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03.03.2017

Ausstellung in der Caricatura Galerie Kassel vom 4.3. bis 1.5.2017

Michael Holtschulte: Amoklauf in der Waldorfschule

Ausstellung in der Caricatura Galerie Kassel vom 4.3. bis 1.5.2017 - Michael Holtschulte: Amoklauf in der Waldorfschule

Michael Holtschulte gehört zu den Shootingstars der Cartoon-Szene. Seine Facebook-Seite „Tot aber lustig“ bringt es auf mehr als 300.000 Fans.

Die Caricatura Galerie zeigt die Arbeiten ihres erfolgreichsten Sommerakademie-Absolventen nun in einer großen Einzelausstellung.

Holtschultes Themenspektrum ist so bunt wie seine Cartoons. Er spannt einen Bogen von der digitalen Welt mit Smartphones, Social Media und Google über Beziehungsszenen im heimischen Wohnzimmer bis hin zum kultgewordenen Star-Wars-Universum. In seinen regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung erscheinenden Karikaturen beweist er zudem einen Blick für das politische Tagesgeschehen.

Zu sehen sind neben aktuellen Cartoons auch Gemälde und Objekte. Zur Ausstellung erschien im Lappan Verlag das Buch „Amoklauf in der Waldorfschule“.

PPM stellte Michael Holtschulte Fragen zu seinem neusten Buch und zur Ausstellung in der  Caricatura Galerie Kassel.

Kürzlich erschien dein neuer Cartoonband „Amoklauf in der Waldorfschule“.
Der Band präsentiert ein lustiges „Best of“ aus deinem Cartoonschaffen.  
Wie entstand der Titel zum Band?


Michael Holtschulte: Im Grunde genommen kommen da einige Dinge zusammen: Im letzten Jahr teilte man mir von und bei der Caricatura Galerie in Kassel feierlich mit, dass man eine Einzelausstellung mit mir plane. Da das etwas ganz Besonderes für einen Cartoonisten ist, habe ich das natürlich auch ganz stolz mit meinem Verleger Dieter Schwalm bei Lappan im Carlsen Verlag erzählt. Da wurde dann entschieden, dass es jetzt auch Zeit für einen Best of – Band von mir sei. Die „Amoklauf in der Waldorfschule“-Zeichnung ist ein über zehn Jahre alter Cartoon, von dem Dieter einmal erzählte, dass das einer seiner Lieblingscartoons von mir sei. Daran erinnerte ich mich, zeichnete den Cartoon neu und letztlich war es dann genau dieser Cartoon und Titel, auf den man sich auf allen Seiten einigen konnte. Sowohl für das Buch, als auch für die Ausstellung.

Diese große Ausstellung von dir in Kassel: Was erwartet den Holtschulte-Fans dort alles?

Michael Holtschulte: Die Ausstellung wird am 3.3. in der Caricatura Galerie eröffnet. Dort erwartet den Fan unter anderem eine Laudatio von Oliver Uschmann und Livemusik von Alexx Marrone. Und auch Bier wird es in ausreichenden Mengen geben.
Was die Ausstellung an sich angeht: Da lasse ich mich selbst überraschen. Die Kuratorin Saskia Wagner kennt mich nun schon seit acht Jahren und ist besser mit meiner Arbeit vertraut als jeder andere Mensch. Von daher vertraue ich blind darauf, dass dort wieder mit viel Liebe zum Detail eine Ausstellung zusammengestellt worden ist. Was ich sagen kann: Sie war mit einem Lieferwagen bei mir zu Hause und hat stapelweise Originale mitgenommen. Acrylbilder waren darunter, genauso wie akribische Skizzen einer Installation, die ich mir extra für die lieben Kleinen ausgedacht habe. Sehr pädagogisch im Übrigen.
 
Im Buch befinden sich dann auch passend zum Titel mindestens drei Cartoons, in denen du die Waldörfler auf die Schippe nimmst… Hast du evtl. eigene Erfahrungen in der  WS gemacht …?

Michael Holtschulte: Außer meiner oben genannten pädagogischen Expertise? Nein, überhaupt keine. Manchmal muss man für einen guten Gag mit Klischees spielen, damit der er funktioniert und leichter zu verstehen ist. Die Waldorfschulcartoons gehören dazu.
Ich bin ja auch noch nicht gestorben und mache Cartoons mit dem Sensenmann.
 
Genau. Deine beliebten Sensenmann-Gags. Die dürfen natürlich nicht fehlen und gehören auch bei mir immer zu den Favoriten. Bekommst du Rückmeldungen, welche Art von Gags am Besten ankommen? Wie liegt da der Sensemann?

Michael Holtschulte: Da ich ja eine Facebookseite habe, kann ich das schon relativ gut sehen, welcher Cartoon gut ankommt, sobald ich ihn dort hochgeladen habe. Je höher die Like-Zahlen oder Verlinkungen sind, desto besser ist der Cartoon oberflächlich betrachtet in der Regel. Manchmal zeige ich aber eben auch Arbeiten, die jetzt nicht von der breiten Masse verstanden werden können und müssen, weil sie zu speziell sind oder auch voraussetzen, dass man die jeweiligen Nachrichten dazu parat hat. In den Fällen sind Zahlen wenig aussagekräftig. Aber um auf den Sensenmann zurückzukommen: Der liegt immer weit vorne.

Gibt es denn auch mal böse Rückmeldungen, wenn ein Gag zu derbe ausgefallen ist? (Behinderte, Religion allgemein, Sex, Islam)

Michael Holtschulte: „Derbe“ ist ja per se schon eine Definitionsfrage und völlig subjektiv. Insofern kann man es sowieso nicht allen recht machen. Und natürlich kommen auch die ein oder anderen Rückmeldungen. Solange das auf einem sachlichen Niveau passiert, ist eine Diskussion sehr unterhaltsam und vermittelt durchaus auch andere Sichtweisen. Sobald aber von vornherein deutlich wird, dass sich da nur jemand durch Stellvertreterbetroffenheit wichtig tun will oder mehrmals in Kommentaren (zum gleichen Cartoon) kund tut, dass er nun meine Seite entliken werde, zeichne ich lieber am nächsten Cartoon weiter.
 
Du bringst die Sachen schon auf den Punkt und das ist dann auch schon mal kritisch. Gibt es bei dir inhaltlich selbst gesetzte Grenzen?

Michael Holtschulte: Bei einem Cartoon ist es per definitionem schon so, dass man auf den Punkt kommen muss. Die Beschränkung auf ein Bild setzt das voraus. Die Kritik als solche ergibt sich automatisch daraus, dass man mit einer Zeichnung auch eine gewisse Haltung zeigt. Gerade meine Arbeit für die Süddeutsche Zeitung oder andere Zeitungen ist diesbezüglich natürlich sehr politisch.
Eigentlich kann man auch gar nicht nicht politisch sein. Auch Grenzen sehe ich jetzt bei mir nicht. Zumindest nicht in der implizierten Form der Selbstzensur. Eher vielleicht zur Qualitätssicherung, wenn man denn so will. Ich möchte Witze machen, die meinen Ansprüchen genügen. Wenn ich einen Witz kacke finde, mache ich ihn nicht.
 
Aufgefallen: einige Cartoons sind in einem etwas anderen Zeichenstil gefertigt als von dir gewohnt. Dazu in s/w. Wolltest du da mal etwas Neues ausprobieren?  

Michael Holtschulte: Oberflächlich betrachtet mag das so wirken. Es ist aber der gleiche Strich, wenn auch einfach nur ein wenig skizzenhafter und luftiger. Dieses nicht perfekte und hingeworfene wirkt direkter und brutaler. Manche Gags erfordern das meines Erachtens, dass eben auch die Zeichnung zum Ausdruck bringt, dass es etwas härter zur Sache geht. Form follows function, wie man im Produktdesign oder der Architektur sagt. Und neu ist relativ, da sich diese Herangehensweise für mich seit ein paar Jahren gerade im Zeitungsbereich durchgesetzt hat.
   
Abschließend bitte noch einige Sätze von dir zum neuen Sammelband „Nicht im Stehen!“, Cartoons fürs Klo, der von dir herausgegeben wurde…

Michael Holtschulte: Viele meiner Kollegen haben, wie ich auch, einen unglaublichen Fundus an Toilettencartoons. Der Toilettencartoon ist also aus Produzentensicht schon mal sehr beliebt. Hinzu kommt die Tatsache, dass Cartoonbücher oft auf Toiletten zu finden sind. Mancherorts findet man sogar ganze Cartoonbibliotheken vor. Ich dachte mir, dass beide Erkenntnisse zwangsläufig dazu führen, dass man ein Toilettencartoonbuch mit den besten Cartoons der besten Cartoonisten und Cartoonistinnen zusammenstellen muss. Ein Buch, das zukünftig DAS Referenzwerk fürs kleine und große Geschäft darstellt. Gedacht, getan. Buch fertig.

 

Michael, bleibt mir nur noch, dir für die Statements zu danken und dir viel Erfolg für deine Ausstellung zu wünschen!

Weitere Infos rund um die Ausstellung, die am Freitag, 3.3.17 um 19.30 Uhr eröffnet wird, gibt es hier

Und hier geht es zur Homepage „Tot aber lustig“

von Michael Hüster
Stichwörter: Michael Holtschulte

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