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27.03.2020

StainlessArt

Kaspar Hauser – Im Auge des Sturms

Kaspar Hauser – Im Auge des Sturms

Die einzigen Worte, die dieser Jüngling zunächst herausbrachte, sind „Ich weiß nicht ...“ Er kam mit einem Briefumschlag zu Rittmeister von Wesenich in Nürnberg.

Später stellte sich noch heraus, dass er Reiter werden wolle, wie sein Vater, und dass er schreiben kann. Wer ist dieser junge Mann, der mit Kaspar Hauser seine Unterschrift tätigt und wohl aus gutem Hause stammt, fragte man sich.
Nachdem der eigenartige und zurückhaltend auftretende Sonderling eine Zeit lang in einem Stadtturm Unterkunft bekam und er täglich von Schaulustigen begutachtet und verspottet wurde, brachte man ihn in die Obhut eines alten, kränklichen Lehrers. Hier blühte das Findelkind ein wenig auf! Doch es verfolgten ihn noch alte Dämonen, schreckliche Erfahrungen und Ängste, sowie auch alte Feinde!
Drei belgische Comic-Schaffende, der Texter ist zudem Drehbuchautor, nahmen sich diese Geschichte vor, die vor allem in Deutschland zur bekannten Literatur gehören. In einer freien Adaption zeigen sie die Rätsel, die Vermutungen und das kurze Leben des Kaspar Hauser. Es ist ein Story zwischen Drama, Krimi und Biographie. Es werden dabei auch psychologische, humanistische und philosophische Gedanken angerissen, die so eine Geschichte natürlich unweigerlich implizieren. Am Rande sind gesellschaftliche und religiöse Momentaufnahmen jener Epoche der Biedermeierzeit locker mit eingewoben.
Die Bilder erscheinen auf den ersten Blick äußerst einfach dargestellt. Mit grobem Strich und sehr viel schwarzer Farbe charakterisieren sie das Geheimnisvolle, die im Dunkeln liegenden und nicht vollkommen aufgeklärten Hintergründe. Doch die Graphik passt sehr gut zu dieser Art von Erzählung: düster, melancholisch und unterschwellig bedrohlich.
Dieser Band ist keine konkrete historische Geschichtsschreibung. Denn zum einen ist dieser Fall auch heute noch recht vage dokumentiert und interpretiert, und zum anderen ist er sehr komprimiert auf den üblichen Umfang eines Comics beschränkt. Doch er ist interessant und spannend erzählt, ohne zu sehr auf Fiktives zurückzugreifen. Und als Adaption als „Bildergeschichte“ auch eine Premiere!
Im Bonusteil erfährt der Leser mehr über die Historie und über die Motivationen der Künstler.


Kaspar Hauser – Im Auge des Sturms

Text: Verhast, Zeichnungen: Proost u. Riva
64 Seiten
stainlessArt
24,00 Euro

Autor: Rolf Pressburger