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23.09.2026
Splitter

Ich bin ein verlorener Engel

Ich bin ein verlorener Engel
Es wurde ein Toter auf einer Baustelle gefunden. Er steckte kopfüber im Beton. Kommissarin Merkel (keine Beziehung zu Angela) und Gehilfe nehmen sich der Sache an.

Irgendwie scheint auch die etwas verrückte und trotzige Eva Rojas darin verwickelt zu sein, was die nicht abstreitet. Ihr Psychiater bietet der Polizei Hilfe an. Eva, selbst Therapeutin, wird immer von ein paar schrulligen Weibern begleitet, die in ihrem Kopf von Zeit zu Zeit ihre Stimmen erheben. Meistens kritische. Ihre Mutter ist Dauerpatientin in Psychiatrien. 

Eva erzählt der Polizei in Anwesenheit ihres Psychiaters: Dass sie als Amateurdetektivin u.a. nach einem verschwundenen Klienten von ihr fahndete, mit Models eine heiße Party feierte, einem dubiosen schwarzgekleideten „Gargamel“ begegnete, sich mit ein paar Nazis anlegte und überhaupt stur ihrer vermeintlichen Bestimmung folgte. Während ihrer Nachforschungen begegnete sie krimitypischen Leuten, mal mehr, mal wenige suspekten.
Am Ende offenbart sie, warum sie durchaus in den Fall des im Beton Steckenden involviert ist.

Die Zeichnungen sind im realistischen Funny Stil abgelegt. Die Charaktere weisen eine gut differenzierte Physiognomie auf, was sie gut unterscheidbar macht; das ist in Comics nicht immer der Fall. Die Protagonisten sind sehr „beweglich“ gezeichnet, niemals stereotyp, auch die Perspektiven sehr abwechslungsreich. Guter Job!

Die Story beginnt rätselhaft mit der Titelheldin, die hoch auf einem Kran steht. Dieses Rätsel wird zum Schluss aufgeklärt. Es ist eine auch humorvolle Kriminalgeschichte, die aber einen realen humorlosen Hintergrund hat, den man gegenwärtig durchaus als Gesellschaftsproblem bezeichnen kann. Sie enthält frische Ideen, mit denen der Autor und gleichzeitiger Zeichner nicht nur originelle Charaktere kreierte, sondern diesen „Barcelona-Krimi“ auch sehr spannend konzipierte.
Die Sprache ist dabei mitunter so frech und frei wie die Hauptprotagonistin, die sich als einen verlorenen Engel versteht. Naja, sie hat zumindest tätowierte Flügelchen auf dem Rücken. Auch wenn man im Laufe der Handlung vielleicht schon erkennen mag, wohin die Geschichte führt, so ist der Weg zur Auflösung trotzdem sehr amüsant und spannend - denn Eva hat viele eigenartige Facetten in ihrer Persönlichkeit. Und ist auch einer romantischen unerwarteten Episode nicht abgeneigt, wo ihre bedürftige Sexualität voll auf ihre Kosten kommt.
Ein sehr unterhaltender Krimi mit teils skurrilen Akteuren und Kritik an diversen gesellschaftlichen Zuständen.

Ich bin ein verlorener Engel
Text und Zeichnungen: Jordi Lafebre
112 Seiten
Splitter
25,00 Euro

Autor: Rolf Pressburger