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02.08.2010

Neuer Comic bei Zwerchfell: Zuckerfisch 6 – Mit Liebe gemacht

Interview mit Naomi Fearn

Neuer Comic bei Zwerchfell: Zuckerfisch 6 – Mit Liebe gemacht - Interview mit Naomi Fearn

Die gebürtige Stuttgarterin Naomi Fearn, Jahrgang 1976, studierte bis 2003 Freie Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Naomi ist den Comic-Fans vor allem durch ihre Zuckerfisch-Strips bekannt.

2000 gab der Ehapa Verlag ihr erstes Comic-Album „Zuckerfisch“, eine Sammlung autobiografisch geprägter One-Pager, heraus. 2002 folgte im Zwerchfell Verlag unter dem Titel „Zuckerfisch mit Sahnemeerrettich“ der zweite Band. Es folgten: Zuckerfisch 3 „…in Marinade“ (2005), Zuckerfisch 4 „…im eigenen Saft“ (2006, ausgezeichnet mit dem ICOM Independent Comic Preis 2007 - Bester Kurzcomic), 2009 der 5. Band der Reihe mit dem Titel „Auf die Hand“ und gerade bei Zwerchfell brandneu erschienen: Zuckerfisch 6 – „Mit Liebe gemacht“.

Der Reiz der autobiografischen Zuckerfisch-Strips liegt in ihrem Realitätsbezug. Der Alltag schreibt nicht nur die besten Geschichten, er erlaubt es dem Leser auch, sich in die Geschichten hineinzuversetzen. Weitere Werke von bzw. mit Naomi sind „Comictanke“, „Dirt Girl“ und „Katie Cat“. Außerdem war sie im Sonderband des Zwerchfell – Verlags zum Gratis Comic Tag mit von der Partie. Naomi Fearn lebt seit Frühjahr 2003 in Berlin.


PPM: Wie bist du mit Zuckerfisch 2000 bei Ehapa gelandet?  

Naomi Fearn: Ehapa hatte zu der Zeit seinen Sitz in Stuttgart. Ich wurde persönlich mit acht fertig gezeichneten Seiten vorstellig und Georg Tempel entschied, den Comic zu machen. Was ich Georg hoch anrechne, wenn ich mir den Band heute anschaue, bin ich doch etwas verlegen.


PPM: … und 2002 beim Zwerchfell-Verlag?

Naomi Fearn: Ich fing an, für die Stuttgarter Zeitung wöchentliche Strips zu zeichnen. Als ich davon genug für einen Sammelband beisammen hatte, bewarb ich mich bei Zwerchfell: ich lud mich bei Stefan Dinter zum Tee ein, der zu der Zeit mein Nachbar war.


PPM: Wie ist eigentlich der lustige Titel „Zuckerfisch“ entstanden?

Naomi Fearn: Das Wort gefiel mir, weil es so konträr ist. Ich hatte es mal irgendwo in einem Skizzenbuch notiert und wollte es irgendwo unterbringen.


PPM: Wie entstehen deine Zuckerfisch-Strips?

Naomi Fearn: Die Ideen brauchen zwischen 10 Minuten und 2 Tagen. Dann wird die Idee en miniature gescribbelt, damit ich mich aufs Zeichnen konzentrieren kann. Die zeige ich meinen Versuchskaninchen (jedem, der in der Nähe ist) und ändere sie so lange, bis jemand sie lustig findet. Das ist der anstrengende Teil der Arbeit. Ich habe auch schon früh morgens Leute angerufen und Ihnen die Ideen per mail geschickt, wenn niemand vor Ort war. Der Strip wird analog mit Blaustift vorgezeichnet und getuscht, dann scanne ich ihn ein und mache selbst die Farben am Rechner. Beim Lettering schwanke ich seit Jahren zwischen Handschrift und Computer. Ich würde liebend gern von Hand lettern, aber ein schönes ebenmäßiges Schriftbild entzieht sich mir weiterhin.


PPM: 2002 entstand unter deiner Mitwirkung eine Art Jam-Band mit dem Titel „Comictanke“, erschienen bei Gringo Comics, und 2004 folgte bei Zwerchfell das s/w Album „Dirt Girl“. Die Buchinfo lautet „Dirt Girl, der Comic, der alles hat, Liebe, Drogen und Sex mit Affen… Klingt zunächst mal ziemlich abgefahren. Zeigt „Dirt Girl“ die „andere“ Naomi?  

Naomi Fearn: Zuckerfisch ist ein familienfreundlicher Zeitungscomic, in dem real existierende Personen vorkommen, er ist in Farbe und vom Zeichenstil her sehr ‚weich’. Ich wollte zur Abwechslung von all dem das Gegenteil machen.


PPM: 2008 erschien bei Ehapa die Comic-Adaption von Thomas Brezinas Katie Cat. Umgesetzt wurde die spannende und sehr einfühlsam erzählte Geschichte um ein Mädchen, das sich gleichzeitig mit den üblichen Problemen des Erwachsenwerdens und ihrer erwachenden animalischen Natur auseinandersetzen muss, in sehr ansprechender und rasanter Weise von Stefan Dinter und dir. Schildere doch bitte kurz, wie ihr in das Projekt eingebunden wurdet. Gab es zwischen Thomas Brezina, dem Verlag und euch enge Abstimmungen? Wird es einen weiteren Band geben?

Naomi Fearn: Stefan hat das Buch sehr gut in ein Comicscript umgesetzt, Panel für Panel. Ich musste es nur noch zeichnen. Thomas Brezina hatte ein sehr genaues Auge auf Script und Vorzeichnungen, denn der Autor hat verständlicherweise bereits ein sehr genaues Bild seiner Welt im Kopf. Wir fanden aber immer gute Lösungen und sind alle glücklich über das Ergebnis. „Katie Cat“ war von vorneherein als Einzelband konzipiert, aber ich arbeite weiter mit Thomas Brezina zusammen.


PPM: Die Fans können deine Zuckerfisch-Strips zudem auch online unter http://zuckerfisch.blogspot.com/ lesen. Was kann man außer dem neuesten Strip noch alles auf deiner Blog-Seite entdecken?

Naomi Fearn: Es gibt jede Woche Internetlinks zu interessanten und kuriosen Dingen, zu Zeichnern,  Musikerfreunden und Veranstaltungen. Eines Tages werde ich sicher eine Website mit mehr Arbeitsproben haben, aber bis jetzt reicht mir der Zuckerfisch-Blog.


PPM: Was hat dich nach Berlin verschlagen?

Naomi Fearn: Die Liebe, und die Idee, dass man auch mal woanders gelebt haben sollte.


PPM: Arbeitest du allein oder mit anderen Künstlern in einem Atelier?

Naomi Fearn: Seit einem Jahr sitze ich in einem Atelier mit Reinhard Kleist, Fil und Mawil. Wir teilen uns einen großen Raum, was nur zu Problemen führt, wenn alle da sind und wir die vier Platten, auf die wir uns einigen können durch haben.



PPM: Was machst du neben den Comics und Strips sonst noch?

Naomi Fearn: Ich zeichne Illustrationen für Thomas Brezinas Buchreihe ‚Tiger Team’, Detektivgeschichten für Kinder und Jugendliche, mit Hilfe von Christopher „Piwi“ Tauber und Caroline Kintzel. Dazu noch ein bisschen Plakatgestaltung.


PPM: Naomi, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Zuckerfisch 6!

von Achim E. Stuehler
Stichwörter: Zwerchfell

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