News - Comic / Graphic Novel


27.03.2026
Schreiber & Leser präsentiert: Green Witch Village

Ein inhaltlich originelles und in Form/Komposition ungewöhnliches Werk, das überrascht und unterhält

Ein inhaltlich originelles und in Form/Komposition ungewöhnliches Werk, das überrascht und unterhält
Tabatha fiel in Ohnmacht. Ihre Freundinnen und Mitbewohnerinnen Erika und Gwen waren bei ihr, als sie wieder zu sich kam. Doch sie erkannte sie nicht, denn ihr Bewusstsein war wie weggeblasen.

Ihr Körper war nun von einer Frau aus dem Jahr 2025 „in Besitz genommen“, die absolut keine Ahnung hatte, was sie 1959 in New York zu suchen hatte. 
Diese Frau musste sich schnell an ihr neues Leben anpassen, in dem Sexismus allgegenwärtig war. Sie hatte einiges zu bewältigen. Spontan und eher zufällig wurde sie anstelle von Erika zur Maskottchenfigur der Greenwich-Händler auserkoren, obwohl sie Erika nur zu ihrem Vorsprechen begleitet hatte. 
Und dann ist da noch ein russischer Journalist, der im Verdacht steht, ein Spion zu sein, ein hartnäckigen CIA-Agenten, eine obskure Nazi-Geschichte und eine gesuchte Atombombe … 
Mit „Green Witch Village“ zollen Lewis Trondheim und Franck Biancarelli den Comicstrips der 1950er-Jahre Tribut, jenen Sonntagsseiten amerikanischer Zeitungen, die mit jeder Lektüre prickelnde Spannung erzeugten. Um dieses auch in „Green Witch Village“ zu erreichen, legten die beiden Comic-Macher vier Bedingungen fest, um den ursprünglichen kreativen Prozess möglichst genau nachzubilden: Das erste Panel musste ein großformatiges Bild sein, das letzte Panel musste stets eine Pointe oder Cliffhanger enthalten, jede Seite musste für sich allein lesbar sein, und das Layout jedes Strips musste eine Veröffentlichung in drei oder vier Teilen ermöglichen. 
Lewis Trondheim hielt sich an diese Vorgaben und entwickelte eine sorgfältig ausgearbeitete Geschichte, eine gekonnte Mischung aus Fantasy-Thriller und Spionageroman, gewürzt mit Humor, deren Auslöser ein reales Ereignis ist: der Verlust einer Atombombe durch die Amerikaner. Die Idee der Zeitreise durch Körper und Geist ist durchaus eine interessante Option.
Obwohl alles nostalgisch anmutet, sind die behandelten Themen hochaktuell (Sexismus, Stellung der Frau in der Gesellschaft usw.). Franck Biancarellis Illustrationen untermalen dieses Abenteuer, das Tabatha und ihre Mitbewohnerinnen keine Ruhe lässt, elegant und energiegeladen, eine erstklassige grafische Leistung, die Jérôme Maffre mit seiner einzigartigen Farbpalette geschmackvoll abrundet. Im Anschluss an den Epilog finden die Leser ein Skizzenbuch, das diese besondere Graphic Novel auf wunderschöne Weise abschließt.

Autor: Michael Hüster