Er ist ein einnehmender Held mit faszinierenden Gegenspielern. Zeitloser Humor und Hommagen an Genreklassiker dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen!
Die 1979 für das deutsche ZACK-Magazin erschaffene Serie „Peter O'Pencil“, international besser bekannt als „»Silas Finn“, ist ein Kleinod der Comic-Historie, das vielen Lesern in liebevoller Erinnerung geblieben ist. In dieser zweibändigen Gesamtausgabe sind sämtliche Geschichten versammelt: Band 1 umfasst die ersten vier Episoden der Serienschöpfer Tiziano Sclavi und Giorgio Cavazzano, während Band 2 diejenigen beinhaltet, für die François Corteggiani die Autorenrolle übernahm.
Ein Accessoire hat sich mehrfach als prägendes Designelement in den Figuren von Giorgio Cavazzano, dem Mann, der den Disney-Stil in Italien neu definierte, erwiesen: das Halstuch. Captain Rogers trägt eines & Jonson von Altai und Jonson tragen eines. Und natürlich trägt auch Peter O´Pencil, der Protagonist der gleichnamigen Serie, die Cavazzano Ende der 1970er-Jahre zusammen mit dem Drehbuchautor Tiziano Sclavi (dem späteren Schöpfer von Dylan Dog) entwickelte, eines.
Peter O´Pencil wird in den Wilden Westen entsandt, um für die Leser seiner Zeitung, der Boston Tribune, zu berichten. Dort wird er z.B. Zeuge historischer Ereignisse oder begleitet die Teilnehmer auf eine durch die Boston Tribune initiierte abenteuerliche Schatzsuche.
Peter O´Pencil, 1979 für das deutsche Magazin Zack erschaffen, ist eine einzigartige Serie im Schaffen ihrer beiden Autoren. Nicht so sehr wegen ihres Inhalts, humorvolle Abenteuer im Western-Genre, sondern vielmehr wegen ihres Stils und ihrer Entstehungsgeschichte, die untrennbar miteinander verbunden sind. Peter O´Pencil entstand auf Wunsch des Auftraggebers Zack, der ein europaweites Verlagsprodukt schaffen wollte, das auch im Ausland vertrieben werden sollte.
Mit dem Ziel, Leser anzusprechen, die Titel wie Asterix und Lucky Luke gewohnt waren, schufen Sclavi und Cavazzano einen Comic, der stark von französisch-belgischen Vorbildern beeinflusst war. Das Projekt war jedoch nicht von langer Dauer, und nach einem Wechsel des Drehbuchautors (François Corteggiani schrieb die letzten Geschichten enthalten in Band 2) wurde Peter O´Pencil weniger als zwei Jahre später eingestellt.
Band 1 von toonfish präsentiert zum ersten Mal die ersten vier Geschichten der Reihe, geschrieben von Sclavi, während eine ausführliche historische Einleitung die Entstehung dieser Reihe dokumentiert.
Alle Bildmotive des Western-Genres sind vorhanden: u.a. Faustkämpfe, Zugüberfälle, Glücksspiel, Trecks und Duelle.
Insgesamt ist Peter O´Pencil sowohl in Sachen Szenarios, aber auch optisch ein sehr schönes Lesevergnügen. Cavazzano scheint es zu genießen, aufwendig gezeichnete Illustrationen zu schaffen: prachtvolle, detailreiche Hintergründe und Schauplätze, von der mit Papier und Dokumenten überquellenden Redaktion der Boston Tribune bis hin zu den Saloons inmitten bewaldeter Landschaften, die eine wahre Augenweide sind.
Gerade wegen Cavazzanos qualitativ hochwertiger Arbeit ist Peter O´Pencil eine tolle Wiederentdeckung.
Autor: Michael Hüster