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18.07.2017

Splitter

H.G. Wells - Die Zeitmaschine

Splitter - H.G. Wells - Die Zeitmaschine

Der Splitter-Verlag startet mit diesem Band eine kleine Serie mit Geschichten von H.G. Wells. Wells war ein englischer Schriftsteller, und vor allem ein Pionier der Science-Fiction-Literatur. Die Zeitmaschine ist wohl eine seiner bekanntesten Erzählungen neben Krieg der Welten.

Ein Wissenschaftler im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts baut eine seltsame Maschine, mit der man angeblich in der Zeit herum reisen könne. Obwohl ihm keinerlei Glauben geschenkt wird, dass sie wirklich funktioniert, startet er einen Selbstversuch. Und so befördert ihn seine Zeitmaschine in das unvorstellbar weit in der Zukunft liegende Jahr 802701. Hier findet er eine gespaltene Bevölkerung vor: Einerseits die fröhlich kichernden und arglos in den Tag hinein lebenden Eloi. Menschen, androgyn, blond und ein wenig dödelig. Und andrerseits auf die im Untergrund hausenden Morlocks, finstere Wesen, die sich von den Eloi ernähren. Weshalb jene sich nachts auch nicht allein in die Dunkelheit trauen. Als der Zeitreisende dort ankommt, wird ihm seine Maschine entwendet und er scheint in dieser so anderen Welt nun gefangen zu sein!

H.G. Wells verband hier also die Utopie der Zeitreise mit einem Horror-Szenario, den der Texter dieser Adaption genau so interpretierte. Und tatsächlich gestaltete auch der Zeichner Mathieu Moreau diese Morlocks wie ein Abklatsch der gegenwärtig omnipräsenten Zombies oder dunklen Monstern. Natürlich und leider gehen in dieser Version auf 56 Seiten viele von den sozialkritischen Aspekten des Originals verloren. Dobbs bemerkt nur wenig davon zwischen der Handlung. Doch auch so kann man durchaus ein Verhältnis der sozialen Schichten herauslesen. Klar, der Comic setzt andere Prioritäten. Die Zeichnungen sind sehr gut, teilweise setzt Moreau ungewöhnliche und deshalb interessante extreme Perspektiven ein. Viele Details und wieder erkennbare Gesichter. Die Kolorierung ist stimmig der jeweiligen Szene angepasst. Doch zur Geschichte von H.G. Wells trägt dieser Comic kaum eine Variation des Hauptsächlichen bei. Er bietet ein Abenteuer zwischen Staunen und Erschrecken hinsichtlich der fiktiven Zukunft, in dem die Zukunft, was ihre Ausgestaltung der Welt angeht, null futuristisch aussieht, wenn man mal von ein paar eigenartigen Bauten absieht! Alles scheint ein halb verfallener Überrest des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu sein. Es gibt wenig Action und gemäßigte Spannung; aber als unterhaltend und amüsant darf man diesen Band wohlwollend schon bezeichnen.

H.G. Wells - Die Zeitmaschine
Text: Dobbs; Zeichnungen: Moreau
56 Seiten
Splitter
15,80 Euro

von Rolf Pressburger
Stichwörter: Splitter

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