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08.06.2022

Bunte Dimensionen

Im Jahr 1521 hat Jakob Fugger die Fuggerei in Augsburg gestiftet

Im Jahr 1521 hat Jakob Fugger die Fuggerei in Augsburg gestiftet

Autor Paul Rietzl: Ziel der GN war es, das Leben der einfachen Leute zu der Zeit lebendig darzustellen und für die Leser*innen „erfühlbar“ zu machen!

Paul Rietzl ist Illustrator und Comiczeichner in München. Er wuchs im Umland der bayerischen Landeshauptstadt auf, machte nach seinem Schulabschluss eine Lehre zum Glas- und Porzellanmaler und zog schließlich, für ein Studium zum Kommunikationsdesigner, nach Augsburg. Nach seinem Masterabschluss ließ er sich eben da als freiberuflicher Illustrator und Grafikdesigner nieder. Einige Jahre später zog er schließlich nach München. Jede freie Minute gehört den Comics, für die er sich bereits seit frühester Kindheit begeistert. Jahr 2016 erschien seine Sci-Fi-Geschichte „Shipwreck“ als Buchrolle im „Round Not Square“-Verlag aus Berlin.
Nach einiger Zeit des Experimentierens erschien im Dezember 2021 seine Graphic Novel „Augsburg 1521“, die in Zusammenarbeit mit den Augsburger Kunstsammlungen und Museen entstand. Weitere persönliche Comicprojekte sind derweil in Arbeit. Außerdem arbeitet er als Kunstdozent mit allen Altersstufen sowohl in anerkannten Bildungseinrichtungen, als auch frei mit unregelmäßigen Comicworkshops. Er ist Mitglied im Verein „Kunst hält Wache e.V.“, der sich der künstlerischen Beobachtung gesellschaftlicher und politischer Geschehnisse und außerdem der Arbeit mit Jugendlichen durch Workshops und Ausstellungen verschrieben hat.

Das Interview mit Paul Rietzl führte Michael Hüster. Das komplette Interview gibt es in ZACK 5/2022.

Wann entstand das Augsburg-Projekt und worum geht es in der GN?

P.R.: Das Buch wurde von den Augsburger Kunstsammlungen und Museen in Auftrag gegeben.
Die Geschichte entstand in enger Zusammenarbeit mit einem Team von Historiker*innen. Alle in der Graphic Novel abgebildeten Orte entsprechen ihren Vorbildern. Gebäude und Strukturen, die heute nicht mehr existieren, wurden anhand historischer Bilder zeichnerisch rekonstruiert.

Die fiktive Geschichte handelt von dem Bauernjungen Jakob von Burgau, der auf der Suche nach einer Lehrstelle im Jahr 1521 nach Augsburg kommt und dort mit zahlreichen Problemen des Stadtlebens konfrontiert wird. Die zweite Hauptperson ist die Nonne Katharina, die aufgrund der sich abzeichnenden Reformation mit einer Glaubenskrise zu kämpfen hat. Die beiden treffen im Laufe der Geschichte aufeinander und stellen sich den Herausforderungen gemeinsam.

Wieviel Zeit hattest du, um das 50 Seiten umfassende Buch zu realisieren?

P.R.: Wir haben im November 2020 mit der Arbeit begonnen und Ende Juni war die GN fertig. Die Zeit war also recht knapp. Anfang März 2021 war die Geschichte geschrieben und die Arbeit am Storyboard begann. Im April konnte ich dann mit der Reinzeichnung beginnen. Ich hatte also knapp drei Monate um die 50 Seiten final umzusetzen. Ich musste also buchstäblich Tag und Nacht arbeiten um die Deadline zu halten. Im Dezember 2021 wurde das Buch dann veröffentlicht (Verlag Bunte Dimensionen)

Gab es von Seiten der Auftraggeber Vorgaben, die du berücksichtigen musstest?

P.R.: Die gab es – ganz konkret allerdings nur, dass die Geschichte ca. 50 Seiten umfassen muss.
Künstlerisch war ich sehr frei. So oder so waren die Auftraggeber*innen aber sehr stark in den Entstehungsprozess involviert. Alleine hätte ich die ganze notwendige Arbeit auch gar nicht leisten können.

Hauptfiguren sind Jakob und Katharina. Er auf Lehrstellensuche, sie als Ordensfrau mit Glaubensfragen und die Pest befasst. War das Konzept von Beginn an auf die beiden Protagonisten zugeschnitten?

P.R.: Ja. Es stand von Anfang an fest, dass die Geschichte möglichst zu gleichen Teilen zwischen einer weiblichen und männlichen Hauptfigur aufgeteilt werden soll. In der finalen Version hat die männliche Hauptfigur Jakob bedauerlicherweise doch ein leichtes Übergewicht gekriegt, da die erste Fassung der Geschichte deutlich gekürzt werden musste und dass bei Katharinas Teil einfach leichter ging bzw. es anders nicht möglich war. Wir sind stolz eine starke und interessante weibliche Figur in einer tragenden Rolle in der Geschichte zu haben, hätten aber tatsächlich gerne mehr Katharina gehabt.

Warum wurde der Zeitkorridor 1521 gewählt, in dem die Pest in Augsburg wütete?

P.R.: Vor exakt 500 Jahren, im Jahr 1521, hat Jakob Fugger die Fuggerei in Augsburg gestiftet. Ziel der GN war es, das Leben der einfachen Leute zu der Zeit lebendig darzustellen und für die Leser*innen „erfühlbar“ zu machen. Dass zu dieser Zeit die Pest in Augsburg wütete, ist gewissermaßen Zufall, aber da es ein großes Ereignis ist, dass das Leben praktisch jede*r Bürger* in Augsburg zu dieser Zeit berührt hat, hatte die Pest natürlich ihren festen Platz in der Geschichte.

„Augsburg 1521“ erschien beim Verlag Bunte Dimensionen. Wie entstand die Verbindung zum Augsburger Verlag?

P.R.: Thierry Zeller, der Verlagsleiter, ist mittlerweile ein alter Bekannter und Freund. Gemessen an der Größe der Stadt, ist die Comicszene in Augsburg, auch durch die Hochschule und Thierrys Comicbuchladen „Comic Time“, recht lebendig. Wir sind uns schon über den Weg gelaufen, als ich noch studiert habe und haben uns direkt gut verstanden und mit der Begeisterung für Comics eine Gemeinsamkeit.

Vielen Dank für das Interview!

Paul signiert in Erlangen von FR bis SO !!! Leseprobe

Alle Bunte Dimensionen – Comics bei PPM

Autor: Michael Hüster