meisterwerk Südseeballade wieder, reist dann mit ihm nach Südamerika, in die Karibik, nach Maracaibo und ins Orinoco-Delta, gelangt schließlich mit Corto nach Europa, nach Afrika und verfolgt seine Spur von Hong Kong bis nach Sibirien.
Nach Abenteuern in Venedig und auf der Seidenstraße kommt Corto Maltese nach Buenos Aires, um eine Freundin wiederzufinden. Dann führt ihn sein Weg in die Schweiz und schließlich macht er sich auf die Suche nach dem verlorenen Kontinent Mû . Für alle seine Serien, vor allem aber für Corto Maltese entwickelte Pratt ein Erzählkonzept, das darauf angelegt war, die Grenzen zwischen historischen Fakten und Fiktion aufzuheben.

Das jetzt bei Schreiber & Leser erschienene Album „Die Äthiopier“ enthält die afrikanischen Abenteuer des Kapitäns ohne Schiff. Insgesamt handelt es sich hierbei um vier Kurzgeschichten: Im Namen Allahs des Barmherzigen, Der Gnadenschuss, Wie Romeo und Julia und Die Leopardenmenschen von Rufidschi.

Um die Besonderheit dieser afrikanischen Abenteuer für Hugo Pratt richtig einordnen zu können, muss man wissen, dass der Autor von 1937 bis 1943 selbst in Äthiopien gelebt hatte, das damals noch Abessinien hieß, und zum damalige italienische Kolonialreich in Afrika gehörte. Als Erwachsener kehrte er mehrmals nach Äthiopien zurück.

Die vier Kurzgeschichten in „Die Äthiopier“ sind von Pratts typischer Ironie bestimmt. In der ersten Geschichte „Im Namen Allahs des Barmherzigen“ bezieht sich der belesene Pratt auf den Koran als das einzige wahre Buch des strengen Islam. Die Handlung dieser ersten Geschichte ist innerhalb von Pratts Werk äußerst wichtig, denn sie macht den Leser mit CUSH bekannt. Gemeinsam mit El Oxford wollen sie einen jungen Prinzen und Thronanwärter aus den Händen der Türken in Fort Turban befreien. Wie sich zeigen wird, ein sehr schwieriges Unternehmen ...

In „Der Gnadenschuss“ wird die Handlung zu einem poetischen und psychologischen Kampf von außerordentlicher Spannweite. Pratt inszeniert eine Intrige, gesponnen aus Feigheit und Freundschaft. Er führt uns einen englischen Offizier vor, der lieber Rimbaud als Kipling liest. Dieser Hauptmann der King’s African Rifles büßt mit dem Leben für einen schändlichen Verrat, den er einst an seinem Bruder begangen hat ...

Die dritte Kurzgeschichte „Wie Romeo und Julia“ ist sehr ungewöhnlich und wird von Shamael, dem großen abessinischen Zauberer bestimmt. Es geht um eine Fehde zwischen zwei Dörfern, bei der es um die Liebe zwischen zwei jungen Menschen geht. Die unterschiedlichen Religionen, auf der einen Seite Christen, auf der anderen Seite Anhänger Mohammeds, verbieten dies jedoch. Shamael sorgt für ein überraschendes Ende der Story.

Die vierte Geschichte, „Die Leopardenmenschen von Rufidschi“, spielt im südlichen Äthiopien in „Ostafrika“. Während der Krieg in Europa zu Ende ging, kämpfte man in Afrika weiter. Der deutsche General Lettow-Vorbeck tauchte mit seinem Geisterheer mal hier, und mal dort auf. Die ihn verfolgenden Engländer, Belgier und Portugiesen machte das rasend.
Diese letzte Erzählung schlägt eine Brücke zwischen Pratts zwei großen afrikanischen Abenteuerserien. Die Figuren Tenton und MacGregor stammen aus „Anne und Dan“ und „Die Wüstenskorpione“.

Pratts Geschichten sind ungewöhnlich, aber auch sehr anspruchsvoll. Wenn man jedoch diese Geschichten mag, sind sie unglaublich faszinierend und erzählen nicht selten etwas aus dem abenteuerlichen Leben des Autors selbst. Pratt zeigt mit den Corto-Abenteuern in Afrika, wie gut er Afrika und seine Menschen kennt und versteht.

Corto Maltese: Die Äthiopier

Text und Zeichnungen: Hugo Pratt
Schreiber & Leser

Es sind zwei verschieden Ausgaben zu haben: farbig & s/w

Leseprobe

von Michael Hüster
Stichwörter: Schreiber & Leser

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