Baker war ein Koryphäe im Jazz, er spielte mit vielen anderen Stars des Genres zusammen. Einerseits war er da sehr erfolgreich, andererseits hatte er auch sehr viele Probleme. Vor allem, was seine Drogensucht und die damit verbundenen kriminellen Episoden angehen.
Holger Klein hat diesen Episoden eine interessante erzählerische Chronologie gegeben.
Angefangen in den 1950er Jahren, als Chet bei einem Vorspielen mit dutzend anderen Jazzern eine Anstellung bei Charlie Parker, einem schon etablierten Star der Jazz-Szene, bekam. Hier waren auch schon Drogendealer voll im Geschäft, viele Musiker ihre Kunden.
Chets Karriere ging weiter mit anderen Stars. Er wurde ebenfalls berühmt, wurde von Kennern geschätzt und trat zeitweise auch mit eigener Band auf. Doch sein unstetes privates Leben und seine einzige Begabung, die Musik, engten ihn ein. Nach einer Schlägerei mit Gaunern verlor er seine Zähne und konnte lange nicht mehr sein Instrument spiele. Als Tankwart verdiente er mühselig seinen Lebensunterhalt. Chet war ein hochsensibler Mensch: Versagensängste vor Auftritten und die Abhängigkeit von Drogen ließen keine Entwicklung zu einer gewissen Resilienz seiner Persönlichkeit zu. Er wurde 1988 in Amsterdam nachts auf der Straße tot aufgefunden. Vermutet wird ein Sturz aufgrund eines Unfalles oder Verbrechens. Die dazu führenden Hintergründe dürften die Intention von Holger Klein gewesen sein, diese Geschichte so zu konzipieren!
Ein künstlerischer Kniff dabei ist eine junge schwarzhaarige Frau, die Baker vor seinem Tod zufällig als Anhalterin mit nimmt, die ihn porträtiert, und eine Zeit lang begleitet. Ihr erzählte er quasi diese seine Geschichte. Ihre Sprechblasen sind schwarz untermalt und somit als etwas Spezielles markiert. Im Epilog ist dieses Spezielle auch grafisch als Überraschung und mögliche mystische Erklärung als Abschluss zu sehen!
Bei der Idee zu dieser Protagonistin scheint sich Klein wohl von „Death“ inspirieren lassen zu haben, einer Figur aus Neil Gaimans „Sandman“ Epos.
Die Zeichnungen sind mit passender Kolorierung ausgestattet. Eine Stärke ist der wechselnde jeweilige szenentaugliche Farbeindruck. Die Gesichter der einzelnen bekannten Musiker und anderen Berühmtheiten jener Zeit sind gut getroffen und identifizierbar.
Eine Art Biografie mit erweiternden fiktionalen Fakten, die Holger Klein in die Story mit einbaut.
Ein Umriss der facettenreichen Karriere des begabten und berühmten Jazz-Trompeters Chet Baker.
Als reiner Lesestoff unterhaltend und abwechslungsreich!
Chet Noir
Text und Zeichnungen: Holger Klei
152 Seiten
Kult Comics
26,00 Euro
Autor: Rolf Pressburger