News - Meldungen

18.12.2017

James Bond – Collection bei Splitter

Im Gespräch mit Black Box-Autor Benjamin Percy

James Bond – Collection bei Splitter - Im Gespräch mit Black Box-Autor Benjamin Percy

»Black Box« ist schon die vierte Comic-Mission des besten Agenten des MI6. Das Kreativteam Benjamin Percy und Rapha Lobosco lassen sich mehr als ihre Vorgänger vom Bond der Kinoleinwand inspirieren, bleiben dabei einer aber actionreichen Comic-Ästhetik treu.

Fangen wir doch damit an, was Ian Flemings James Bond für Sie bedeutet. Wie sehen Sie die Figur und ihre Wirkung in literarischer und kultureller Hinsicht? Und wie sieht Ihr Beitrag zu Flemings Vermächtnis aus?

Benjamin Percy: James Bond ist eine der coolsten und aufregendsten Figuren der Literatur- und Filmgeschichte. Jeder wäre gern an seiner Stelle – oder würde gern mit ihm ins Bett steigen – aus ganz offensichtlichen Gründen. Er ist die Selbstsicherheit in Person und stets makellos gekleidet, er sagt das Richtige und tut das Richtige, ganz egal, ob er in der Oper eine Frau umgarnt, aus einem Flugzeug springt oder in einem silbernen Aston Martin eine Küstenstraße entlang rast.

Aber Bond hat auch eine andere Seite, und die macht uns Angst und wirft allerlei Fragen auf. Bond ist cool, sicher – aber er ist auch kalt, manchmal grausam. Er ist unnahbar und unbegreiflich. Ja, er ist der Mann im Smoking, der an der Riviera einen Longdrink nimmt, aber er ist auch der Mann, der durchs Zielfernrohr eines Scharfschützengewehrs blickt oder eine erdrosselte Leiche in einer Seitenstraße achtlos liegen lässt.

Es gibt kaum einen schöneren Auftakt als den ersten Satz in Flemings Goldfinger: »James Bond hatte zwei doppelte Bourbon getrunken, saß in der Abflughalle des Flughafens von Miami und dachte über Leben und Tod nach.« Das ist die Momentaufnahme eines ruhelosen, gequälten Mannes. Hinter der romantischen, weltmännischen Fassade verbirgt sich ein stumpfes, blutiges Instrument.

Wie sieht Ihre persönliche Geschichte mit Bond aus?

Benjamin Percy: Ich wuchs mit ihm auf. Als ich ein Kind war, sah ich mir gemeinsam mit meinem Vater immer wieder die Bond-Wiederholungen im Fernsehen an. In der Highschool machte ich einen Berufseignungstest und gab »Spion« als Berufswunsch an. Im College nahm ich an einem Seminar über Spionageromane teil und verliebte mich in Flemings Bücher. Der erste Drink, den ich bestellte, war ein Wodka Martini – geschüttelt, nicht gerührt –, obwohl ich mich heutzutage an die Romane halte und Bourbon bevorzuge. Und im vergangenen Jahr habe ich voller Bewunderung und Eifersucht die Geschichten von Warren Ellis gelesen. Bond ist tief in mir verwurzelt, er ist eine Figur, die mein Leben und mein Gefühl für Geschichten entscheidend geprägt hat. Daher bin ich überglücklich, etwas zum 007-Kanon beitragen zu können.

Nehmen wir mal Ihre »Black Box«-Story. Wenn Sie eine Stichpunktliste mit den essentiellen Elementen einer Bond-Geschichte hätten, was könnten sie davon abhaken?

Benjamin Percy: Die Leser erwarten exotische Schauplätze, raffinierte Gadgets, schillernde Schurkenpersönlichkeiten, gefährliche Frauen, clevere Dialoge und spektakuläre Actionszenen. Das ist alles dabei, und zwar nicht zu knapp. Jeder Bond-Roman und -Film hat mich überwältigt, mich in einen Rausch versetzt. Und ich werde alles dafür tun, dass meine Leser dasselbe erleben.

Wie läuft der kreative Prozess beim Schreiben von James Bond ab? Was tun Sie, um in die richtige Stimmung für einen Spionagethriller zu kommen?

Benjamin Percy: Ich weiß, das klingt jetzt abgedroschen, aber ich höre mir das Bond-Thema an. Wenn mir dann die Erinnerungen an die vielen hundert Stunden mit Bond durch den Kopf gehen, verbracht mit dem hastigen Lesen der Bücher oder gespannt vorgebeugt in einem dunklen Kino, strafft sich meine Körperhaltung, meine Augen verengen sich und ich bekomme eine Gänsehaut.

Aber ich bin ein Autor, der immer arbeitet, ich bin rund um die Uhr im Dienst, und daher ist Bond immer präsent. Ob ich einen Waldspaziergang unternehme, einkaufe oder im Flugzeug sitze, man wird mich dabei erwischen, wie ich eine Idee für ein cooles Gadget notiere, für eine Actionsequenz oder einen Dialog.

Aber darüber hinaus stelle ich mir stets die gleiche Frage: Wie kann ich meine Leser unterhalten? Ich drehe auf jeder Seite die Lautstärke ein wenig höher, verschärfe das Risiko undweite das Spektakel aus, denn die Chance, über meinen Lieblingshelden zu schreiben, werde ich auf keinen Fall versauen.

Was würden Sie sagen, um einen neuen Leser davon zu überzeugen, dass er »James Bond: Black Box« kaufen sollte?

Benjamin Percy: Ich schreibe »Green Arrow« und »Teen Titans« für DC Comics und im Verlauf des »Rebirth«-Eventshatte ich bereits mit dem Vermächtnis klassischer Figuren zu tun. Trotzdem habe ich mein eigenes Ding gemacht. An James Bond gehe ich genauso heran. Ich kenne und respektiere die Geschichte von 007, aber ich freue mich auch darauf, ihr einen eigenen Stempel aufzudrücken. Dazu gehört zum Beispiel auch die Beschäftigung mit kulturbedingten Ängsten, etwa die Unsicherheit in unserem digitalen Zeitalter. Die Zeichnungen sind unglaublich filmisch und erinnern mich stark an die von Eduardo Risso (100 Bullets). Am Ende des ersten Kapitels haben Sie einen beschleunigten Puls und ein breites Grinsen im Gesicht. Da bin ich mir ganz sicher.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Splitter Verlags.

James Bond Comics bei PPM

von Michael Hüster
Stichwörter: Splitter, James Bond

Artikel

James Bond 007 Band 5 (Splitter)

James Bond 007 Band 5 (Splitter)

James Bond 007 Band 5 VZA (Splitter)

James Bond 007 Band 5 VZA (Splitter)

Top 5 des Monats

weitere News