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08.11.2019

Splitter

Kivu

Kivu

Jean Van Hamme ist einer der meistgelesenen franco-belgischen Comicautoren. Seine Serien, die er mit verschieden Künstlern kreierte, umfassen vor allem spannende Abenteuergeschichten und Thriller.

Ebenso als Meister der Comics gilt der Zeichner Christophe Simon. Die beiden kredenzen hier einen Thriller mit realen politischen Hintergründen.
Der junge Ingenieur Françoise Daans erhält einen Auftrag seines Arbeitgebers, den er im Kongo auszuführen hat. Sein Vertrauensmann dort ist Peter de Bruyne, ein zunächst sympathisch erscheinende älterer Herr, der ihn nach der Landung in Bukavu in sein Hotel fährt. Unterwegs fahren sie ein schwarzes Mädchen an, das in zerlumpter Kleidung umherirrt. Daans lässt die Kleine in eine Krankenstation bringen, wo sie behandelt wird. Später wohnt sie bei im im Hotel. Es gibt ein Geheimnis um sie, das ist ihm klar. Im Laufe der nächsten Tage erfährt er zum ersten Mal von den üblen Machenschaften seiner Firma, die im blutigen Geschäft von seltenen Erden mitmischt. Da möchte der moralisch integre Ingenieur nicht mit dabei sein und kündigt an Ort und Stelle. Doch als Mitwisser ist er jetzt in Gefahr, denn die Öffentlichkeit soll natürlich nichts von den damit verbundenen Verbrechen erfahren! Ist der örtliche Polizeichef tatsächlich eine Hilfe?

Die Graphik ist bestechend realistisch! Die Darstellungen auch von Hintergründen äußerst konkret. Sehr gut zur Geltung kommen die kunterbunten Kleidungen der schwarzen Bevölkerung, die technischen Details von Fahr- und Flugzeugen sowie von Stadtansichten und Inneneinrichtungen. Große Klasse!
Als Aufhänger für kriminelles Gebaren von Konzernen und ihren grausamen Handlangern in Kongo um die begehrten Erze erschuf Van Hamme eine Abenteuergeschichte in exotischer Umgebung, Ausgangspunkt ist die Ermordung eines unmenschlichen Soldaten, der eine ganze Bewohnerschaft von Dörfern vernichten lässt. Er zeigt dem Leser ausführliche Hintergrundinformationen auf, die er in die Handlung einfließen lässt. Zudem lässt er real existierende Personen, die für ihren Einsatz vor Ort im Westen geehrt wurden, in der Geschichte ihre Arbeit tun. So entstand ein spannendes Abenteuer mit kritischen Zwischentönen, die vor allem dem Raubbau und der Gier von globalen Unternehmen gelten. Unabhängig davon ist es durchdacht und sehr abwechslungsreich dargestellt. Hier einerseits eine unschuldige, einfache und arme Bevölkerung, die mit Terror und Gewalt von skrupellosen Führern unterdrückt wird. Dort die westliche Industrie, die nur Profit im Sinn hat und auf die Gier der Führer setzt, mit denen sie „Geschäfte“ macht. Es ist auch eine Geschichte von Zivilcourage und Menschlichkeit, die sich unbeirrt darum kümmert, das Leid zu mindern oder vor den unmoralischen Praktiken der Mächtigen nicht die Augen zu verschließen, sich nicht korrumpieren zu lassen.
Ein Comic, der im Gedächtnis hängen bleibt, ein Thriller in exotischer Umgebung und mit einem sympathischen Angestellten, der nicht alles unreflektiert für doppeltes Gehalt tut, ein Comic mit versteckter Botschaft an die westlichen Verbraucher, ohne den moralischen Zeigefinger in den Vordergrund zu stellen.

Kivu
Text: Jean Van Hamme, Zeichnungen: Christophe Simon
72 Seiten
Splitter
18,00 Euro

Autor: Rolf Pressburger

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