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21.07.2021

Splitter – Backlist: Der Incal

Moebius Meisterwerk

Moebius Meisterwerk

Die Space Opera um den Incal ist die international renommierteste Science-Fiction-Comic-Reihe, die schon bald nach ihrem erstmaligen Erscheinen im Jahre 1980 zu einem Klassiker wurde.

Mit den Abenteuern des Privatdetektivs Klasse R, John Difool, begründeten Alexandro Jodorowsky und Moebius ihren Ruf als das herausragende Autorenduo der grafischen Erzählung.

Die John-Difool-Gesamtausgabe umfasst alle sechs von Moebius und Jodorowsky in Szene gesetzten Episoden um den Incal (Der schwarze Incal, Der Incal des Lichts, In tiefsten Tiefen, In höchsten Höhen, In weiter Ferne, In nächster Nähe).

Am Anfang und am Ende steht ein Fall in den Abgrund. Es ist der Fall des Helden John Difool, Privatdetektiv Klasse R und Bewohner von "Terra 21". Diese gigantische Höhlenstadt ist in Ebenen aufgeteilt. Die oberen Bereiche werden von den "Aristos" (sozial Privilegierten) bewohnt, während die Masse vor Fernsehern vegetiert. Tiefer beherbergen die Ebenen des roten Rings das Vergnügungsviertel für die reichen Adligen. Der Säuresee schließlich zersetzt auf der untersten Ebene die Körper der Selbstmörder. John Difool und seine Betonschwalbe Dipo geraten nun unfreiwillig in intergalaktische Verschwörungen und finden sich plötzlich im Mittelpunkt von Ereignissen, die das ganze Universum verändern...

Zum Inhalt: John Difool führt ein eher unspektakuläres Leben. Durch Zufall gelangt er in den Besitz eines mysteriösen Artefakts, den "Weißen Incal", hinter dem alle möglichen Gruppierungen und Mächte her sind, besonders die finstere "Techno-Kaste" will den Weißen Incal (oder auch "Incal des Lichts") in die Finger kriegen, da sie schon im Besitz des "Schwarzen Incal" ist. Dieses Ereignis wird Johns Leben gründlich verändern …

Es stellt sich heraus, dass diese beiden Artefakte ursprünglich eine Einheit bildeten, die von zwei Schwestern, Animah und Tanatah, behütet wurden. Als Tanatah sich jedoch der Finsternis zuwandte, stahl sie den Schwarzen Incal und überließ ihn den Techno-Technikern, damit diese ihr im Gegenzug zur Macht verhelfen.
Tanatah wurde Königin der "Amok", der größten Untergrundarmee des Planeten Terra 21 und die Techno-Kaste verschrieb sich mit Hilfe des Schwarzen Incals der Finsternis. Tanatah, ausgestattet mit der überlegenen Techno-Technik, erobert in der Folge einen Großteil des Planeten und ist auch hinter dem Weißen Incal her. Tanatah erfährt, dass Difool den Weißen Incal hat und setzt den erfolgreichsten Menschenjäger des Systems auf ihn an, den "Meta-Baron"…


Der John-Difool-Zyklus gehört zwar ins SF-Genre, ist vor allem aber eine sehr spannende Abenteuergeschichte. Es ist verblüffend, wie gut durchdacht dieses Universum der Autoren ist, das auf mehreren Ebenen gleichzeitig funktioniert und u. a. eine dekadente und langsam zerfallende Gesellschaftsordnung beschreibt. Und es ist spannend zu beobachten, wie sich die Figur des Anti-Helden und zunächst ängstlichen Privatdetektivs John Difool zum göttlichen Werkzeug wandelt.

"John Difool" bedient sich vieler Elemente aus ganz verschiedenen Genres und Moebius, dessen zeichnerische Wurzeln ja im Western-Comic liegen ("Blueberry"), versteht es meisterhaft, diese umzusetzen. So gibt es Anleihen aus dem Krimi-Bereich, es werden soziale Stellungnahmen gemacht, es gibt Referenzen an den Horrorfilm, religiöse Symbole spielen eine Rolle, echte Helden und Finsterlinge sind von der klassischen Geschichte und von Mythen beeinflusst und auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Und es gibt natürlich die Zeichnungen selber, die von einer solchen Detailverliebtheit einerseits und unglaublicher Leichtigkeit andererseits sind, dass man einfach nur noch beeindruckt beobachten kann!

"John Difool" ist ein zeitloser Klassiker und gehört zu den Bänden, die man immer mal wieder gern zum Lesen aus dem Regal nimmt, und vielleicht sogar wieder Neues entdeckt. Dieser Zyklus stellt, jedenfalls für mich, das Schlüsselwerk von Moebius dar (nicht von Giraud - das ist natürlich "Blueberry"!) und ist eines der absoluten Highlights der französischen Comic-Kunst. Unbedingt lesen!

Moebius bei PPM

Autor: Michael Hüster