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07.10.2026
Schreiber & Leser

Der Magier im Kreml

Der Magier im Kreml
Von Luc Jamon, dem Autor und Zeichner dieser politischen Graphic Novel, ist hierzuland nur seine Serie „Der Killer“ bekannt, einThriller. Er adaptierte nun den Roman von Giuliano da Emoli und setzte ihn auch zeichnerisch hervorragend um. Es ist kein Horrorthriller oder Science Fiction Comic wie Titel und Titelbild vielleicht vermuten lassen. Wenngleich es schon bedrückend ist, wenn alles wahr ist, was hier zu lesen ist!

Wadja ist ein Spross einer aristokratischen Familie in Russland. In den 1960er Jahren bestand das Leben fast nur aus Jagd auf Bären. Anfang der 1990er Jahre war es ganz anders. Er verliebte sich in Xenja, die ihn jedoch verließ. Er wurde einer der Männer, auf die Putin sich verließ und er arbeitete mit ihm an der Neugestaltung Russlands. Vorrangig um die Verfestigung der vertikalen Macht, also die eines Alleinherrschers von oben nach unten. Dazu bedarf es wiederum eine Strategie, zu der Wadja beitrug.

Der Handlungsbogen besteht aus politischen Begebenheiten rund um die russische Intention, den „Bären“ wieder zu einem großartigen Reich zu machen, aufgezeigt von Wadja selbst, einige Jahre später. Es werden innere korrupte und macht orientierte Episoden aufgezeigt. Ebenso die  radikalen Konsequenzen, passt Putin irgendwas nicht! Das geht hin bis zum Ukraine Konflikt. Und zeigt auch die Absicht der Propaganda, die gegen den Westen gerichtet ist, in klaren Aussagen auf. Den privaten Rahmen bildet die politische Chance von Wadja ab und seine verlorene Liebe Xenja.
Mit Metaphern, z.B. vom Überlebenskampf Wölfe gegen den Bären in der Wildnis, die statisch wirkende Winterlandschaft, in der nichts außer Bewegung gesehen wird oder die Arroganz der Oligarchen für Ausbeutung des Volkes. Da gibt es passende Interpretationshinweise.

Russland wird nicht nur als Land der grundsätzlich bösen Menschen dargestellt, aber als Land, dessen Seele mit diesem Textabschnitt wohl gut aufzeigt wird: „Die Wahrheit zeigt ihr Gesicht. Das Imperium des Zaren war aus Krieg geboren und es war nur logisch, dass es zum Krieg zurück kehrt“.

Zeichnerisch zeigt Jacamon ein sehr gelungenes Werk, das auf einigen großformatigen Seiten auch wunderschöne Naturszenen zeigt; aber auch die Diskrepanz zwischen kalter Berechnung in Büros und überbordenden finanzielle Privilegien im Ausland.

Die Graphic Novel ist für eine reale politische Erzählung erstaunlicherweise nicht sehr textlastig; weniger, als in anderen Fällen, wo die Grafik kaum mehr als beiläufige Illustrationen sind.  Sie ist unterhaltsam, informativ und durchaus spannend, toll gezeichnet und gibt auch Einblicke in die gegenwärtigen Auseinandersetzungen mit USA und Europa.

Autor: Rolf Pressburger