News - Rezensionen


27.04.2020

Chinabooks

Die Klingen der Wächter 1

Die Klingen der Wächter 1

Der koreanische Comickünstler Xu Xianzhe verbrachte einige Jahr damit, sein Erstlingswerk vorzubereiten und zu gestalten.

Als Autodidakt in dieser Branche legte er sich Kenntnisse und Fingerfertigkeit zu, recherchierte in historischen Quellen und verfeinerte seinen Zeichenstil. So erschuf er das vorliegende Epos in der Tradition klassischer Mafia-, Western- und Samurai-Filmen, die er unumwunden als Inspiration angibt.

Der Einzelgänger und Glücksritter Daoma zieht mit seinem Sohn Xiaoqi durch die Lande. Er hofft, einen gesuchten Verbrecher erledigen zu können, um die Belohnung zu kassieren. Überall können böse Dämonen auftauchen und sie in Gefahr bringen. Nach einigen siegreichen Scharmützeln gelangen sie in ein Wirtshaus, in dem sie freundlich empfangen werden. Doch der Wirt hat Schwierigkeiten, seine Schulden an den Staat zu begleichen und kommt hinsichtlich des gesuchten Banditen, der die doppelköpfige Schlange genannt wird, auf eine verwegene Idee. Und Daoma soll ihm dann einen Teil der Belohnung abgeben. Doch es kommt ganz anders!
Daoma ist der „edle Ritter“, wie man ihn aus vielen Geschichten kennt. Edelmütig, entschlossen und moralisch integer. Geschickt mit dem Schwert und seinen Fäusten, beweglich im Geist und in seinen Absichten. Sein noch naiver Sohn steuert bisweilen Humor zur Handlung bei. Schon die weltbekannte Serie „Lone Wolf und Cub“ hat einen Helden, der mit seinem Kind im Schlepptau Abenteuer besteht; hierzu ist die Parallele offensichtlich. Doch in der vorliegenden Story ist der Einfluss der Fantasy in der Erzählweise neu. Widerlich aussehende Dämonen haben die Physiognomie von allseits bekannten Orks. Die Geschichte pendelt in diesem ersten Band zwischen Zweikämpfen, kleineren Schlachten und menschlichen Tragödien hin und her. Die damalige Zeit ist hart und die Geschehnisse weisen bisweilen grausame Züge auf.
Die Zeichnungen sind sehr dynamisch, in Actionszenen vielleicht ein wenig unübersichtlich. In kantigen Strichen und Grautönen sind Personen und die Umgebung effektiv zu Papier gebracht. Manchmal aus extremen perspektivischen Blickwinkeln heraus; das gibt den Handlungen in den Panels Bewegung.
Sofort wird der Leser schon auf den ersten Seiten mit einer krachenden Episode, bestehend aus einem Fight einer gegen viele, konfrontiert, schlägt er das Buch auf. Im Verlauf sind noch etliche Kampfhandlungen zu sehen. Doch der Comic (Manhua) bietet weit mehr! Zwar nicht sehr viel Innovation hinsichtlich der Grundidee, aber doch ausschweifende Handlungsstränge mit einigen Überraschungen und unvorhersehbaren Verläufen. Im Gesamten eine vielschichtige historische Serie mit charakterstarken Protagonisten, sowie gesellschaftlich und politisch relevanten Bezügen zu der damaligen Zeit. Spannend, draufgängerisch und auch für Leser außerhalb dieses Kulturkreises in der Haupthandlung durchaus nachvollziehbar!

Die Klingen der Wächter 1
Text und Zeichnungen: Xu Xianzhe
276 Seiten
Chinabooks
14,95 Euro

Autor: Rolf Pressburger