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20.06.2024
Die ZACK Chronik - nur noch geringe Bestände!

Autor Bernd Weckwert: Es ist ca. zehn Jahre her, dass ich erstmals auf die Idee kam, ein Buch über das erste Zack, also das des Koralle Verlags, zu schreiben

Autor Bernd Weckwert: Es ist ca. zehn Jahre her, dass ich erstmals auf die Idee kam, ein Buch über das erste Zack, also das des Koralle Verlags, zu schreiben
Mit „Die ZACK Chronik“ präsentiert der All Verlag ein Kompendium des Wissens, welches sich dem legendären Comicmagazin widmet, das eine Generation von Lesern mit Serien wie Michel Vaillant, Leutnant Blueberry, Luc Orient oder Andy Morgan prägte.

Der Comicexperte Bernd Weckwert zeichnet kenntnisreich den Weg von der Planung des Magazins bis zu seiner Einstellung nach und stellt die einzelnen Ausgaben mit Blick auf ihre jeweiligen Besonderheiten vor.
Neben den Titelbildern aller ZACK-Publikationen, einer Galerie der ZACK-Poster und einem Serienindex werden in diesem umfassenden Werk begehrte und selten gesehene ZACK-Clubartikel und weiteres Merchandising wie die ZACK-LPs vorgestellt. Als Sahnehäubchen dürfen sich Leser über den ZACK-Dummy des Redakteurs Gigi Spina und Titelbilder von nicht mehr realisierten Alben freuen!
Nachfolgend ein Interview mit Autor Bernd Weckwert.

PPM: Erzähle uns etwas zur Idee und den Anfängen des Buches.

Bernd Weckwert: Es ist ca. zehn Jahre her, dass ich erstmals auf die Idee kam, ein Buch über das erste Zack, also das des Koralle Verlags, zu schreiben. Lange Zeit war das nicht mehr als ein Gedanke, erst nach und nach und ohne intensiv darüber nachzudenken, entwickelte ich eine Vorstellung davon, wie dieses aussehen sollte. Vor sechs Jahren wurde es etwas konkreter, als ich erstmals ein Inhaltsverzeichnis anfertigte, eine Übersicht dessen, was ich unbedingt im Buch haben wollte und wie viel Platz ich dafür brauchte. Gleichzeitig wurde ausgesiebt, denn selbst auf 400 Seiten ist man begrenzt. D.h. eigentlich 350 Seiten, denn so viel waren ursprünglich geplant.
Kurz angedacht war z.B., auf Zack-Nachfolger wie den Comic Spiegel einzugehen. Doch jedes neue Thema bedeutet, sich bei anderen Abschnitten zurückzunehmen... und beim Koralle-Zack wollte ich unbedingt ausführlich sein. Daher war ein Cut nötig und so entschied ich, dass das Buch mit dem Ende des Koralle-Zack abschließen sollte. Eine prima Chance für alle, die eine Fortsetzung schreiben wollen.
Viel Spaß dabei! 

Kurz darauf habe ich die Zack-Redaktion zweimal über deren Homepage schriftlich auf mein Projekt hingewiesen, erhielt jedoch keine Antwort. Wie mir Georg Tempel (damals und heute Zack-Chefredakteur) später mitteilte, haben ihn meine E-Mails nicht erreicht. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, aber ist jetzt auch egal.

Da ich fest entschlossen war, das Buch zu schreiben, habe ich halt ohne Verleger begonnen, zu recherchieren und erste Texte anzufertigen. Meine Denke war: „Was soll’s, wenn ich niemanden dafür interessieren kann, gründe ich halt einen eigenen Verlag und bringe das Teil selbst heraus“, obwohl ich keine Ahnung davon hatte, wie das ging. Wird aber auch keine Raketenwissenschaft sein.

Während ich im Mai 2021 an einem Vorwort für den Panther-Integral von Kult gearbeitet habe, unterhielt ich mich mit dessen Grafiker Michael Beck kurz über mein Projekt. Der wird sich darüber mit Ansgar Lüttgenau vom All Verlag ausgetauscht haben, denn kurz darauf rief mich dieser an und zeigte sich interessiert, vorausgesetzt ich lege ihm ein vernünftiges Konzept für das Buch vor. Da ich das längst parat hatte, war das kein Problem.

PPM: Kannst Du ein bisschen über den Inhalt des Buches verraten?

Bernd Weckwert: Sehr früh hatte ich eine feste Vorstellung davon, wie das Buch auszusehen hatte. Opulent in grafischer wie informativer Hinsicht: ganzseitige Illus, Originalseiten aus Zack-Storys und Texte satt, ohne dass diese zu tristen Bleiwüsten verkommen sollten. Es durfte nichts von einem typischen Fan-Produkt haben und auch kein reines Nachschlagewerk sein, das man nur dann aufschlägt, wenn man eine Info sucht. Das Buch sollte ästhetisch sein, in einer Mußestunde dazu verführen, aus dem Regal gezogen zu werden, allein, weil es bereits Vergnügen bereitet, darin zu blättern.

Wichtig war mir auch, dass das Buch so viele Aussagen der Zack-Künstler zu ihren in den Magazinen und Alben veröffentlichten Geschichten wie möglich enthält. Kennst Du Das große Franquin-Buch, dass der Carlsen Verlag 1989 herausbrachte? Dessen Verfasser, Numa Sadoul, geht mit Franquin jede von diesem geschaffene Story step by step durch. Ich liebe Interviews, in denen die Texter oder Zeichner ihre eigenen Geschichten kommentieren und ein bisschen über ihre Gedankenprozesse bei deren Anfertigung verraten und denke, dass die meisten Comicfans genauso empfinden. Wozu braucht es meine Meinung zu einer Story, wenn mir die viel interessantere ihrer Schöpfer bekannt ist? Die dafür nötige Sekundärliteratur hatte und habe ich, zentnerweise. Daher stand sehr früh fest, dass dieser Part die ansonsten knochentrockenen Auflistungen der Storys von Zack-Heft X zu Zack-Heft Y beleben würde. Endlich mal Inhaltsübersichten, die zum Lesen einladen!

Schließlich sollte das Buch eine Menge Infos enthalten, die selbst Kennern nicht bekannt sein dürften. Wer hat z.B. je etwas darüber gelesen, wie das Debüt von Zack in Tintin abgehandelt wurde, dem belgischen Comicmagazin, das die Mehrheit seiner Serien stellte?
Besonders stolz bin ich auf meine im Buch durch einen Bildvergleich belegte Entdeckung, dass Jean Graton (Michel Vaillant) oder einer seiner Assistenten einmal bei William Vance (Bruno Brazil) abgepaust hat. Das trotz leichter Verfremdungen zu erkennen, war mein ganz persönlicher Heureka-Moment im Rahmen dieser Arbeit! Die Leser dürfen gespannt sein.

PPM: Das Buch sollte ursprünglich 2022, zum 50-jährigen Zack-Jubiläum, erscheinen.
Was ist schiefgelaufen?


Bernd Weckwert: Ende 2021 stand das Gros der Texte, so dass der All Verlag das Buch für Juni 2022 ankündigen konnte. Nun gingen wir die grafische Arbeit an. Das Cover und ein paar Probeseiten für die Werbung waren erstellt, das war aber schon alles.
Doch kaum hatte der Verlag das Buch beworben, wurde Ansgar durch das Schreiben eines Rechtsanwalts gestoppt. Die Nutzung des auf dem Cover nur leicht verfremdeten Zack-Logos wurde ihm vom Markeninhaber untersagt.
Außerdem wurde uns bewusst, dass wir die Genehmigung der Rechteinhaber eines Großteils der im Buch verwendeten Abbildungen einholen mussten (bei den Zack-Covern war das nicht nötig). Das konnte nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer werden.
Daher kam Ansgar ins Grübeln, ob sich das Buch noch rechnen würde, wurde in dieser Zeit etwas mutlos und war damit einverstanden, dass ich auch andere Verleger anspreche. In Folge kassierte ich zwei Absagen.

Im Mai 2022 war absoluter Stillstand. Mir war klar, dass ich mit meinem Projekt nur dann bei einem Verleger landen würde, wenn ich zeigen könnte, wie toll das Buch in meiner Vorstellung aussah. Also musste ich die Grafik selbst erstellen.
Obwohl ich keine Ahnung davon hatte, wie das zu bewerkstelligen war, mietete ich mir ein Grafikprogramm. Dann brachte ich mir selbst bei, wie das zu benutzen ist. Das hat meine Arbeitsstunden ins Unermessliche getrieben, da ich mir für jedes grafische Problem mindestens einen Lehrfilm angucken musste, manchmal bis zu drei, vier, da ich nicht jedes Erklär-Video, das ich zur Bewältigung meiner Schwierigkeiten brauchte, auf Anhieb fand. In einem Fall habe ich zusammen mit dem nach Indien outgesourcten telefonischen Customer Support meines Grafikprogramm-Anbieters stundenlang (keine Übertreibung!) nach der Lösung eines Problems gesucht. Wir haben sie gefunden, Dank und Grüße an den Subkontinent!
Am Ende habe ich für sämtliche Arbeiten am Buch – von 2018 bis 2024 – geschätzt ca. 2.200 Arbeitsstunden aufgebracht.

Inzwischen hatte Ansgar erneut Mut gefasst, nicht zuletzt, weil er von vielen Leuten auf das Buch angesprochen wurde. Als ich ihm dann noch meine nahezu druckfertige PDF übersandte, stieg er wieder mit vollem Elan ein!

Es folgten die Verhandlungen mit den Rechteinhabern der Bilder. Alles wieder sehr zeitaufwendig, zudem für diese ärgerlich, da es ihnen viel Arbeit bei – für ihre Verhältnisse - geringem Gewinn bereitete. Auch gaben sie uns mehr als einmal zu verstehen, wie sehr wir nervten . Das daraus resultierende Hin und Her hat über ein Jahr in Anspruch genommen. Von Seiten der Rechteinhaber wurde u.a. verlangt, dass ich die Quellen der von mir verwendeten Bilder haarklein aufliste, d.h. aus welchen Alben stammen diese – gemeint sind natürlich nicht die deutschen, sondern die französischen –, auf welchen Seiten sind sie dort zu finden und auch die Panelnummern, bitteschön. Da ich zu Beginn meiner Arbeit keine Ahnung davon hatte, dass es so etwas brauchen würde, hatte ich mir nichts notiert. Eine Sisyphusarbeit, das bei ca. 1.500 Abbildungen zusammenzutragen. Insgesamt habe ich rund ein Dutzend bis zu 16 Seiten lange Listen erstellt. Eine der stupidesten Tätigkeiten meines Lebens, null Kreativität. Das schafft man nur, wenn man ein lohnendes Ziel vor Augen hat. Aber ein solches hatte ich ja.

PPM: Herzlichen Glückwunsch zum Erscheinen der sehr schönen ZACK-Chronik!
Und natürlich wünsche ich deinem Projekt auch im Verkauf viel Erfolg!!!
2200 Arbeitsstunden sind ein immenser Zeitaufwand, der sich aber wirklich gelohnt hat! Das Buch ist ein Muss für jeden ZACK-Fan!


Leseprobe bei PPM

Autor: Michael Hüster