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25.03.2020

Asterix-Zeichner

Albert Uderzo verstorben

Albert Uderzo verstorben

Die französische Comic-Legende Albert Uderzo (1927-2020) ist im Alter von 92 Jahren verstorben. 1959 schuf er zusammen mit René Goscinny (1926-1977) die unsterblichen Abenteuer von Asterix und Obelix.

Albert Uderzo wurde am 25.04.1927 in Fismes/Frankreich als drittes von fünf Kindern der Familie Uderzo geboren. Da seine Eltern aus Italien stammten und erst 1923 nach Frankreich auswanderten, erhielt Albert zunächst die italienische Staatsbürgerschaft. 1929 zogen die Uderzos nach Clichy-sous-Bois, einem Vorort von Paris.

Clowns und Micky Maus
Waren zunächst Clowns seine besondere Vorliebe, so lernte Albert Uderzo durch die Geschichten von Walt Disney die Welt der Comics kennen. Micky Maus war der Held des ersten Comic strips, den er je gelesen hat. Mit etwa zehn Jahren begann er dann mit seinen eigenen Zeichnungen Geschichten zu erzählen, deren Stil stark von Walt Disney beeinflusst war. Im Oktober 1938 zog die Familie in die Hauptstadt Paris. 1940 folgte dann der Schulabschluss für Albert.

1940/41
Die ersten Comic-Versuche, Uderzo findet Anstellung als Zeichner bei S.P.E., die erste Zeichnung wird veröffentlicht. Er zeichnete gern und entwarf einige Figuren. „Stupido“, „ Pitonet“ und „Punch“ erlebten die verrücktesten Abenteuer. Bruno Uderzo, der nun seinerseits von den Zeichnungen seines Bruders beeindruckt war, schlug diesem vor, aus dem Hobby einen Beruf zu machen.
Albert stellte sich beim Pariser Verlag Société parisienne d’édition (S.P.E.) vor. Die S.P.E. ist ein bedeutender Verlag, der unter anderem zwei Jugendzeitschriften herausgibt: „Junior“ und „Fillette“. Mit dreizehneinhalb Jahren erhielt er 1940 seine erste Anstellung als Zeichner an, die über ein Jahr dauerte. Auf Grund der geänderten Situation trat Albert die Mechanikerschule gar nicht erst an.
Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass Albert nie eine Kunstakademie besuchte oder an einer Schule Zeichnen lernte, er ist reiner Autodidakt.
Die S.P.E. veröffentlichte 1941 im Jugendmagazin „Junior“ die erste Zeichnung von Albert Uderzo: Eine Parodie auf die Fabel vom Raben und vom Fuchs. Es gab sogar ein winziges Honorar dafür. 1942 zog Albert zu seinem Bruder in die Bretagne. 1943 erfolgte die Rückkehr zu den Eltern nach Paris, wo er als Schreinergehilfe tätig wurde.

1945/46
Die ersten Comics: „Flamberge“ und „Clopinard“
Im Jahr 1945 schloss sich Uderzo einer Gruppe von Trickfilmern an und lernte so auch dieses Metier kennen. Doch die Comic-Geschichte erfuhr eine glückliche Fortsetzung. Uderzo gewann einen in der Zeitung France-Soir ausgeschriebenen Comic-Wettbewerb des Verlagshauses „Editions du Chêne“. 1946 veröffentlichte der Verlag den ersten von Uderzo gezeichneten und selbst getexteten Comic „Clopinard“. Die Tätigkeit war sehr gut bezahlt und beseitigte alle Bedenken des ansonsten bisher eher skeptischen Vaters. Für Uderzo stellte sich die Frage, ob er aus seinem Hobby Zeichnen einen Beruf machen sollte.

1946-1948
Die Comic-Zeitschrift O.K.

Durch ein Plakat in der Pariser Metro wurde Uderzo auf eine neue Comic-Zeitschrift mit dem Titel O.K. aufmerksam und kam auf die Idee, eventuell selbst für das Magazin zu arbeiten.
O.K. war eine der ersten Comic-Zeitschriften nach dem Krieg und erschien regelmäßig jede Woche. Neben den bisher zum Abdruck gekommenen „Flamberge“ und „Clopinard“ hatte Uderzo eine große Zahl weiterer Figuren geschaffen und legte diese Entwürfe der Redaktion von O.K. vor. Die Entwürfe kamen an und so begann Uderzos Beruf als Comic-Zeichner 1946 bei O.K. Für die Comic-Zeitschrift entstanden 1946-1948 fünf Folgen einer ganzen Dynastie von Superhelden: „Arys Buck“, „Prinz Rollin“ und „Belloy der Unbezwingbare“. 1947 erschien die Geschichte vom Affenmenschen „Zidore“. Für O.K. illustrierte Uderzo 1948 u. a. auch die Comic-Geschichte „Le Trésor de I’Ile Fantôme“. Von November 1948 bis Oktober 1949 musste Albert seinen Militärdienst ableisten. Nach Ende der Dienstzeit stellte er jedoch enttäuscht fest, dass es O.K. nicht mehr gab. 1949 war für die Comic-Branche kein günstiges Jahr und so fand Uderzo keine neue Anstellung als Comic-Zeichner.

Dann geht es Schlag auf Schlag:

  • 1950/51: Uderzo wird Pressezeichner bei France Dimanche und France-Soir
  • 1951: Uderzo wird Mitarbeiter beim belgischen Agentur-DuoInternational Press /World Press, erstes Zusammentreffen mit René Goscinny
  • Ab 1956 arbeitet er für Edifrance und Edipresse


… bis 1959 seine Zeit bei Pilote beginnt …
Eines Tages tauchte Francois Clauteaux, ein Bekannter von Jean Hébrard, in den Büroräumen von „Edipresse und Edifrance“ auf und hatte die Idee zu „Pilote“, dem großen illustrierten Magazin für die Jugend, im Gepäck.
Clauteaux schlug eine Zusammenarbeit unter seiner Leitung vor. Das Team von Edipresse
(Goscinny, Uderzo und Charlier) sollte die redaktionellen Fähigkeiten einbringen. Sie alle waren echte Profis, denen Clauteaux für seine Idee nur eine Bedingung machte: alle Helden der Geschichten mussten, als Antwort auf die Flut amerikanischer Themen, Franzosen sein. Clauteaux hingegen nutzte seine guten Beziehungen zu Radio Luxemburg (sein kleiner Sohn war zum Star einer beliebten Sendung von Radio Luxemburg geworden), um den Sender von den Vorteilen eines eigenen Jugendmagazins überzeugen. Um das Magazin erfolgreich zu etablieren, sollte Radio Luxemburg sein ganzes Gewicht als Werbeträger einsetzen. Das Medium Radio war damals noch sehr wichtig. Radio Luxemburg stimmte dem Experiment zu. Der Pressechef des Senders, Raymond Joly, konnte zudem die Verleger einer regionalen Tageszeitung in Zentralfrankreich, die Herren Courtaud und Ribière, als Investoren für die neue Jugendzeitschrift gewinnen.
So konnte die Arbeit an dem Jugendmagazin „Pilote“ beginnen, für das eigens der Verlag „Société nouvelle du Journal Pilote“ gegründet wurde. Zur ersten Redaktion gehörte Albert Uderzo als künstlerischer Leiter, Chefredakteur Francois Clauteaux, der Werbefachmann Raymond Joly, Jean-Michel Charlier und René Goscinny.

Goscinny und Uderzo planten für „Pilote“ eine neue Serie. Beide gingen die großen Zeitabschnitte der französischen Geschichte durch. Das Thema Gallien entwickelte eine gewisse Faszination. Es gab bereits die realistische Serie „Alix“ von Jaques Martin, aber das Team Goscinny/Uderzo plante eine humoristische Serie und so sahen sie keine Überschneidungen. Zum Glück kannten sie nicht „Totorix“ von Jean Nohain und „Aviorix“ von Cheneval. Der einzige Gallier, der den Autoren einfiel, war Vercingetorix. So entschlossen sie sich, die Namen ihrer Gallier ebenfalls alle auf -ix enden zu lassen.
Die Hauptfigur erhielt den Namen „Asterix“. Die Entscheidung fiel, „listig“ wie die Autoren nun einmal waren, aus ganz einfachem Grund: bei alphabetischen Aufstellungen steht der Name immer ganz weit oben. Unter historischen Gesichtspunkten boten sich die Römer als natürliche Gegner der Gallier an. In einigen kurz aufeinander folgenden Treffen entstanden die Comicfiguren, das Dorf, die Zaubertrank-Idee, die Römerlager und der Rest der Gallierwelt. „Alea iacta est!“ Die Würfel waren damit gefallen.

Die Abenteuer von Asterix und Obelix begannen am 29.10.1959 in der Erstausgabe der wöchentlich erscheinenden Jugendzeitschrift „Pilote“ mit „Asterix der Gallier“. Die 44 Seiten umfassende Geschichte gelangte in 38 Folgen bis zum 14.07.1960 auf den Seiten von Pilote zum Abdruck. 1961 brachte Dargaud das erste Asterix-Album heraus. Von dem Band „Asterix der Gallier“ fanden 6.000 Exemplare einen Käufer. Es sollte der Beginn eines unvergleichlichen Siegeszuges für den kleinen listigen gallischen Krieger werden.

Ihren ersten Auftritt in Deutschland hatten Asterix & Obelix in der Nummer 6/1965 von „LUPO“, einem vom Kauka-Verlag (bekannt durch Fix und Foxi) herausgegebenen Magazin. Asterix & Obelix wurden in „Siggi & Babarass“ umbenannt und in Westgermanen verwandelt. Die Zeichnungen von Uderzo erfuhren nur geringe Veränderungen, die deutsche Textbearbeitung gerät jedoch zur kompletten Entstellung des Goscinny-Textes. Die Autoren entzogen dem Kauka-Verlag 1966, nachdem vier Alben bereits erschienen waren, das Nachdruckrecht. Im Magazin „MV-COMIX“ des Ehapa Verlags erlebten die „Asterix“-Abenteuer ab Oktober 1967 ihre Fortsetzung. Seit 1968 ist der Egmont Ehapa-Verlag der Herausgeber der Asterix-Alben.

Der Rest ist Comic-Geschichte.

Die „Asterix“-Abenteuer werden in nahezu allen Ländern der Welt vertrieben. Von den bisher publizierten 38 Abenteuern wurden weltweit seit 1961 unglaubliche 375 Millionen Alben in 111 Sprachen und Dialekten an ein begeistertes Publikum verkauft. Etwa ein Drittel davon ging an deutsche Fans der Serie.  

Albert Uderzo hatte die Serie schon vor einiger Zeit an das Nachfolgeteam Ferri/Conrad übergeben, die bereits die letzten vier Alben kreiert haben.

Ein persönliches Treffen mit Albert Uderzo auf dem Comic-Salon in Erlangen 2004 war eines der größten Erlebnisse für mich als Comic-Fan. Ich werde diesen Event niemals vergessen.

(c) Fotos: Michael Hüster + S.O. Troschke

Textquelle: Der weite Weg zu Asterix, Egmont Ehapa Verlag

Autor: Michael Hüster