PPM: Nun ist es schon ein Jahr her, dass du mit der 250 „deine" letzte Sprechblase abgeliefert hast. Immer noch froh, den Druck nicht mehr zu haben, oder gibt es auch ein tränendes Auge?
GF: Nein, ich bin immer noch froh, auch wenn das Mehr an Freizeit, das ich erhoffte, noch nicht eingetreten ist. Aber ein bisschen mehr „Dolce Vita“ gönne ich mir ja doch. Und ich bin natürlich sehr erleichtert, dass ich keine Anzeigen mehr auftreiben muss!
PPM: Na ja, so ganz bist du ja noch nicht raus. An welchen Rubriken bist du in der SB noch beteiligt?
GF: Wie ich der Nostalgie-Szene versprach, führe ich die Rubrik „Generation Lehning“ fort. Hier sind schließlich meine Wurzeln. Aber ich schreibe auch mit Freuden über Neuerscheinungen von Bocola, Weißblech und der Zack Edition. Ein paar Comicraritäten trieb ich ebenfalls auf und einige Interviews sind in Vorbereitung. Letzten Sonntag sprach ich z.B. nach der Vienna Comix mit Fix-und-Foxi- und Disney-Zeichner Massimo Fecchi. Er ist mit seinen 80 Jahren nicht nur ein hochinteressanter Zeitzeuge, er liefert auch immer noch tolle Comics ab.
PPM: Bist du hier und da bei der SB auch noch beratend tätig? Ein SB-Comeback ist aber nicht angedacht?
GF: Beraten tue ich nicht. Das käme mir vor wie eine Schwiegermutter, die bei der Hochzeitsreise mitkommt. Und ein SB-Comeback ist auch nicht angedacht, zumal ich finde, dass das neue Team unter Christian Blees ihren Job gut macht!
PPM: Aktuell betreust du redaktionell „Die besten Geschichten aus Fix und Foxi". Beim BSV Hannover gibt es bisher 14 Ausgaben. Wie ist die Idee entstanden?
GF: An sich bereitete ich einen Fix-und-Foxi-Band für die BSV-Albenreihe „Perlen der Comicgeschichte“ vor, in der ausgewählte Episoden von Ludwig Fischer, einem meiner Lieblingszeichner, enthalten sein sollten. Doch dann cancelte Verleger Eckhard Friedrich das Projekt. Nach all der Liebe die ich da reinsteckte, war ich schwer enttäuscht – allerdings nur kurz, denn Eckhard hatte eine viel bessere Idee: Er wollte eine Reihe nach einem ähnlichen Konzept wie „Die tollsten Geschichten von Donald Duck“ rausbringen. Ich war begeistert!
PPM: Wie triffst du die Story-Auswahl?
GF: Ich verfüge primär über die meisten FF-Hefte aus den 60ern, der für mich besten Ära des Magazins. Mit strengem Blick (ich bin sehr kritisch) treffe ich eine Auswahl aus den Kauka-Eigenproduktionen, die auch andere Erscheinungen wie Lupo modern umfasst.
PPM: Zu Beginn der Serie gab es einen Aufruf an die Leser, eigene Vorschläge zu machen. Wie ist das gelaufen?
GF: Sehr gut, es kamen viele Lesermails. Ich bin offen für Leserwünsche (es soll ja nicht nur mein Geschmack zum Zug kommen), aber die Storys müssen mir natürlich auch gefallen. Wenn mich ein Leser inspiriert hat, dann erwähne ich ihn namentlich im Vorwort. In den Vorworten geht es auch um Hintergrundinfos. Dabei hilft mir sehr die Fanpage kaukapedia.org, die Klaus Wintrich leitet. Klaus unterstützt mich auch bei Vorlagen, die ich nicht besitze. Der bekannte Wäscher-Kolorist Toni Rohmen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Er koloriert seine Lieblingsgeschichten neu oder verbessert die ursprüngliche Farbgebung. Bisher hatten wir drei Toni-Ausgaben. Die ganze Reihe läuft super und Eckhard puscht mich, dass ich noch einen Zahn zulege.
PPM: Welche Buch- oder andere Projekte hast du sonst am Laufen oder in Planung?
GF: Kürzlich arbeitete ich für Eckhard das Konzept für die geplante 14-bändige Albenreihe von Nickels Robinson aus, schrieb ein Vorwort und gestaltete ein Cover. Das hat mir großen Spaß bereitete. Der schwerste Brocken ist die geplante Kriegskinder-Reihe, in der die 144 Piccolos der ersten Sciuscia-Serie aus den 50ern in Albenform erscheinen sollen. Sie ist extrem arbeitsintensiv. Wir kämpfen darum, die Sache in den Griff zu kriegen, aber dieses faszinierende Zeitdokument ist den Aufwand wert. Verleger ist Stefan Meduna. Und dann gibt’s noch alle möglichen weiteren Projekte, die zum Teil auch mit der Wiener Zeichnerszene zusammenhängen. Wenn ich an all das denke, was ich mir aus Begeisterung aufgehalst habe, wird mir ganz schwummrig. Und da träume ich von mehr Freizeit? Ich sag dir: Begeisterungsfähigkeit kann auch eine Krankheit sein.
PPM: Welche Comics gehören zu deinen Top-10-Favoriten? Kommst du noch dazu, Comics zu lesen? Was war ggf. dein letzter gelesener Band?
GF: Meine unveränderlichen Top-3 sind: Hansrudi Wäscher, Carl Barks und Robert Crumb. Die weiteren Top-7 können sich auch wieder ändern: Willy Vandersteen, Jean Giraud, Hugo Pratt, Gene Colan, Jack Kirby, Helmut Nickel und „Pauli-Barks“ Branko Karabajic. – Ja, ich komme noch zum Comiclesen. Sehr gern lese ich auch schräge Alltagsgeschichten, wie die von Daniel Clowes („Ghost World“). Der zuletzt gelesene Band war erst heute früh. Da ging´s um was Nostalgisches: die Valhardi-Story „Das geheimnisvolle Schloss“ von J.M. Charlier und Eddy Paape. Hat mich köstlich amüsiert.
PPM: Wie entstand die Idee zu deinem E-Mail-Newsletter? Beschreib doch bitte kurz, was es da zu lesen gibt und wie man sich dazu anmelden kann.
GF: Es gibt zwei Verteiler. Der erste betrifft das monatliche Wiener Zeichnertreffen im Rüdigerhof, das ich organisiere. Der zweite betrifft vor allem meine Sendungsempfehlungen. Er entstand im ersten Corona-Lockdown. Ich wollte die damalige Tristesse für Freunde und Bekannte ein wenig durchbrechen. Inzwischen sind rund 600 Adressen im Verteiler. Wenn ich was Interessantes im ORF, auf arte oder YouTube sehe, habe ich das Bedürfnis, es weiterzuempfehlen. Diese Mails beinhalten aber auch viele, meist nostalgische Musik-Links und ab und zu auch Kommentare von mir zum Leben oder zur Politik (ich würde mich als links, aber eher konservativ-links einstufen). Über Comics gibt’s selten was zu lesen. Für mich waren die Rundmails stets auch ein Ausgleich zum Comicjob. Wer sich trotzdem dafür interessiert, möge mir schreiben an: foerster1150(at)gmail.com
PPM: In Erlangen bist du fast privat unterwegs. Was hast du dir vorgenommen? Preisverleihung, Ausstellungen, Leute treffen...
GF: Ausstellungen und Leute treffen... Aber halt, fast hätte ich es vergessen: Heinz Wolf und ich signieren ja unser Album „Die ganze Wahrheit“ am PICTOPIA-Stand in Halle B, Stand 74. Die Termine sind Donnerstag von 16-17 Uhr und am Sonntag ab 12 Uhr. Der Band beinhaltet primär unsere gesammelten, gemeinsamen Comics aus der Sprechblase (darin verarschen wir uns selbst und die Comicszene), aber auch viele Extras. – Macht´s uns doch die Freunde und kommt´s vorbei, Leute, okay?
BILDTEXT:
Aus dem Album „Die ganze Wahrheit", das Gerhard und Heinz als Redakteure zeigt.
Autor: Michael Hüster