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28.01.2011

Künstler-Porträt

Horst Gotta

Künstler-Porträt - Horst Gotta

Horst Gotta (Jahrgang 1961) ist heute wohl jedem Comic-Fan vor allem durch seine Tätigkeit für den neuen Splitter Verlag aus Bielefeld bekannt.

Bereits mit 11 Jahren entdeckte er die Comic-Welt des Koralle-ZACK-Magazins für sich. Nun konnte er, wie viele andere Jungen in den 1970er Jahren, jederzeit mit seinen Helden viele Abenteuer erleben! Vor allem die von Hermann gezeichneten Abenteuer hatten es dem jungen Comic-Fan angetan, und so ist er bis heute bekennender Hermann-Fan geblieben. Die Begeisterung ließ ihn 1981/82 sogar an einer Fortführung der damals eingestellten Serie Andy Morgan arbeiten. Mit 44 Comic-Seiten in der Tasche setzte er sich ins Auto und fuhr zu Lombard nach Brüssel. Leider ohne Erfolg. Aber Horst steht auch für viele andere Comic-Projekte wie Janet, Jerry Jetson, Perry Rhodan oder die aktuell bei Splitter erscheinende Wolkenvolk-Trilogie.
 
 
Wie Horst zum Comic gekommen ist, schildert er so: „ Als Endvierziger gehört meine Kindheit genau in die Ära, in der es wochentags nur ca. eine Stunde Kinderprogramm am Tag gab und andere Unterhaltungen, wie z. B. Kinogänge, einfach nicht regelmäßig bezahlbar waren. Zusätzlich war in dieser Zeit (Ende der 1960er) noch kein Kassettenrekorder geschweige denn ein Walkman in Sicht gewesen. Also was lag näher, als die an jedem Kiosk verfügbaren Comics zu konsumieren. Und das tat ich auch, wie jeder andere, aber mit sehr wenig Begeisterung.
Micky Maus und Fix & Foxi waren eher akzeptiert, als wirklich gewollt. Ich fühlte mich da schon immer nicht ernst genommen, in dieser bunten aber (für mich) sterilen Welt. Ja und dann, im April 1972, konnte ich das "wirkliche Leben" durch ZACK ganz legal (mit Elternerlaubnis) jeden Donnerstag in mein Kinderzimmer holen. Ich war 11 Jahre alt und von nun an überglücklich. Ich konnte jetzt jederzeit in der Steppe reiten, zu den Planeten fliegen oder Verbrecher durch die Nacht jagen! Die Zack-Helden und ich waren eins geworden!“


In den Jahren 1973 bis 1975 griff Horst dann selbst zum Zeichenpapier und wurde zu einem engagierten Bleistiftzeichner und Tuschezeichner. Parallel dazu (für die eigene Schublade) schrieb er auch immer Geschichten. Nach der Realschulzeit machte er zuerst eine Werbegestalterlehre, die er jedoch abbrach, weil dort zu wenig gezeichnet wurde. Dann ging es auf eine Grafische Fachoberschule. Mit dieser Hochschulreife und zwei Jahren „künstlerischer“ Fachschulausbildung sowie zwei Jahren Ausbildung als Illustrator in einer Werbeagentur stand ihm dann die grafische Welt offen. So verwarf er dann auch nach kurzer Zeit den Studienplatz und widmete sich „seiner Comic-Karriere“. In Folge kam dann 1981/82 die Arbeit an zwei Comics, wovon ein Comic “seine Version“ der Fortführung der damals eingestellten Serie Andy Morgan war. Mit dem Comic in der Tasche fuhr Horst zum Verlag Lombard nach Brüssel.

Horst erinnert sich: Die Storyline und die zeichnerische Anlage war eine klassische Albenlänge - also 44 Seiten - mit einem üblichen Spannungsbogen zum letzten Drittel hin, der Einbeziehung der Natur als Story-beeinflussendes Element und ein Happy-End: alles typisch „Andy Morgan“. Und alle Helden irgendwie verletzt, aber trotzdem moralisch putzmunter. Man hat ja wieder das Böse besiegt! (lacht).

Inhaltlich war die Story die direkte Fortführung des letzten Hermann-Abenteuers, in dem Andy und Barney – nach dem Zurückbringen der Mary-November aus dem Eismeer – sich auf den Weg in die Zivilisation machten. Dabei übernehmen sie einen „kleinen“ Frachtjob, der quasi nur auf dem Wege liegt, aber sie gleich darauf in ein weiteres Abenteuer stürzen wird. Denn die alte, halb verfallene Fabrikhalle am Rande eines Fjordes ist alles andere als eine reguläre Fabrik. Sie ist der Stützpunkt einer kriminell organisierten Tarnfima.

Die Lombard-Leute machten mir schon von Anfang an klar (und ich selbst wusste das natürlich auch schon irgendwie), dass man einen Andy Morgan nicht so einfach anders vergeben konnte und wollte. Aber mein Engagement hinterließ Eindruck und genau das wollte ich auch erreichen. Ich hatte es einfach „wissen wollen“, denn 1982 sollte, nach meinen Lehrjahren, endlich der Start in die Comic-Karriere erfolgen.“


Mit dem Comic „Janet“, der im SF-Genre spielt, legte Horst Gotta 1986 sein erstes Comic-Album vor. Insgesamt erschienen von Janet für Avalanche und Feest drei Alben. 1990/91 folgten für Feest Comics/Ehapa zwei Bände von „Jerry Jetson“ im Funny-Genre, die einen gemeinsamen Handlungsrahmen abdeckten. Als großer Verehrer des Hermannschen Universums baute Horst viele Anspielungen in die Handlung ein. So finden sich dutzende Szenen und Charaktere, die dem Insider das besondere Schmunzeln abgewinnen sollten.

Dann startete er für Ehapa zusammen mit Peter Daibenzeiher die Arbeit am Western „Arizona“, wovon ca. 20 Seiten fertig wurden. Das Album wurde jedoch nicht beendet. Horst zu den Umständen, wie es dazu kam: „Irgendwie war nun die Luft raus. Außerdem tauchte, soweit ich mich erinnern kann, schon wieder eine neue Devise des Verlags am Horizont auf, die da lautete: keine lange bindenden Verpflichtungen mehr. Arizona war „leider“ wieder als Epos konzipiert und: somit draußen.“


2002/2003 arbeitete Horst für Pabel Moewig an Perry Rhodan. Doch das war bei weitem nicht alles.  Denn sowohl vor dem Perry Comic als auch in den Jahren danach gab es jede Menge neue Ideen und auch fertige Comicseiten aus der Gotta-Comic-Schmiede, die jedoch aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel eingestellte Magazine etc., nicht zum Abdruck kamen.

Seit 2006 ist Horst Gotta Teil des Splitter-Verlags mit Sitz in Bielefeld. Horst schildert, wie es dazu kam, wie folgt: „Die Dirk-/Splitter-Geschichte nimmt ihren Anfang im Jahre 2001. Aus den damals schon üblichen vielen Diskussionen im Comicforum kristallisierte sich im Künstlerbereich die Idee heraus, dass man einmal Schwung in das Segment der Eigenproduktionen - und vor allem die Förderung deutscher Künstler - angehen könnte. So trafen sich im Sommer des Jahres 2001 insgesamt 19 Zeichner und Autoren, die das Thema in einem Künstlermeeting besprechen wollten. Insgesamt formten wir vier Teams, die danach diverse Arbeiten bei Carlsen vorlegten. Austragungsort war mein damaliges Studio. Dirk und ich “kannten“ uns zu dieser Zeit aber schon einige Monate aus dem Forum.
Danach machten wir zusammen Werbeaufträge, den Perry und viele kleinere Comicprojekte sowie den Versuch, 3-4 Albenprojekte im Teamwork (auch in Frankreich) anzubieten. Dadurch war die Überlegung der „vertieften Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Großprojekt“ schnell gefunden und ein eigener Verlag war einfach die ideale Bühne dafür.
Zusätzlich wurde auch Delia in die Splitter-Comicwelt u. a. als Autorin, Übersetzerin, für die Montage und das Lettering integriert, so dass wir den Verlag als Trio gründeten. Wir sind die drei gleichberechtigten Teil-Inhaber von Splitter. Delia fungiert als Geschäftsführerin. Wir wählten die Betriebsform GmbH mit Co.KG als Tochtergesellschaft von XIMOX. Der Splitter-Verlag nutzt in Bielefeld die Räume der XIMOX und in Obertshausen die Räume meines Avalanche Verlages bzw. des Studios.“

Zu seinen Aufgaben bei Splitter gehört u. a. die Produktion von der Kostenplanung bis zur Abwicklung. Dazu gehören das Ausschreiben und das Verwalten der Druckaufträge, das Kontrollieren aller Abläufe, die Logistik und die Qualitätskontrolle. Neben der Produktion ist er für den Aufbau aller Special-Webseiten rund um die Einführung der Produkte, den Newsletter, alle Buchabbildungen und Introbilder (in 3D-Technik oder im Fotostudio) für das Web und für die Kataloge, für spezielle Produkte wie Schuber, Figureneditionen und Verkaufsständer, alle Filme auf den Webseiten (Splitter und Youtube) sowie die Specialfilme zu den Messen und Making Ofs zuständig.

Teilweise macht er das Lettering und den Aufbau von Alben, Übersetzungen und vor allem die sehr umfangreichen Restaurationen der Splitter-Schätze (wie bei STORM, Comanche und den Meisterkartografen – viele davon mit dem Anspruch „besser als die Original-Version“ zu sein), sowie Kundenbetreuung und Rezis oder die Forenarbeit.

Nicht zu vergessen ist seine komplette Mitarbeit an ganzen Comic-Projekten, das Illustrieren kompletter Seiten, wie bei „Comanche“ und „Seide und Schwert“ (Tusche).

von Michael Hüster
Stichwörter: Splitter

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