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21.08.2019

Sammelband 1 bietet gleich fünf Abenteuer mit der taffen Heldin

Van Hamme – Serie Lady S. jetzt als Gesamtausgabe beim All Verlag

Sammelband 1 bietet gleich fünf Abenteuer mit der taffen Heldin - Van Hamme – Serie Lady S. jetzt als Gesamtausgabe beim All Verlag

Er ist DER franko-belgische Comic-Autor schlechthin: Jean van Hamme. Die Comics, zu denen er die Szenarien verfasst, verkaufen sich im franko-belgischen Raum überdurchschnittlich gut.

Der Name van Hamme ist ein Garant für Bestseller, und so gingen von Block-Buster-Comic-Serien wie XIII, Largo Winch, Blake & Mortimer oder Thorgal, an denen er beteiligt ist bzw. war, jeweils mehrere Hunderttausend Comics über die Ladentische.  

Mit Lady S. hat er einen weiteren hochkarätigen Thriller entwickelt, mit dem der Szenarist es erneut schafft, die Leser in seinen Bann zu ziehen. Dafür sorgt eine sehr spannende und vielschichtige Storyline. Zeichner Philippe Aymond überzeugt mit einem klaren realistischen Zeichenstil. Die teilweise knallige Kolorierung mit satten grünen, gelben, roten und blauen Tönen erinnert an Largo Winch. Dieses ändert sich aber im Verlaufe der Geschichte und Aymond findet mehr zu gedeckten ruhigeren Farbtönen, die dem Szenario entsprechen.

Eine weibliche Heldin ist in der Comic-Welt von van Hamme eher selten. Zu den Leading-Characters gehörten die Damen z. B. in dessen Serie „Hopfen und Malz“. Es ist daher sehr interessant nachzulesen, wie Philippe Aymond den Prozess der Entstehung der Hauptfigur Suzan/Shania in der Luxusedition von Lady S 1 schildert: „Suzan/Shania war schon eine Herausforderung. Man sieht sie im Alter von zwölf, vierzehn, sechzehn und fünfundzwanzig Jahren, und ich musste einen Anhaltspunkt haben. Ich hatte keine bestimmte Figur vor Augen. Ich habe sie komplett um ihr Muttermal herum konstruiert.
Doch der physische Aspekt ist nicht alles. Solange er nicht auf den Seiten ist oder sich im Szenario fortentwickelt, existiert ein Charakter nicht. Ich denke, für einen männlichen Zeichner besteht die Schwierigkeit, eine Heldin zum Leben zu erwecken, darin, dass er gegen das unbewusste, instinktive Zeichnen und seinen männlichen Teil kämpfen muss. Ich bin gegenüber Suzans Haltung immer auf der Hut, um zu vermeiden, dass sie zu einem Kerl mit Perücke und hohen Absätzen wird.“

Suzan ist nicht nur optisch sehr attraktiv, sondern auch intelligent, aber auch gerissen und berechnend. In einigen Szenen lässt sie einen gewissen Humor aufblitzen. Soweit möglich, ist sie loyal. Ob in Actionszenen oder auf Empfängen: sie macht in jeder Situation eine gute Figur.

Wie alles begann: Bei einem Empfang in Brüssel bekommt Suzan Fitzroy, Adoptivtochter und Mitarbeiterin des US Botschafters James Fitzroy, einen Zettel von Antie, den sie eigentlich seit vielen Jahren für tot hielt. In mehreren Rückblenden erinnert sie sich an die Zeit in der untergehenden UDSSR und ihre erste Begegnung in Belomorsk. Dort sollen ihre Eltern, jüdische Intellektuelle, durch alte Politschergen verhaftet werden. Im folgenden Durcheinander, in dem Suzans Mutter getötet wird, gelingt ihr die Flucht mit Hilfe eben dieses Antie. Sie konnte dank seiner Hilfe damals nicht nur den Killern entkommen, sondern auch überleben.

Van Hamme konstruiert die Geschichte geschickt. Die Zeitebenen werden immer wieder gewechselt, teilweise auch versetzt angeordnet. Nach und nach werden die Hauptfiguren eingeführt und es wird geschildert, wie Shania Riwkas alias Suzan eines Tages Familie Fitzroy kennen gelernt hat und schließlich vom kinderlosen Ehepaar adoptiert wurde. Dabei wird auch Suzans Vergangenheit nach und nach aufgearbeitet, die von Kriminalität geprägt ist.
 
Diese dunklen Schatten ihrer Vergangenheit holen sie durch das Wiedersehen mit Antie gnadenlos ein, denn Antie ist in der Hand eines geheimnisvollen Fremden mit dem Decknamen ORION, der alles über Suzan weiß und sie damit konfrontiert. Er erwartet für seine Diskretion, dass Suzan ihrem alten Weggefährten Einlass in das Büro des türkischen Botschafters verschafft, um an eine geheime Akte mit hochbrisantem Inhalt zu kommen…

Lady S ist eine faszinierende Geschichte aus der Welt der hohen Politik, der Geheimdienste, der Kriminalität und der Welt der Superreichen. Eine Story mit hohem Unterhaltungswert.

Jean van Hamme zeigt auch mit Lady S., dass er mitreißende Storys schreiben kann. Philippe Aymond sorgt mit grafisch sehr schönen Panels und dynamisch dargestellt Actionszenen für optische Highlights.

Der erste Sammelband vom All Verlag enthält folgende Abenteuer:
 

  • Nasdrowje, Shaniuschka!
  • Auf dein Wohl, Suzie
  • 59 Grad nördlicher Breite
  • Falsches Spiel
  • Ein Maulwurf in Washington


Zusätzlich enthält die erste Gesamtausgabe noch einen 10seitigen Sekundärteil.

LADY S - Zeichner Philippe Aymond (Jahrgang 1968) studierte nach dem Abschluss seiner Schulzeit zunächst von 1985 bis 1989 an der Pariser Universität Saint-Charles Bildende Künste. Er stand kurz vor seinem Kunstlehrerexamen, als er ein Angebot von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin bekam, in deren Studio mit Labiano und Capelle an der Comic-Serie “Canal Choc” zu arbeiten. Das war die lange erhoffte Chance für Philippe, seinen Kindheitstraum in die Realität umzusetzen. Es folgten diverse Arbeiten für Serien und One-Shots wie Canal Choc, L’homme qui fait le tour du monde, Les 4x4, Les Voleurs de ville, A.D. Grand-Rivière und ApocalypseMania. 2003 erhielt er dann von Dupuis das Angebot, mit Jean van Hamme an dessen neuer Serie LADY S zu arbeiten.

Ein Kurzinterview mit dem Zeichner Philippe Aymond:

PPM: Wann bist du erstmals in deinem Leben mit Comics in Kontakt gekommen?

P. Aymond: Eigentlich lese ich Comics schon seit meinem vierten/fünften Lebensjahr. Ich habe mir immer zunächst die Zeichnungen angesehen, bevor ich den Text in den Sprechblasen gelesen habe. Den allerersten Comic, den ich jemals gelesen habe, hatten mir meine Eltern gekauft: ein “Mickey Mouse” – Heft. Ich lernte also zunächst die berühmten Disney-Charaktere kennen. Es folgten Flash Gordon (von Dan Barry), Mandrake und viele andere Comic-Storys.

Im Alter von sechs Jahren entdeckte ich die Tintin-Abenteuer von Hergé und das Tintin-Magazin mit vielen sehr schönen Geschichten. Und ich liebte die Greg-Serien, insbesondere Comanche, Bruno Brazil und Luc Orient. Und einige der damals neuen Serien wie Thorgal und Arlequin von einem jungen Szenaristen namens Jean van Hamme.

Hermann und natürlich auch Jean Giraud (mit Blueberry) waren meine zwei Lieblingszeichner während meiner Teenagerzeit. Ich habe versucht wie Giraud zu zeichnen. Was für ein Ansinnen! Ich hatte ja gar keine Ahnung, was ich mir da vorgenommen hatte!

Dann entdeckte ich Milton Caniff und sein eher einfacheres Artwork in klarem s/w in Comics wie „Terry and the pirates“ und „Steve Canyon“. Heute denke ich weiterhin, dass er einer der Besten war, weil er viele Qualitäten bzw. Eigenschaften in seinem Werk wie Effizienz, Sorgfalt, Schlichtheit, Schönheit und Sinnlichkeit vereinigte.

PPM: 2003 bekamst du das Angebot, der Zeichner von “Lady S” zu werden. Welche Erinnerungen hast du an den Beginn der Tätigkeit? Wo hast du Jean van Hamme zuerst getroffen?

P. Aymond: Alles begann mit einem Telefonanruf von Sébastien Gnaedig, der bei Dupuis arbeitete. Er sagte mir, dass Jean van Hamme einen Zeichner für eine neue Serie sucht. Das war für mich zunächst sehr überraschend und so konnte ich es kaum glauben. Ich hatte in der Presse Interviews mit ihm gelesen, in denen er zum Ausdruck brachte, dass er keine neuen Serien mehr machen will. Ich erhielt das Story-Konzept und fand es sehr gut. Ich zeichnete zwei Seiten und zeigte sie Jean mit der Frage nach möglichen Änderungen. Er rief mich an und sagte: Okay, du hast den Job!

Danach trafen wir uns in seinem Haus in Brüssel. Ich war ein wenig nervös bei unserem ersten Treffen, denn der Mann ist ja eine lebende Legende und ich habe eine Menge Hochachtung vor seinem Werk. Und so rechnete ich eigentlich mit einem eher distanzierten Typen. Doch ich traf auf einen sehr umgänglichen und freundlichen Mann, der es einfach liebt, an Comic-Alben zu arbeiten und Geschichten zu erfinden.

PPM: Wie bist du bei der Dokumentation der Welt von Lady S. vorgegangen: Russland, die hohe Politik, das Leben der Reichen und Schönen, das Leben der Heldin als „Tochter“ eines US-Botschafters, das Leben als Agentin…?

P. Aymond: Die Welt der Reichen darzustellen war für mich nicht schwer, denn als Lady S. – Zeichner gehöre ich jetzt zu den reichsten Männern der Welt (lacht). Nein, das war natürlich nur ein Scherz. Ich habe mir jede Woche ein französisches Magazin mit dem Titel „Point de vue“ gekauft, und ein weiteres mit dem Titel „Royals“, wo ich reichlich Artikel und Fotos über die Themen Politik, Glamour, Royals und das Society-Leben fand.

Lady S Gesamtausgabe 1
Text: van Hamme
Zeichnungen: Aymond
All Verlag

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von Michael Hüster
Stichwörter: All Verlag

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