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13.09.2021

Chinabooks

Das Kino des Lebens

Das Kino des Lebens

Schöpfer dieses visuell beeindruckenden Buches ist Jimmy Liao, Illustrator und Autor aus Taiwan. Er wurde mehrmals für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.

Seine Werke in vielen Sprachen der Welt übersetzt. Sie sind melancholisch und oft doch voller Lebensfreude. So auch der vorliegende Band.

Die Ich-Erzählerin ist eine junge Frau. Sie schwärmt vom Kino, in das sie so oft wie möglich geht um so oft wie möglich in eine Traumwelt zu gelangen. Denn sie vermisst ihre Mutter und im Kino hofft sie, sie eines Tages wieder zu treffen. Sie geht mit Jungs dort hin, mit Freunden, mit ihrem Vater und allein. Eines Tages trifft sie einen Regisseur und sie heiraten. Doch das reale Glück hält nur kurz. Sie bekommt eine Tochter und lässt sich scheiden. Den Schmerz und die Leere versucht sie mit Kinobesuchen mit ihrer Tochter zu mildern. Beginnt die Geschichte nun von Neuem, in der ein Mädchen, ihre Tochter, den Vater vermisst?

Gemächlich entschleunigt erzählt Liao die Geschichte vom Kind zur desillusionierten erwachsenen Frau. Der rote Faden ist das Kino. Ach wie schön ist doch das Leben im Film, wird zu einer sich wiederholenden Phrase; denn im Kinosaal sind fantasievolle Träume näher als die schnöde Welt draußen. Geschickt hantiert Liao mit Reminiszenzen an Filmklassiker oder weltbekannte Gemälde. Es gibt diesbezüglich einiges auf den Seiten zu entdecken; auch vergnügliche kleine Randnotizen in Form fast versteckter zeichnerischer Anekdoten. Zudem ist diese Geschichte mit poetisch anmutenden und sinnhaltigen Sätzen angefüllt, die sowohl eine gelassene Weltsicht, bisweilen traurige, als auch eine hoffnungsvolle Aussage in sich tragen.

Der visuelle Eindruck ergänzt die Handlung mit an die  jeweiligen Textpassagen angepassten Bildern. In teils ganz- oder doppelseitigen Bildern weist Liao sowohl auf die Einsamkeit als auch auf die Fülle der Lebenseindrücke hin. Sie sind sehr abwechslungsreich gestaltet und ohne aufeinander folgende kleine Panels wie in herkömmlichen Comics. Eher wie in einem Bilderbuch, in einer vor bunten Bilder berstenden künstlerischen Schönheit.

Ein Bildband für besinnliche Stunden. Für ein Lesevergnügen der ausgefallenen Art. Warmherzig im Text und mit herzlichem Fazit am Ende. Ach, wie ist das Leben schön!
Dass so ein Bilderbuch, vorwiegend für ältere Leser konzipiert, durchaus so unterhaltend sein kann wie ein thematisch ähnlich gelagerter Film steht in diesem Fall außer Zweifel!

Das Kino des Lebens
Text und Zeichnungen: Jimmy Liao
130 Seiten
chinabooks
27,90 Euro

Autor: Rolf Pressburger