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30.08.2019

Splitter

Die Fahrten des Odysseus

Die Fahrten des Odysseus

Lepage und Sophie Michel schrieben diese an den Klassiker einer Reiseerzählung schlechthin angelehnte Graphic Novel.

Die beeindruckende Graphik dazu gestalteten Lepage und René Follet. Diese drei Künstler schufen einen Roman in Bildern, der die Geschichten von zwei Protagonisten miteinander verwebt.
Der mäßig bekannte und erfolgreiche Kunstmaler Julius trauert seiner verlorenen Liebe nach und bewahrt ihr Bildnis, das er einst von ihr malte, wehmütig auf. In einer Regennacht wird er von der jungen Kapitänin Salome auf ihr Schiff aufgenommen. Als Gegenleistung verlangt sie ein gemaltes Bild pro Woche. Sie ist ihrerseits auf der Suche nach jemandem. Mit ihrem Schiff „Odysseus“ beginnen sie die Reise und kommen sich schrittweise näher. Es ist ein Fahrt in geheimnisvolle Gegenden, Offenbarungen, und mythologisch anmutenden Sequenzen. Sie besuchen Personen, von denen sie sich Hinweise auf ihr Anliegen erhoffen. Und das Ende dieser Suche hält tatsächlich eine große Überraschung parat!

Die beiden Hauptfiguren sind wie zufällig zusammen gekommen und vor allem Salome hat zunächst wenig Interesse an einer näheren Freundschaft. Sie sieht Julius als Mittel zum Zweck, denn die von ihr geforderten Gemälde von ihm sollen eine Tauschfunktion erfüllen. Trotzdem beginnt sie von sich zu erzählen, von ihrer glücklichen Kindheit und ihren weniger glücklichen Erfahrungen als Halbwüchsige. Diese Erzählungen werden mitunter durch Assoziationen aus der Odysseus betreffenden griechischen Mythologie unterbrochen, ergänzt und mit Metaphern bereichert. Dazu verwenden die Künstler wuchtige „Ölschinken“, grandiose Gemälde voller Dynamik und Dramaturgie, sowie Textausschnitte von Homers Schilderungen der Irrfahrten. Die Zeichnungen der primären Handlung sind somit gut davon abgegrenzt. Sie sind in beiden Fällen einfach toll und bieten einen hohen Schauwert. Natürlich spielt sich etliches auf dem Meer ab, an Stränden und Häfen und das ist somit auch in dementsprechenden Hintergründen dargestellt.

Die Story ist eher eine Art Lebensgeschichte von Salome, in der sie sich emanzipiert, denn diese Erinnerungen nehmen den Hauptteil der insgesamt 220 Seiten Geschichte ein. Sie ist sehr gut erzählt, hat poetische Züge, leichtherzigen Humor, schwermütige Tragik und eine gewisse Melancholie. Im Anhang sind noch etliche Entwürfe und großformatige Gemälde mit dabei. Ein toller Comic, eine Graphic Novel, die diese Bezeichnung ohne Abstriche verdient!

Die Fahrten des Odysseus

Text: Emmanuel Lepage, Sophie Michel, Zeichnungen: Lepage, René Follet
272 Seiten
Splitter
39,80 Euro

Autor: Rolf Pressburger