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09.10.2017

Operation “Sexy Beast“: Ohne Freunde ist die Welt nur Wildnis

Gung Ho-Interview mit Benjamin von Eckartsberg

Operation “Sexy Beast“: Ohne Freunde ist die Welt nur Wildnis - Gung Ho-Interview mit Benjamin von Eckartsberg

Gung Ho, ein Genre-Mischling aus Teenager-Drama und Action-Survival-Story ist nach „Goethe Band 2“ und der Adaption es Beginns von Wolfgang Hohlbeins „Die Chronik der Unsterblichen“ die dritte Koproduktion von Thomas von Kummant/Benjamin von Eckartsberg, die für ihr Comicschaffen im In- und Ausland bereits mehrfach ausgezeichnet wurden.

Das Kernthema von GUNG HO ist das Erwachsenwerden in einer Gesellschaft, deren Regeln man nicht mitentwickelt hat. Es kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden muss, ob man diese Regeln mitträgt und befolgt oder ob man dagegen rebelliert. Es geht um die destruktiven Kräfte der Jugend, aber auch um ihr Potenzial zur Erneuerung der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist in GUNG HO die kleine Siedlung Fort Apache in der Gefahrenzone. Das Ganze ist in das Gewand des Endzeit / Survival-Genres gekleidet, hauptsächlich erzählt aus der Perspektive der Teenager. Es ist aber definitiv keine Kindergeschichte. Eher für Teenager und Erwachsene.

In Band 3 von Gung Ho ist es endlich so weit: Die Jugendlichen von Fort Apache bekommen, da sie nun alt genug dafür sind, ihre Waffen und dürfen die Festung nun auch ohne Erwachsene verlassen. Doch während eines Ausflugs an einen Badesee erfolgt ein Angriff der wilden Reißer. Pauline, eine der Ausflügler, greift beherzt zur Waffe und kann die weißen Viecher in die Flucht schlagen, so dass sich die Jugendlichen in Sicherheit bringen können. Archer kassiert jedoch einen Anschiss, weil er auf einem nahen Turm Wache halten und die Jugendlichen im Auge behalten sollte. Stattdessen spielt er lieber Gitarre und kann daher nicht rechtzeitig eingreifen. Wenig später erwischt er auch noch Celine, wie sie sich für Bagster prostituiert, der ihr dafür Pillen für ihre Tablettensucht verschafft.

Nun ist Bagster aber eine sehr bedeutende Persönlichkeit für das Camp. Als Archer ihn bei der Campleitung anzeigt, rechnet er nicht damit, dass er dabei den Kürzeren ziehen wird. Und das mit fatalen Folgen: Celine und Bagster halten zusammen und machen Falschaussagen, so dass nun Archer als Vergewaltiger und Dealer dasteht.

Als Folge der Ereignisse wird er aus dem Camp ausgeschlossen und zum Outlaw, den keine Siedlung mehr aufnehmen darf. Praktisch ist das sein Todesurteil!

Doch es zeigt sich, dass es wichtig ist, dass man Freunde hat. Archers Bruder Zack und seine Clique machen sich auf, um Archer zu suchen. Der Weg aus dem Camp gelingt der Truppe unentdeckt durch einen geheimen Minenschacht …

PPM fragte bei Szenarist Benjamin von Eckartsberg nach.

PPM: Hallo Benjamin, nun ist mit Band 3 mehr als die Hälfte der Story erschienen. Wie ist dein Zwischenfazit?

BvE: Die Resonanz ist vor allem in Frankreich sehr gut, wir haben diverse Preise erhalten und die Verkäufe sind auch zufriedenstellend. Wir haben uns eine stabile Fanbase erarbeitet, aber es könnten noch viel mehr Leser die Serie entdecken. Wir denken, dass Gung Ho sein Potential noch nicht ausgeschöpft hat.

PPM: Ist das Publikum/die Käuferschaft auf Messen eher gemischt oder tendiert das altersmäßig in eine bestimmte Richtung?

BvE: Schon gemischt, sowohl geschlechts- als auch altersspezifisch, aber mit einem deutlichen Überhang des männlichen weißen Lesers 30+.

PPM: Ist Gung Ho in Sachen Verkäufe im Inland oder im Ausland erfolgreicher?

BvE: Im Ausland. Um ein Vielfaches.

PPM: Es stehen noch zwei abschließende Bände ins Haus. Da gibt es für Thomas noch reichlich Arbeit. Gibt es im Laufe der Publikationen noch das eine oder das andere, was es für ihn zu verändern gibt oder bleibt das Styling durchgehend unverändert?

BvE: Der Stil ist etabliert und wird bis zum Ende auch beibehalten.

PPM: Kommen noch Figuren in Band 4 und 5 hinzu?

BvE: Es kommen noch Figuren dazu, aber das Hauptpersonal ist bereits etabliert.

PPM: Wie entstand die Optik der Reißer?

BvE: Ich habe die Reißer als eine Mischung aus Affen, Raubkatzen und Bären in unterschiedlichen Größen konzipiert und Thomy hat diese Vorgabe dann auf seine Art umgesetzt. Als verbindendes Element der verschieden Subarten haben wir uns für das weiße Fell entschieden. Eine Inspiration für die Jagdtaktik der Reißer war für mich eine Naturdoku über Affen, die ich mal vor langer Zeit gesehen habe.

PPM: War das Konzept mit so umfangreichen Büchern im Nachhinein die richtige Wahl oder wäre es finanziell mit 48 Seiten-Alben für euch besser ausgegangen?

BvE: Das ist schwer zu sagen. Rein finanziell scheint es besser, die 400 Seiten Geschichte in zehn Bücher zu teilen und zu verkaufen als in 5 Büchern, da ein 80 Seiten Buch nicht doppelt so teuer ist wie ein 48 Seiten Buch. Einen schnelleren Veröffentlichungsrythmus hätte man auch. Aber künstlerisch fühlen wir uns mit dem 5 Bücher à 80-Seiten-Konzept sehr wohl, da es einen anderen Erzählrythmus erlaubt. Ich persönlich finde den 46 Seiten-Rahmen sehr eng, vor allem wenn man viele Figuren erzählen will.

PPM: Hättet ihr für ein Spin-Off oder eine Gung Ho-Fortsetzung schon Ideen in der Schublade?

BvE: Mir wurde das schon vom Verlag Paquet vorgeschlagen, aber ich habe mich damit noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. Mal sehen.

PPM: Oder alternativ Ideen für einen völlig neuen Stoff?  Ggf. in welche Richtung?

BvE: Ich habe schon Ideen für neue Stoffe, aber die tägliche Arbeit als Illustrator lässt mir wenig Zeit, daran zu arbeiten. Aber da kommt bestimmt noch was. Diesen November erscheint in Frankreich, USA und England ein 62-Seiten Album von mir und Chaiko (Zeichner von Chronik der Unsterblichen 3-6), dass ich letzten November geschrieben habe. Eine Adaption von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“. Das ist eine Auftragsarbeit von unserem Schweizer Verlag Paquet, der verschiedene Agatha Christie-Adaptionen von verschieden Teams herausbringen wird. Das hängt zwar nicht direkt mit der neuen Orient Express-Verfilmung von Kenneth Branagh zusammen, die im November in die Kinos kommt, aber die Verlage erhoffen sich natürlich einen Synergie-Effekt.
 
PPM: Woran arbeitest du selbst zurzeit?
 
BvE: An diversen Illustrationsaufträgen, Filmprojekte etc. Am erwähnenswertesten ist vielleicht, dass ich diesen Sommer Concept Art und Character-Design für ein neues Pixar-Projekt beigesteuert habe, dass sich noch in einer ganz frühen Anfangsphase befindet. Das war sehr aufregend und hat unglaublichen Spaß gemacht.

PPM: Benjamin, vielen Dank für die Infos und weiterhin viel Erfolg mit Gung Ho! Hoffentlich entdecken noch viel mehr Comicleser eure GUNG HO-Story, vor allem in Deutschland!

Gung Ho erscheint in Deutschland bei Cross Cult. Die Vorzugsausgabe enthält, neben dem kompletten Comic, einen dicken Bonusteil u.a. mit diversen Characterdesigns, Locationdesigns, eine Galerie mit Gastzeichnungen von z.B. Enrico Marini und Felix Meynet und ein Interview mit Benjamin von Eckartsberg. Als Zugabe liegt dem Band ein Poster mit Gung Ho – Motiv (Archer mit Motorrad/Reißer) bei.

Leseprobe Band 3

Gung Ho - Trailer bei YouTube


Gung Ho bei PPM

von Michael Hüster
Stichwörter: Cross Cult

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