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11.08.2014

Das neue oh bei Zwerchfell: Quallen als Galaxien

Das oh – Interview mit Asja Wiegand und Christoph Mathieu

Das neue oh bei Zwerchfell: Quallen als Galaxien - Das oh – Interview mit Asja Wiegand und Christoph Mathieu

2011 entstand das Magazin oh zum ComicClash, dem von MogaMobo und Epidermophytie ausgelobten „ultimativen Wettkampf der Comicmagazine zur Ermittlung des besten Comic-Heftes des Landes“, der beim Internationalen Comic Salon Erlangen 2012 entschieden wurde.

oh gewann auch noch sofort den ersten Preis. Noch im Herbst 2012 erschien die Ausgabe 1 1/2, und 2013 legten Caroline Ring, Asja Wiegand, Lew Bridcoe und Christoph Mathieu mit oh #2 nach.

Die ersten zwei Ausgaben wurden von den Begründern des preisgekrönten Magazins, Caroline Ring, Asja Wiegand, Lew Bridcoe und Christoph Mathieu selbst verlegt. Ab dem brandneuen Band 3 erscheint oh beim Zwerchfell Verlag.

PPM: Initialzündung zum "oh magazin" war der ComicClash 2011. Erzähl mal. Wie entstand das Team?
Asja: Caro, Lew und ich kannten und schon eine ganze Weile aus Berlin und über unsere Comicblogs. Als der ComicClash dann ausgerufen wurde hat Caro uns gefragt, ob wir dafür ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen wollen.
Christoph: Und ich lernte Caro damals über meine Freundin kennen. Als Caro mir erzählte, dass sie an einem Comic arbeitet, habe mich quasi als Autor aufgedrängt. Ich arbeite als Drehbuchautor und fand die Aussicht sehr verlockend, etwas schreiben zu können, das auf jeden Fall viel schneller als ein Film visualisiert werden würde.

PPM: Wie seid ihr jetzt bei Zwerchfell gelandet? Welche Vorteile hat die Publikation durch einen Verlag für euch?
Asja: Wir haben uns bei Zwerchfell auf einer Comic-Messe mit der frisch gedruckten zweiten Ausgabe vorgestellt. Die Jungs mochten unser Heft und haben gleich zugesagt, unsere dritte Ausgabe zu verlegen. Der größte Vorteil für uns ist natürlich, dass wir uns nicht mehr selbst um den Vertrieb kümmern müssen und sich unsere Reichweite deutlich erhöht hat. Außerdem hat oh jetzt eine ISBN-Nummer und ist dadurch zu einem "richtigen Buch" geworden, das überall bestellt werden kann.

PPM: Seit wann seid ihr als zeichnende und schreibende Comic-Künstler unterwegs? Was waren ggf. eure bisherigen Arbeiten?
Asja: Ich zeichne "schon immer", aber zu ein bisschen Bekanntheit bin ich durch meinen Comicblog "Gestern noch" gekommen. Den mache ich seit 2008.
Christoph: Und ich schreibe "schon immer". Eigentlich sogar schon länger als ich schreiben kann, denn meine ersten Geschichten habe ich meiner Mutter diktiert. Daher war für mich immer klar, dass ich vom Schreiben leben wollte, was dazu führte, dass ich an der Internationalen Filmschule Köln ein Studium zum Drehbuchautor machte. Heute arbeite ich als Autor und Journalist für Film- und Fernsehproduktionen. Die kleine Comic-Karriere gedeiht dabei am Rande.

PPM: Erneut spielen Tiere, wie in euren bisherigen Ausgaben, eine zentrale Rolle. Nach Fuchs und Fröschen sind es jetzt Quallen…
Christoph: Sind Quallen eigentlich Tiere? In oh3 wird ja behauptet, sie seien Galaxien. Asja, Caro und Lew geben mir für jede oh-Ausgabe ein Tier vor, das ich dann in meiner Geschichte nutzen muss. Ich versuche dann immer, die Zeichnerinnen zu überraschen und die Tiere möglichst so darzustellen, wie sie es nicht erwarten würden. Daher war der Fuchs eine Art Seelenwanderer, die Frösche mussten vom Himmel regnen und die Quallen sind eben Galaxien.
Asja: Bisher haben wir jeder Ausgabe von oh einen Kalender vorausgeschickt, dessen Motive sich ums jeweilige Tier drehten. Ein kleiner Vorgeschmack aufs Heft, wenn man so will. Außerdem helfen uns die Einnahmen ein klein wenig bei der Finanzierung des nächsten Hefts.

PPM: Schildere doch bitte mal das „Making of“ von Ausgabe 3? Wie muss man sich das ablauftechnisch vorstellen? Es sind doch einige Leute beteiligt.
Christoph: Wie gesagt, am Anfang geben mir die Zeichnerinnen Tiere vor. Die richte ich dann so lange ab, bis sie perfekt Ideen und Einfälle aufspüren und zu mir bringen können. Aus den Ideen und Einfällen entstehen dann die Geschichten. Wie dieser Entstehungsprozess genau aussieht, darf ich nicht sagen. Zauberer verraten ja auch nicht ihre Tricks. Und wo ich gerade beim Thema Zaubern bin: Sobald die Geschichte fertig ist, schicke ich sie an Asja, Caro und Lew und wie von Zauberhand entsteht dann ein Comic. So kommt es mir zumindest vor, denn während der Entstehung des Heftes sehe ich die Zeichnerinnen ja nie, sondern bin mit ihnen nur über Skype in Kontakt.

PPM: Gibt es neben den Träumen auch echte biografische Einflüsse auf die Handlung? Es geht in der dritten oh-Ausgabe um diverse Beziehungen…
Christoph: Beeinflusst ist ja eh immer alles von irgendetwas anderem. Im Endeffekt haben die Figuren eigene Biografien, die sie selbst noch am meisten beeinflussen - so muss es ja auch sein. Biografisches aus dem eigenen Leben könnte ich ja bloggen, das sollte nicht in fiktionalen Geschichten verklausuliert werden. Träume beeinflussen die Handlung eigentlich auch nicht. Im Nachwort zu oh3 habe ich zwar geschrieben, dass das Schreiben und Lesen von Comics dem Träumen in manchen Hinsicht ähnlich ist, das soll aber nicht bedeuten, dass ich mich inhaltlich aus meinen Träumen bediene. So coole Dinge wie in oh passieren in meinen Träumen auch nicht. Was schade ist, denn ich würde natürlich gerne von halbnackten Frauen mit Haien und Samuraischwertern träumen.

PPM: Was gibt es sonst noch rund um oh zu sagen?
Christoph: Das oh Magazin hat noch keinen Wikipedia-Eintrag. Und selbst einen anzulegen, ist uns zu uncool...

PPM: Vielen Dank für das Interview.
 

von Michael Hüster
Stichwörter: Zwerchfell

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