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04.12.2017

Cross Cult

Archangel

Cross Cult - Archangel

Die Handlung dieses Comics wechselt zwischen zwei Zeitebenen: Kriegsjahr 1945, Handlungsort Berlin. Gegenwart 2016, USA, Quantum-Transfereinrichtung in Montana.

Eine Mission misslingt, indem ein Flugzeug in den Luftraum des Berlins 1945 transferiert (teleportiert) wird und mit anderen Fliegern  kollidiert. Ein Pilot überlebt, wird gefangen gehalten und verhört. Er erzählt eine für die Ohren der Verbündeten der damaligen Zeit, USA, England und Russland, abstruse Geschichte. Dass er aus der Zukunft sei und eine Massenvernichtung verhindern wolle; das gleiche Schicksal wie Hiroshima, auf das die erste Atombombe niederging, soll nämlich nach Plänen eines amerikanischen Vize-Präsidenten der russischen Stadt Archangelsk widerfahren. Es gibt zudem mehrere Kopien der Realität in dieser Geschichte, die mit dem sogenannten „Splitter“ erschaffen werden können. Der gefangene amerikanische Soldat in aus der Zukunft hält mittels zweier Roboterfliegen Kontakt zu seiner Heimatbasis in Montana und erhält so Hilfe zur Flucht. Dabei trifft er die britische Agentin Greves, die zuvor schon eine Ahnung seiner Herkunft hatte, denn Bruchstücke aus seinem Flugzeug sind aus einem Kunststoff, den es im Jahr 1945 noch nicht gibt. Obskurer weise glaubt sie seinen Behauptungen - natürlich entgegen anderen Meinungen, dass das ja wohl absurd sei. Als er sich mit seinem am Handgelenk angebrachten „Teleportations-Uhr“ aus dem Staub machen will, klinkt sie sich kurzerhand mit ein, und wird danach ungläubige Zeugin eines unfassbaren Vorgangs.Wirklich überraschend ist das letzte Panel, in dem ganz Aktuelles angedeutet wird!

Mit diesen Grundelementen wird eine actionreiche Story aufgebaut, die zu Anfang recht komplex und durch die Szenen- und Zeitsprünge in der Erzählung einigermaßen kompliziert zu lesen ist. Doch sie gibt eine weitere Variante der utopischen Zeitreisen ab. Scheinbar ausgelutschte Facetten der Eingriffe in die Vergangenheit, um die Gegenwart erträglicher zu machen, bzw. zu retten, werden hier zwar nicht wirklich sensationell innovativ erzählt, aber die Mischung aus Agenten-Thriller und Science Fiction ist auf jeden Fall spannend. Obwohl mehr aus der Idee des Splitters herausgeholt hätte werden können; so wird das Finale eben doch nur wieder mal mit viel Getöse dargestellt und die Story endet ein wenig abrupt. Die Farben sind düster dystopisch. Die Zeichnungen sind von mehreren Künstlern angefertigt worden, und ein Unterschied ist vor allem nach dem ersten Kapitel erkennbar. Danach werden die Seiten ein wenig wilder im Strich, wobei sie aber immer noch sehr gut und zum Genre passend sind. Ich finde nur, das Cover hätte eine andere Graphik verdient. Die stilisierte Atombombe ist zwar noch im Fallen, doch darunter explodiert's schon ...(?)  Mehrere Seiten Skizzen und Titelbilder der amerikanischen Heftversionen runden diesen Comic ab.

Archangel

Text: William Gibson, Zeichnungen: insgesamt 5 diverse
128 Seiten
Cross Cult
22,00 Euro

von Rolf Pressburger
Stichwörter: Cross Cult

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