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10.10.2011

Splitter Verlag - Gipsy

Enrico Marini's Gipsy bei Splitter

Splitter Verlag - Gipsy - Enrico Marini's Gipsy bei Splitter

Enrico Marini wurde 1969 in der Nähe von Basel in der Schweiz geboren. Schon in seiner Kindheit begann er Comics zu zeichnen.

Von 1987 bis 1991 studierte er Grafik an der Kunstgewerbeschule in Basel. Entdeckt wurde der Zeichner 1987 auf einem Festival in Sierre.


1990 erschien sein erstes gezeichnetes Album der vierteiligen Krimi-Serie „Oliver Varèse“ bei Alpen Publisher. Das Szenario zu der Geschichte „La colombe de la place rouge“ stammte von Marelle.


Nach Szenarien von Thierry Smolderen, der auch zwei Storys zu Oliver Varèse beisteuerte, zeichnete Marini ab 1993 sechs Alben der fantastischen SF-Serie "Gipsy" (Alpen Publisher, Les Humanoïdes Associés, Dargaud, dt. bei Feest bzw. Carlsen). 1996 begann Marini eine bis heute sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Stéphen Desberg, einem der Top-Autoren des franko-belgischen Comics. Erstes Ergebnis war der zweiteilige Western "Der Stern der Wüste" (Dargaud, dt. bei Ehapa).


1998 übernahm er den zeichnerischen Part für einen Auftrags-Comic mit dem Titel „Die Erben der Schlange“ (Editions Suzanne Hurter), der anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung des Schweizer Bundesstaates herausgegeben wurde.  


Von 1998 bis 2003 arbeitete der Zeichner gemeinsam mit Szenarist Jean Dufaux an dem Fantasy-Vampir-Thriller „Rapaces“, von dem insgesamt vier Alben veröffentlicht wurden (Dargaud, dt. „Raubtiere – Jäger der Nacht“, dt. bei Carlsen Comics bzw. Splitter Verlag München).


Seit 2000 arbeitet Marini, erneut zusammen mit Szenarist Stéphen Desberg, an der Serie „Der Skorpion“, ein Mantel und Degen-Epos im Rom des 18. Jahrhunderts, das Historie und Abenteuer zu einer großartigen Geschichte verbindet (Dargaud, dt. bei Carlsen Comics, bisher 8 Alben).


2007 konnte sich Enrico Marini einen lange gehegten Wunsch erfüllen: Mit dem ersten Band von „Die Adler Roms“ liefert er neben den Zeichnungen erstmals ein eigenes Szenario zur neuen Serie ab (Dargaud, dt. bei Carlsen Comics).


Nun erschien Band 1 einer definitiven Neu-Edition des sechsteiligen Meisterwerks von Smolderen und Marini bei Splitter („Der Stern des Zigeuners“). In dem Comic führen in einer nicht all zu ferner Zukunft die Folgen des Ozonlochs auf der nördlichen Erdhalbkugel zu einer neuen Eiszeit, während in den südlichen Regionen ganze Bevölkerungsgruppen der tödlichen UV-Strahlung zum Opfer fallen und die weltpolitische Lage im Chaos versinkt.


Um die Stratosphäre zu schützen, wird der Flugverkehr stark eingeschränkt und mit der C3C eine gigantische Autobahn entwickelt, die die halbe Erde umspannt! Trucks liefern Waren auf dieser Straße von Moskau bis New York, von Peking bis Rio. Das ist das Revier von Tsagoi, dem Gipsy. Der Zigeuner ist mit seinem Truck auf der C3C unterwegs und schreckt auch vor brisanten Transportaufträgen nicht zurück. Doch die Konkurrenz ist mächtig und kämpft mit harten Bandagen…


Tsagoi ist Macho pur, rau im Umgang mit anderen, aber liebevoll in Sorge um seine kleine Schwester. Gipsy denkt vorrangig an den nächsten Auftrag, der ihn in wilde Abenteuer, blutige Kämpfe und zu schönen Frauen führt.


Abenteuerlich Comic-Unterhaltung mit viel Action und einer Prise Erotik in sehr guter grafischer Qualität von Marini ist damit garantiert. Das Album enthält 62 !!! Comicseiten und  als Bonus-Material ein achtseitiges Sketchbook.


Zum Start von Gipsy bei Splitter stellte PPM Marini zehn Fragen rund um sein Comic-Schaffen.



PPM: Die obligatorische erste Frage: Wie bist du zu den Comics gekommen? Welche Comics bzw. Magazine gab es in der Schweiz?

Enrico Marini: Als ich etwa 13-14 Jahre alt war, hat ein Comic Shop in Basel neu eröffnet, der einzige damals in der Region. Der Comic-Laden war für mich natürlich eine Schatztruhe. Der hatte von Beginn an ein breites Angebot an französischen Heften und Büchern. Das war so der Moment, wo ich Autoren wie Hermann, Giraud, Bilal und viele andere kennen und schätzen lernte. In der Zeit davor war es nur sehr schwierig, an Comics heranzukommen. Eigentlich nur am Zeitschriften-Kiosk. Da gab es z. B. Batman, Spiderman, Micky Maus, Asterix, Tim & Struppi und ein paar wenige mehr. Da ich Italiener bin, habe ich mich auch mit den italienischen Fumetti eingedeckt. Darunter waren Dylan Dog, Tex u.s.w.


PPM: Du kannst mit bisher 6 Serien und über zwei Dutzend Comic-Alben schon ein beachtliches Comic-Schaffen nachweisen. In einem Interview mit Reto Baer hast du 2003 erklärt, dass du 10 Stunden am Tag zeichnest …

Enrico Marini: Die Zeiten sind vorbei (lacht). Aber es gab schon eine Zeit, da zeichnete ich ziemlich viel, auch am Wochenende und das über zehn Jahre lang. Gut, das bleibt gelegentlich auch heute nicht aus. Aber solange meine beiden Kinder im Haus sind, werde ich zeitlich reduziert weiter arbeiten.



PPM: Deine Comics sind inhaltlich sehr abwechslungsreich, da diese in verschiedenen Genres angesiedelt sind. So ist „Oliver Varèse“ eine Krimi-Komödie, „Gipsy“ eine SF-Reihe, „Der Stern der Wüste“ ein Western und „Raubtiere-Jäger der Nacht“ eine Fantasy-Serie. Hinzu kommen die Historien-Comics „Der Skorpion“ und „Die Adler Roms“. Ist für dich als Zeichner der Genre-Wechsel ein Problem? Oder ist das gar nicht so schwer?

Enrico Marini: Nein, es ist nicht sehr schwer, solange mich ein Thema interessiert. Mir gefällt es, die Epochen zu wechseln. Ich bin von unserer Geschichte fasziniert. Mehr als von der Zukunft, obwohl ich z.B. die Serie Gipsy sehr gern mag und der Held mir sehr nahe ist. Ich bin ein Nostalgiker, die Vergangenheit interessiert mich sehr und so entstand auch die Lust auf ein Sandalen-Epos wie die „Die Adler Roms“.
Das stellt andererseits aber auch wieder eine Herausforderung dar, denn ich muss mich in die Materie hineinlesen und viel dokumentieren, bevor ich überhaupt mit der eigentlichen Arbeit anfangen kann. Aber zum Glück habe ich eine genaue Vorstellung von dem, was ich machen will. Und dann ist es neben viel Arbeit, vor allem Spaß.
Vielleicht bin ich beim nächsten Projekt ein bisschen schlauer und ich wähle ein weniger komplexes Thema aus, wo nicht so viele Charaktere vorkommen. Also keine Schlachten mit tausenden von Leuten oder große Stadtansichten wie von Rom. Am liebsten eine einfache Handlung mit nur ein oder zwei Personen, die sich nur in einem Raum abspielt, oder irgendwas in der Wüste… (lacht). Mit der Römer-Geschichte habe ich mich selbst ausgetrickst. Ich muss Wohl oder Übel irgendwann die Varus-Schlacht zeichnen. Das wären dann so an die 15.000 Legionäre plus Hilfstruppen, die gegen einen Ansturm von unendlich vielen Barbaren kämpfen… na dann gute Nacht… (lacht).


PPM: Wie der Leser deiner Comics feststellen kann, hast du eine gewisse Vorliebe für  südländische draufgängerische männliche Helden, eben absoluten Frauentypen, die erotischen Abenteuern mit schönen rassigen Frauen nicht abgeneigt sind. Ist das ein Grundrezept von dir, das Erfolg beim Publikum verspricht, oder eine persönliche Vorliebe für solche Protagonist(inn)en?

Enrico Marini: Eher das Zweite. Ich habe eine Vorliebe für dramatische Figuren. Es macht Spaß, diese zu zeichnen. Sicher hat es auch etwas damit zu tun, das ich selber Südländer bin. Da kann ich nicht anders. Das habe ich im Blut.
Mir gefallen aber auch gute Geschichten und Kulissen aus dem Norden. Ich denke da zum Beispiel an den Autor Henning Mankell. Krimis oder Thriller lese ich am liebsten. James Ellroy, Elmore Leonard oder Dennis Lehane gehören zu meinen Favoriten. So ein Genre würde ich schon mal gerne umsetzen.
Im Moment bin ich jedoch mit dem Skorpion und den Adler Roms im historischen Genre beschäftigt. Und diese beiden Serien erlauben mir mehr über meine Geschichte und mein Herkunftsland Italien zu erfahren und seine Vergangenheit darzustellen. Als kleiner Junge las ich Alexandre Dumas und sah Scaramouche und Zorro im Fernsehen. Es  war also schon lange ein Traum von mir, eine Mantel- und Degengeschichte mit einer Figur wie den Skorpion zu zeichnen.
Errol Flynn und Stewart Granger waren da Vorbilder. Aber es musste in Italien situiert sein. Mit dieser Idee ging ich dann zu Desberg und habe ihm meine Vorstellungen geschildert. Er war sofort begeistert und ich lieferte ihm auch häufig die notwendigen Inspirationen und Dokumentationen. Für mich ist „Der Skorpion“ wie ein Theaterstück oder wie ein alter Hollywood-Film, weniger realistisch als „Die Adler Roms“. Die Adler sind viel fundierter.


PPM:  Deine Comic-Panels wirken schon fast wie Gemälde. Der Zeichenstil scheint zeitlich sehr aufwendig zu sein. Wie bist du zu diesem Zeichen-Stil gekommen?

Enrico Marini: Die Zeichnungen bei Varèse entstanden in der klassischen Technik. Die aktuellen Serien entstehen in der „Direktkolorierung“. Es gibt nur noch ein Original. Ich zeichne immer noch die Seite vorab mit Tusche und verwende dann in einer Art Aquarelltechnik flüssige Acrylfarben. Manchmal auch etwas Gouache. Meistens ist es mit den Acrylfarben getan.
Wie ich zu dem Zeichenstil gekommen bin? Dafür gab es auch verschiedene Auslöser. Einerseits war ich schon immer von den Gemälden der alten Künstler wie Rembrandt oder Canaletto beeindruckt, aber auch von Disneys Animationsfilmen. Ich habe mir auch viele Gemälde (z. B. Impressionisten) angeschaut. Der Western „Der Stern der Wüste“ war so eine Übergangsphase. Da habe ich diese Technik ein wenig ausprobiert. Das war noch so ein Misch-Ding. Bei den Raubtieren habe ich die Technik dann erstmals durchgehend angewandt. Seitdem habe ich nicht mehr viel verändert.


PPM:  Kann man Reihen wie „Gipsy“ und „Raubtiere“ als abgeschlossen betrachten oder wird es weitere Bände geben?

Enrico Marini: Es kommt darauf an. Vielleicht gibt es neue Alben mit mir oder ohne mich. Kann durchaus sein. Im Moment habe ich so viele andere Projekte. Bei Raubtiere müsste ich mit dem Szenaristen einen gemeinsamen Nenner finden.


PPM: Bei einem Besuch in der „Hauptstadt der Comics“ in Brüssel hatte ich die Gelegenheit, auch den Skorpion an einer Hauswand zu bewundern. Warst du schon selbst auf dem berühmten Comic-Walk? Absolut empfehlenswert …

Enrico Marini: Ja. Ich war schon da. Und es sieht sehr gut aus. Ich muss schon sagen, ich bin sehr Glücklich mit meinem Skorpion. Das Wandbild hat mich schon sehr beeindruckt. Ich habe die Vorlage dafür gezeichnet und es wurde von den Künstlern sehr gut wiedergegeben.
Ich bin auch froh über den Erfolg vom Skorpion, denn dieser erlaubt mir vieles und er hat mir sicher auch erlaubt, die Adler Roms zu starten. Oder aber auch Projekte zu starten, die weniger lukrativ oder schwieriger sind.


PPM: Wie oft gehst du auf Comic-Festivals um zu signieren?

Enrico Marini: Ich war früher viel unterwegs, heute ein bisschen weniger, wegen der Familie. Es nimmt einfach zuviel Zeit in Anspruch und ich komme mit der Arbeit nicht weiter. In Frankreich könnte man jedes Wochenende zu einer Veranstaltung reisen. Das habe ich eine zeitlang sogar mal gemacht und so 15-20 Festivals im Jahr besucht.


PPM:  Was macht Enrico Marini, wenn er seine Zeit nicht mit dem Zeichnen von Comics verbringt?

Enrico Marini: Im Bereich Sport habe ich eine lange Zeit Basketball gespielt, ich lese gern, gehe ins Kino und reise gern, wenn es die Zeit erlaubt.


PPM:  Findest du noch Zeit, selbst Comics zu lesen?

Enrico Marini: Sehr wenig, kommt aber vor. Ich bin da sehr offen und neugierig und nicht festgelegt.


PPM:  Enrico, vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg mit deinen aktuellen Comic-Serien!


Thierry Smolderen/Enrico Marini

Gipsy 1
- Der Stern des Zigeuners

Hardcover, 56 Seiten,
farbig, 32 x 23 cm
ISBN: 9783868693058
Preis: 14,80EUR

von Michael Hüster
Stichwörter: Splitter

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