News - Meldungen

08.08.2017

Aus der Sprechblase 237

Karl May und Buffalo Bill

Aus der Sprechblase 237 - Karl May und Buffalo Bill

Das Titelthema der neuen Sprechblase ist Buffalo Bill. Ein Artikel zum Thema ist der hier veröffentlichte Beitrag „Karl May und Buffalo Bill“ von Stefan Meduna und Gerhard Förster.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Förster.

Einige May-Forscher bezweifeln, dass Karl May überhaupt jemals eine der Buffalo-Bill-Shows 1890 oder 1906 besucht hat, da bislang keine wirklichen Beweise dafür überliefert sind. Auch die Angaben von Klara May werden angezweifelt, da sie wie schon ihr seliger Gatte zu maßloser Übertreibung neigte (u.a. behauptete sie, May hätte sich mit den Show-Indianern fließend in deren Stammesdialekten unterhalten). Persönlich halte ich es allerdings für wahrscheinlicher, dass May sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ, die bombastische Show und echte Indianer zu sehen. Indizien dafür gibt es einige. May bezog sich in Schriftstücken und Reden mehrmals auf Buffalo Bill, auf seine Wild-West-Show, aber auch auf die BuffaloBill-Heftromane aus dem Hause Eichler, die May und seine Verleger als direkte Konkurrenz zu Mays Indianererzählungen betrachteten (1).

1898 schilderte Karl May einem Kreise seiner Fans in München auf die Frage nach dem Verbleib seiner Westmann Gefährten, wie z.B. Sam Hawkens oder Old Firehand, dass die meisten bereits verstorben wären und Buffalo Bill an ihrem Tod schuld sei. Wie sich das genau abgespielt haben soll (Hat Bill sie persönlich umgelegt, oder sie nur durch seine Unfähigkeit als Kundschafter in tödliche Gefahr gebracht?), ist nicht überliefert.

Am 30. Oktober 1900 bat Alwin Eichler, damals noch Mitarbeiter des Münchmeyer-Verlags (in dem Mays Kolportageromane in seinen frühen Jahren erschienen waren) May um seine Mitarbeit an einem Buch über Buffalo Bill. Eichler war der Vertreter Münchmeyers in den Verlagsfilialen von Chicago und New York gewesen und hatte den Hype um Buffalo Bill und den Erfolg der Dime Novels hautnah mitbekommen. Trotz seiner oftmals geäußerten Abneigung gegen den Scout, sicherte May Eichler seine Bereitschaft zur Mitarbeit zu. Eichler musste sogar eine von May formulierte Erklärung unterschreiben: „Ich erkläre hiermit, dass ich Herrn Schriftsteller Karl May den Wunsch geäußert habe, mir eine Arbeit über ‚Buffalo Bill’ zu schreiben, und dass ich auf die ihm eigene Grundbedingung eingehe, dass diese Arbeit nach einer noch näher zu bestimmenden Zeit ihm wieder so ausschließlich gehört, dass er sie in seine ‚Gesammelten Werke’ aufnehmen kann.“ Warum tat May das, wenn er doch mit Cody nichts zu tun haben wollte? May befand sich zu dieser Zeit in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Münchmeyer um die Rechte an seinen Kolportageromanen. Wenn er in einer Geschäftsverbindung zu einem engen Mitarbeiter Münchmeyers stand, so konnte ihm das durchaus Vorteile verschiedener Art bringen. May hielt Eichler jedenfalls über Monate hin, zu der Zusammenarbeit kam es nie. Eichler jedoch gab seinen Traum von einer deutschsprachigen Veröffentlichung der Abenteuer Buffalo Bills nicht auf. 1905 erwarb er die Rechte an den Dime Novels des Helden und führte seine Ausgabe von „The Buffalo Bill Stories“ zu großem Erfolg. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

Es ist bemerkenswert, dass das Bild des Wilden Westens von Menschen geprägt wurde, die einen starken Hang zur Schaumschlägerei hatten. Bei uns war das Karl May, weltweit William F. Cody. Das soll die Verdienste der beiden Ikonen allerdings nicht schmälern. May lebte als Schriftsteller ganz in seiner Fantasiewelt und hat diese mit großer Überzeugungskraft erschaffen. Cody war weit mehr in der Realität verankert. Allein, dass er einen WildWest-Zirkus von so hoher Professionalität etablieren und zu einem gigantischen Erfolg führen konnte, zeugt von großen Fähigkeiten. – Dennoch: Wie war es möglich, dass May seinen Lesern so viele Jahre lang weismachen konnte, dass seine Geschichten wahr sind? Und warum wurde Bill Codys stark ausgeschmückte Vita nur selten in Frage gestellt? Es hat wohl mit einer enormen Sehnsucht der Menschen nach glorreichen Abenteuern voller Heldentum zu tun. Diese Sehnsucht war dem Profilierungsstreben Mays und Codys mindestens ebenbürtig. – Mays Helden und der Mythos Buffalo Bill sind das Ergebnis einer kollektiven Sehnsucht.

S.M., G.F.

(1)    siehe Karl Markus Kreis im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2004, in denen er u.a. die Einflüsse der Show von 1890 auf Mays „Old Surehand“ nachweist.

In dem Hauptartikel „Bufallo Bill – Mensch und Mythos“, ebenfalls von Stefan Meduna und Gerhard Förster verfasst, geht es sehr lesenswert um Buffalo Bill und

  • die dramatischen Jugendjahre
  • der Pony Express
  • das Eheleben
  • als Büffeljäger
  • Ned Buntline
  • die Bühne
  • die Wildwest – Show
  • eine Stadtgründung u.e.m


Weitere Inhalte siehe PPM-News SPRECHBLASE 237

von Michael Hüster
Stichwörter: Sprechblase

Mehr News zum Thema

Artikel

Die Sprechblase 237

Die Sprechblase 237

Top 5 des Monats

weitere News